Wien. 150.000 Elektro-Fahrräder wurden im Vorjahr verkauft, über 600.000 rollen bereits auf heimischen Straßen. Der Anstieg ist rasant, vor zehn Jahren gingen gerade einmal 10.000 E-Bikes über den Ladentisch. Und das Potential ist noch größer: 70 Prozent der Autofahrten sind kürzer als 15 km und könnte daher leicht mit dem Elektrofahrrad absolviert werden, sagt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und fordert einen weiteren Ausbau der Radwege.

E-Bikes sind meistverkauftes E-Fahrzeug

Pro Million Einwohner seien in Österreich im Vorjahr deutlich mehr E-Fahrräder verkauft worden als in Deutschland oder in der Schweiz. Mit E-Bikes könne man nicht nur Staus in den Städten vermeiden, sondern auch Österreich dem Klimaziel näherbringen, erklärt der VCÖ.

Allein im Vorjahr kauften die Österreicherinnen und Österreich 149.352 Elektro-Fahrräder, das waren 22 Mal so viele wie E-Autos (6.757) neu zugelassen wurden und 70 Mal so viele wie E-Mopeds und E-Motorräder (2.130). "Im Unterschied zum Auto verlängert der Elektromotor beim Fahrrad die Reichweite", macht VCÖ-Experte Markus Gansterer auf einen entscheidenden Vorteil von E-Fahrrädern aufmerksam. Der absolut größte Anteil aller angebotenen E-Bikes sind so genannte Pedelecs. Pedelecs bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Erfolgt die Pedalunterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde, gelten Pedelecs als Fahrrad und sind nicht zulassungspflichtig.

Rad-Highways zwischen Ortschaften

Derzeit würde vor allem die mangelhafte Rad-Infrastruktur in Österreich die verstärkte Nutzung der Elektro-Fahrräder als Verkehrsmittel verhindern. Der VCÖ fordert deshalb eine Rad-Infrastruktur-Milliarde des Bundes, mit der Gemeinden und Städte beim raschen Ausbau des Radwegenetzes unterstützt werden sollen. Insbesondere braucht es, so der Verkehrsclub in einer Aussendung, sichere Überland-Radrouten zwischen Ortschaften sowie Rad-Highways vom Umland in die Städte, damit längere Distanzen im Alltag bequem zurückgelegt werden können, sowie mehr und bessere Radabstellmöglichkeiten zum Versperren der teureren E-Fahrräder.

Wie sehr Elektro-Fahrräder in Kombination mit einer guten Infrastruktur die mit dem Fahrrad gefahrenen Strecken erhöhen können, zeigt Österreichs Radchampion Vorarlberg. Während in Vorarlberg mit herkömmlichen Fahrrädern im Schnitt 640 Kilometer pro Jahr gefahren werden, sind es mit E-Fahrrädern rund 950 Kilometer pro Jahr und damit um fast 50 Prozent mehr.