Der Tagesablauf in der Anstalt ist immer gleich: Um sechs Uhr vormittags geht der Nachtdienst durch und dreht das Licht auf. Um sieben Uhr weckt die Sprechanlage. Um viertel acht wird das Frühstück gebracht. Danach kann geduscht werden. Das Mittagessen wird um halb zwölf Uhr ausgegeben. Schon zwei Stunden später gibt es Abendessen. Und um halb drei übernimmt bereits der Nachtdienst. Schuld daran: die Personalknappheit. Die Mehrheit der Insassen wird mitten am Nachmittag wieder in den Hafträumen eingeschlossen.

Highlight für die Häftlinge

Die einen teilen sich die Zelle mit nur einem Mithäftling, andere schlafen mit bis zu neun Mitbewohnern in einem Raum. Weil Jugendliche maximal zu zweit sein dürfen, werden mehr Erwachsene in einen Haftraum gesteckt. Um 22 Uhr, wenn Obritzhauser daheim über den nächsten Tag nachdenkt, wird schließlich das Licht abgedreht.

In diesem strikten Tagesprogramm sei die Zeit bei ihr ein Highlight für die Mädchen, sagt Obritzhauser, die wochentags ab halb acht in der Früh bis zum Mittag für ihre Schützlinge da ist. Bis auf Mittwoch, sagt Obritzhauser und deutet auf Darias silbern glitzernde Nägel, da komme eine Nageldesignerin.

"Wenn die Mädchen da sind, dann können sie sich bei mir untereinander und mit mir austauschen", sagt Obritzhauser. Während die einen ganz offen erzählen, warum sie da sind, würden sich andere genieren. "Mir hat ein Mädchen gezeigt, wie einfach es ist, jemandem die Geldbörse abzunehmen." Obritzhauser zupft mit spitzen Fingern an ihrer Hüfttasche und sagt dann mit Blick auf ihre Schülerin: "Nein, du eh nicht, du bist ja eine Brave." Der süffisante Unterton lässt Daria die Augen verdrehen und laut auflachen.

Draußen auf dem Gang rasseln Schlüssel und Männer brüllen, Obritzhauser springt auf und geht zum Kasten vor dem Kammerl. Sie öffnet eine Tür, gerade so weit, dass diese vor neugierigen Blicken vom Gang schützt und die Tür zum Kammerl offenbleiben kann. "Die Männer schauen immer recht interessiert, wenn die Mädchen hier sind."

Der kleine Ausbildungssalon befindet sich im Männertrakt und die Mädchen müssen von den Wärtern aus dem vierten Stock heruntergebracht und wieder abgeholt werden. Und wenn Obritzhauser Pause macht und ihren vorgeschnittenen Apfel isst, dann haben auch die Mädchen Pause - und müssen eingesperrt werden. In den Raucherraum nebenan. "Dann sind sie eh schon ganz gierig auf eine Zigarette."

"Meistens erzählen mir die Mädels einfach, was ihnen nicht passt. Was ihnen an den Beamten auf den Wecker geht", sagt Obritzhauser. Es komme aber schon vor, dass keines der Mädchen Deutsch spricht. Das erwarte sie aber auch nicht, da sich die Mädchen so ja auch einmal ungehindert austauschen können. Im Unterricht müsse es dann halt mit Händen und Füßen gehen.

Überfülltes Gefängnis

54,4 Prozent der Häftlinge in heimischen Gefängnissen sind ausländischer Herkunft. Die Gewerkschaft der Justizwachebeamten klagt über immer schwierigere Arbeitsbedingungen und zunehmende Übergriffe auf Beamte. Die übervolle Justizanstalt Josefstadt bedeute für die dortige Kollegenschaft eine hohe Belastung.