Es komme schon manchmal vor, dass der Beamte aus dem Nebenraum kommen muss, erklärt Obritzhauser. Wenn sich zwei Mädchen nicht mögen, dann könne es schon zur Sache gehen. Dann müsse eines der Mädchen weggebracht werden. Aber Angst vor Übergriffen habe sie keine. "Ich bin ja kein Feindbild", sagt sie. "Im Gegenteil, die Mädchen sind froh, wenn sie zu mir kommen können."

Trotzdem würden die Schülerinnen mitunter durchsucht, wenn sie das Gefühl habe, bestohlen worden zu sein. "Ich merke, wenn die Spangerl und Haarzwicker weniger werden. Kritisch wird’s erst, wenn eine Schere fehlt. Dann werden die Mädchen oben gefilzt - auch zur Abschreckung." In diesem Job brauche es soziale Kompetenz und Empathie. Man müsse gut zuhören können. "Eh das, was man draußen auch braucht. Aber da herinnen muss man sich noch ganz andere Probleme anhören. Dann gehe ich schon manchmal mit so einem Kopf heim."

Wenn sie Bekannten von ihrem Job erzählt, stößt sie manchmal auf Unverständnis. Viele würden kritisieren, dass Geld für die Straftäter ausgegeben wird, wo Gefängnis doch eigentlich etwas anderes sein sollte, sagt Obritzhauser. "Ich erzähle deshalb auch nicht so großartig herum, wo ich arbeite." Trotzdem werkt sie lieber drinnen als draußen. Früher im Friseursalon hätten ihr die älteren Kunden ständig Geschichten über ihre Krankheiten erzählt. "Mit den Mädchen gibt es einfach mehr Schmäh und meistens eine Hetz."

Weniger erfreut ist der Generaldirektor für den Strafvollzug in Österreich, wenn er in die Zukunft blickt: Sollten die Strafen für Gewalt- und Sexualdelikte strenger werden, dann würde das für den Strafvollzug mehr Aufwand, mehr Aufgaben und mehr Verantwortung bedeuten - und es würde mehr Mittel brauchen, sagt Friedrich Koenig.

Justizminister Moser hatte zuletzt 200 zusätzliche Justizwachebeamte für das Jahr 2019 in Aussicht gestellt und angekündigt, mit Werbefilmen und intensiverer Öffentlichkeitsarbeit Job-Interessenten finden zu wollen. Gegen überfüllte Gefängnisse will das Justizministerium die im Regierungsprogramm vorgesehene Ausweitung der elektronischen Fußfessel angehen. Mehr Platz bräuchte auch Obritzhauser in ihrer Kammer: "Bei mir gibt es nicht mehr so viele Pläne, ich gehe in drei Jahren in Pension, aber vielleicht ergibt sich ein größerer Raum, damit wir mehr machen können."

Es klopft und eine Frau steckt den Kopf durch den Türspalt: "Kann ich mir die Frau K. kurz ausborgen?" Daria K. legt den Stift beiseite und verschwindet mit der Dame im Nebenraum. Sozialarbeiter würden sich die Mädchen öfters während ihres Unterrichts holen, um wichtige Angelegenheiten zu besprechen, sagt Obritzhauser. Und mit Blick auf die angelehnte Tür etwas leiser: "Gestern hat das Mädchen nur geweint. Sie hat die Nachricht bekommen, dass ihre Schwester in ein anderes Gefängnis verlegt wird. Es fließen schon viele Tränen da herinnen. Aber heute lacht sie eh schon wieder."