Wien/Enns. Es handelt sich um Österreichs elfte Welterbestätte, aber diese ist unter besonderen Begleitumständen zustande gekommen. Der Donau-Limes, die archäologischen Überreste der einstigen Grenzbefestigungen des Römischen Imperiums, wurde gemeinsam von Österreich, Deutschland, der Slowakei und Ungarn eingereicht. Wie jetzt die österreichische Unesco-Kommission bestätigt, soll dafür bei der nächsten Sitzung des Weltkulturerbekomitees in Aserbaidschan Anfang Juli grünes Licht für die Neuaufnahme gegeben werden.

In Österreich richtete sich das Hauptaugenmerk auf das auf der "Roten Liste" gefährdeter Welterbestätten stehende "Historische Zentrum von Wien". Grund dafür ist der umkämpfte Hochhausbau beim Wiener Eislaufverein. Der Entwurf über die mit Spannung erwartete Entscheidung wird aller Voraussicht nach am 7. Juni veröffentlicht.

Ganz anders ist die Situation beim Donau-Limes. Die bevorstehende Aufnahme in die Liste Weltkulturerbestätten löst vor allem in der oberösterreich-niederösterreichischen Grenzstadt Enns Freude und Erleichterung nach jahrelangen Vorarbeiten aus. "Es war ein langer Weg", resümiert Gottfried Kneifel, der als ehemaliger Präsident des Bundesrates maßgeblich daran beteiligt war, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Zur Jahrtausendwende wurde das Ziel, mit den römischen Ausgrabungen entlang der Donau in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen zu werden, als Ziel ins Auge gefasst. Der langgediente ÖVP-Politiker war nicht von ungefähr eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Schließlich liegt der ehemalige Legionsstützpunkt Lauricam vor der Haustür im Ennser Stadtteil Lorch. Kneifel ist erst diese Woche zum Obmann des Museumsvereins Lauriacum gewählt worden. Am 6. Juli wird mit der Verleihung des Prädikats Weltkulturerbe im Rahmen der mehrtägigen Sitzung des Weltkulturerbekomitees in Baku das Ziel erreicht.

Ein Teil des Limes: das Lager Carnuntum (im Bild ein Rendering der Gladiatorenschule). - © afp/7reasons/Klein
Ein Teil des Limes: das Lager Carnuntum (im Bild ein Rendering der Gladiatorenschule). - © afp/7reasons/Klein

Damit ist die Arbeit allerdings keineswegs zu Ende. Denn verbunden mit der Auszeichnung ist auch die Einrichtung eines Informationszentrums. Diesbezüglich gab es eine Art Wettlauf zwischen Oberösterreich und Niederösterreich, in denen einst der Limes an der Donau verlief. Enns hat erst im vergangenen Jahr mit der Landesausstellung über die Römerzeit seine Anwartschaft, Heimstätte für diese Informationsstelle zu sein, untermauert. Klosterneuburg war ebenfalls im Gespräch. Nach Informationen der "Wiener Zeitung" könnte es nunmehr eine Doppellösung geben. Neben Enns, das Sitz für den Donauabschnitt von Oberranna an der Grenze zu Bayern bis Wallsee werden könnte, soll in Niederösterreich die ebenfalls überregional bekannte römische Ausgrabungsstätte in Carnuntum einen Teil der Informationsstelle für Österreichs elftes Weltkulturerbe beherbergen.

Einreichung für Glocknerstraße muss überarbeitet werden

Mit der Verleihung des Prädikats für den römischen Schutzwall an der Donau von Deutschland bis Ungarn finden schon bestehende Weltkulturerbstätten eine Fortsetzung. Denn unter dem Übertitel "Grenzen des Römischen Reichs" befinden sich, wie die österreichische Unesco-Kommission hervorhebt, bereits der Hadrianswall in Großbritannien und der Obergermanisch-Rätische Limes in Deutschland auf der Liste. Die Idee der Unesco, die dahinter steht, ist klar: Es soll damit die gesamte Grenze des einstigen römischen Imperiums unter Schutz gestellt werden.

Eine zwölfte Weltkulturstätte in Österreich könnte in absehbarer Zeit folgen. Es handelt sich dabei um die Großglockner-Hochalpenstraße. Allerdings wird diese heuer die Eintragung in der Liste des Weltkulturerbes aller Voraussicht nach noch nicht schaffen. Die Bewerbung und Nominierung der imposanten Querung von Österreichs höchstem Berg muss laut der Wiener Unesco-Kommission noch "nachgeschärft" werden. Danach ist eine Neueinreichung notwendig. Vorerst steht allerdings die wahrscheinliche Veröffentlichung des Entscheidungsentwurfs zur Wiener Innenstadt Anfang Juni im Mittelpunkt.