Innsbruck./Villach. Die Hochwassersituation in Tirol vor allem entlang des Inns ist auch Mittwochnachmittag angespannt geblieben. Die Experten rechneten mit einer Entspannung erst im Laufe des Donnerstags, da die Niederschläge laut den aktuellen Prognosen ab Mittwochabend abklingen sollen. Einsatzorganisationen wie Feuerwehren und Wasserrettung blieben vorerst in Bereitschaft.

In Abstimmung mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, mit der Stadt Innsbruck und mit den Kraftwerksbetreibern seien vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, um bei einem weiteren Anstieg der Pegel, der aufgrund der prognostizierten Niederschläge und der Schneeschmelze zu erwarten sei, bestmöglich für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, berichtete LHStv. und Sicherheitsreferent Josef Geisler (ÖVP). Von Überschwemmungen betroffen waren vorerst vor allem landwirtschaftliche Nutzflächen.

Weitere Entwicklung nur schwer zu prognostizieren

Eine konkrete Prognose zur weiteren Entwicklung der Lage sei sehr schwierig, da diese auch von der Wetter- und Abflussentwicklung entlang der Zubringer des Inns wie beispielsweise der Ötztaler Ache und des Zuflusses aus der Schweiz zusammenhängen, hieß es. Obwohl sich das Wetter am Abend beruhigen soll, müssten die Niederschlagsmengen erst abfließen, erklärte Klaus Niedertscheider, Leiter des Sachgebiets Hydrographie und Hydrologie des Landes Tirol. Außerdem werde die Schneeschmelze auch weiterhin stattfinden, weshalb die Situation im Laufe des Mittwochs und auch während der Nacht beobachtete werden müsse, so Niedertscheider.

Eine Sperre der Innbrücke inmitten der Landeshauptstadt zeichnete sich vorerst nicht ab. Ab welchem Pegelstand sie gesperrt wird, hängt laut Elmar Rizzoli, Leiter des städtischen Amts für Allgemeine Sicherheit, davon ab, "was im Wasser daherkommt". Im Jahr 2005, beim letzten großen Hochwasser in Innsbruck, hatte man die Innbrücke bei einem mit diesem Jahr vergleichbaren Pegelstand bereits abgeriegelt, sagte Rizzoli zur APA. Der Fluss führte damals viel Treibholz, das aufgrund von Vermurungen im Wasser landete. Derzeit könnte der Inn noch weitere 50 bis 60 Zentimeter steigen, ohne dass man die Brücke sperren müsste, hieß es.

Das Land Tirol gab indes Verhaltens- und Sicherheitshinweise für die Bevölkerung aus. Demnach sollten Uferbereiche von Bächen und Flüssen gemieden werden. Außerdem wurde geraten, Fahrzeuge vorsorglich aus Tiefgaragen in sichere Bereiche zu bringen und Gegenstände, die nicht nass werden sollen, aus dem Keller zu räumen. Behördliche Straßen-, Brücken- und Wegesperren seien jedenfalls zu beachten, wurde betont.

Weiteres Hochwasser am Rhein in Vorarlberg erwartet

Entgegen anderslautender Prognosen ist der Pegel am Rhein in Vorarlberg am Mittwoch erneut gestiegen. Die Rheinvorländer von der Brücke zwischen Mäder (Bezirk Feldkirch) und Kriessern (CH) flussabwärts wurden gesperrt, berichtete die Internationale Rheinregulierung (IRR). Die Organisation rechnet mit einem etwa zehnjährigen Hochwasser.

Die Rheinvorländer unterhalb der Wiesenrainbrücke zwischen Lustenau und Widnau (CH) waren bereits am Dienstag aus Sicherheitsgründen für Fußgänger und Radfahrer gesperrt worden. Weidevieh wurde aus dem Gefahrenbereich gebracht. Diese Vorländer waren am Mittwoch überflutet. Auf Höhe Fußach brach aufgrund der Wassermassen ein Mitteldamm zwischen dem Fluss und dem in Fließrichtung rechts gelegenen Rheinvorland, die Hochwassersicherheit wird dadurch nach Angaben der IRR aber nicht beeinträchtigt.

Am Dienstag war noch davon ausgegangen worden, dass sich die Lage am Mittwoch beruhigt. Prognosen von Mittwochnachmittag deuteten dann aber darauf hin, dass für den frühen Abend eine zweite Hochwasserwelle mit Abflussmengen von bis zu 2.000 Kubikmeter pro Sekunde zu erwarten sein dürfte. Das entspräche einem zehnjährigen Hochwasser, erklärte Mathias Speckle von der IRR. Am gesamten Alpenrhein gilt Gefahrenstufe 3 auf der fünfteiligen Skala. Laut IRR kann eine Hochwassersituation wie im Juni 2016 nicht ausgeschlossen werden.

Grund für das Hochwasser sind starke Niederschläge im Einzugsgebiet des Alpenrheins. Sie sollen im Laufe des Nachmittags zwar aufhören, in Kombination mit der Schneeschmelze kommen aber doch beträchtliche Abflussmengen zustande.

Die Technischen Einsatzleitungen der Rheinbauleitungen Schweiz und Österreich beobachten die Lage. Die Feuerwehren sind auf einen möglichen Dammbeobachtungseinsatz am Mittwochabend von der Brücke Höchst-Lustenau flussabwärts vorbereitet.

Schneeschmelze und lokale Gewitter haben in Tirol in der Nacht auf Mittwoch die Pegel von Bächen und Flüssen weiter ansteigen lassen. Mittwochfrüh betrug der Pegelstand in der Landeshauptstadt Innsbruck knapp über sechs Meter - und erreichte damit den Wert eines 30-jährlichen Hochwassers. Einige Brücken und Stege mussten laut Medienberichten gesperrt werden, Wohngebiet sei aber nicht gefährdet.

So wurde etwa die Karwendelbrücke in Innsbruck gesperrt. Bei etwaigen Verklausungen könnten Baumstämme Menschen auf den Brücken gefährden, wurde die Maßnahme begründet.

Lokale Überflutungen im Unterland

Indes hatten die beträchtlichen Wassermengen am späten Dienstagnachmittag auch im Tiroler Unterland zu Problemen geführt. In einem Ortsteil der Gemeinde Münster wurde ein Feld neben der Bahnstrecke überflutet. Lokale Überflutungen gab es auch in Kramsach, Rattenberg und Reith im Alpbachtal.

Einen Anstieg des Inns in Richtung eines 30-jährlichen Hochwassers hatten die Experten des Hydrographischen Dienstes des Landes bereits am Dienstag für möglich gehalten. Mit großflächigen Überflutungen rechnete man nicht, "da und dort" könne es in den nächsten Tagen aber zu kritischen Situationen kommen.

In Kärnten einzelne Feuerwehreinsätze wegen überfluteter Keller

Eine durch Unwetter ausgelöste Mure hat am Dienstagabend die Wurzenpass Straße (B109) in Kärnten verlegt. Die Erdmassen verschütteten die Fahrbahn laut Polizei auf einer Länge von 300 Metern. Der Grenzübergang zu Slowenien wurde gesperrt. Die Feuerwehr war mit 20 Kräften im Einsatz. Starker Regen erschwerte die Aufräumarbeiten. Mittwochfrüh war die Sperre noch aufrecht.

Die Gewitter mit Starkregen und teilweise auch Hagel sorgten darüber hinaus nur vereinzelt für Feuerwehreinsätze. Laut Auskunft der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) wurden im Bezirk Villach-Land Keller überflutet, die Gesamtzahl der Einsätze blieb aber im einstelligen Bereich. (apa)