"Rund 3,7 Prozent der spendenfähigen Bevölkerung lassen sich Blut abzapfen, das ist relativ wenig. In Wien sind es sogar unter zwei Prozent", sagt Kreil. Spendenfähig sind österreichweit etwa 6,2 Millionen Menschen über 18 Jahre. Davon müssen jene abgerechnet werden, die aus diversen Umständen nicht fürs Spenden infrage kommen: Spender müssen über 50 Kilogramm wiegen und dürfen keine chronischen Erkrankungen aufweisen. Außerdem dürfen sie eine Zeitlang nicht spenden, wenn beispielsweise Länder besucht wurden, in denen Malaria verbreitet ist. Auch nach Tätowierungen und Piercings müssen Personen sechs Monate warten.

221.433 Blutspender sind in Österreich derzeit registriert. 42 Tage lang ist ihre Spende haltbar. 350.000 Konserven werden in Österreich im Jahr abgenommen. In Wien können 45.000 Blutkonserven jährlich gewonnen werden, Wiens Spitäler benötigen aber jedes Jahr über 90.000 Konserven. "Beim Blut gibt es keine Sommerpause", sagt Kreil.

Auf Anfrage beim Roten Kreuz ist der Lagerbestand zwar aktuell nicht ideal, jedoch auch noch nicht kritisch. Wartezeiten für Spitäler gibt es deshalb nur vereinzelt. Wien darf sich dabei vor allem bei den anderen Bundesländern bedanken, denn das österreichische System sieht vor, dass bei Knappheit sich die Bundesländer gegenseitig aushelfen. Deutschland und die Schweiz handhaben das ähnlich. Europaweit gibt es jedoch verschiedene Systeme, etwa in Griechenland. Hier müssen Patienten, die eine Blutspende bekommen, anschließend aus dem Bekanntenkreis jemanden finden, der wiederum eine Blutspende abgibt, um den "Blut"-Pool ständig zu füllen. "Auch wenn die Länder unterschiedliche System haben, mit Blut gehen alle sehr sparsam um. Jeder weiß, dass es unersetzbar ist", sagt Kreil. Ein Austausch zwischen Ländern findet nicht statt, da Blut spezifischen Qualitätsstandards unterliegt.

Innerhalb Österreichs ist aber jeder gefragt. "Bei einem erhöhten Bedarf von seltenen Brutgruppen, wie AB negativ oder 0 negativ kommen wir zwar schneller an unsere Grenzen. Dafür benötigen wir aber häufige Blutgruppen öfters", sagt Kreil. So kommen etwa A positiv, als auch 0 positiv bei 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung vor. Wie weiterhin die Verfügbarkeit aller Blutgruppen gewährleistet wird, darüber entscheidet dann wohl der Nationalrat am 25. September.