Wien. Rot, flüssig und knapp ist eines der lebensnotwendigsten Güter der Menschheit: das Blut. Noch immer gibt es keinen künstlichen Ersatz, weshalb vor allem bei Notfällen Blutspenden Leben retten. 100 Konserven benötigen Österreichs Spitäler täglich. Umso problematischer, dass zurzeit zehn Prozent aller Blutspendeaktionen in Wien, Niederösterreich und Burgenland abgesagt werden. Grund dafür ist Ärztemangel.

Das Blutsicherheitsgesetz regelt, dass nur ein anwesender Arzt beurteilen kann, ob ein Spender geeignet ist. Die Blutspendezentrale sieht darin ein veraltetes Gesetz. "Früher war die Vorgehensweise bei der Blutspende eine andere und auch die Situation der Ärzte war anders. Mittlerweile arbeiten wir mit standardisierten Methoden", erklärt Ursula Kreil, Leiterin der Abnahme in Wien. Es gebe bereits genügend Dokumente, die darüber informieren, wer als Spender geeignet sei. Auf diese Weise würden auch diplomierte Gesunden- und Krankenpfleger die Blutspende durchführen können. Zudem solle bei speziellen Fällen ein Arzt telefonisch abrufbar sein.

Gesetzesnovelle geplant

Einen Vorschlag für eine Novelle des Gesetzes haben ÖVP, SPÖ und Neos nun am Mittwoch als Initiativantrag mit Fristsetzung im Nationalrat eingebracht. Bis zum 25. September muss dieser nun behandelt und plenarreif gemacht werden, damit die Novelle dann vier Tage vor der Nationalratswahl noch beschlossen werden kann. Kritik kommt dazu von der Ärztekammer. "Die Eignung eines potenziellen Blutspenders und die eventuellen Gefahren für Spender oder Empfänger können nur ausgebildete Ärztinnen und Ärzte beurteilen", sagt Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

Dabei verzichten schon einige europäische Länder bei der Blutspende auf Ärzte, etwa Norwegen, Schweden, Ungarn, Dänemark und England. "Es gibt auch Studien, die belegen, dass die Qualität der Blutspenden sich dadurch nicht verschlechtert", ergänzt Kreil. Um eine Vollversorgung weiterhin zu ermöglichen, sei die Novelle dringend notwendig.

Sommermonate nicht ideal

Denn vor allem in den Sommermonaten sei es schwierig, fahren doch viele Menschen auf Urlaub und finden nur selten den Weg in die Blutspendezentrale. Zudem kämpfen viele mit Pollenallergien, was sie als Spender im Sommer ungeeignet macht.