Mehr als dreimal so hoher Stromverbrauch bis 2050

Wie sich der Energiebedarf für Gebäudekühlung in Zukunft entwickeln könnte, weiß Thomas Fleckl vom Austrian Institute of Technology (AIT). Er beschäftigt sich seit Jahren mit nachhaltigen Wärme- und Energiesystemen. "Kühlen hat ein enormes Wachstumspotenzial. Nicht nur in Europa, sondern international", erklärt er. Würden keine Maßnahmen ergriffen, würde sich der weltweite Energiebedarf für Klimaanlagen laut einem Report der International Energy Agency (IEA) bis zum Jahr 2050 mehr als verdreifachen. Das entspräche dem heutigen Stromverbrauch von China, der zusätzlich anfallen würde.

Auch in Österreich ist mit Veränderungen zu rechnen, weiß Fleckl. "Die Hitzetage und Hitzenächte werden mehr. Es gibt ein Szenario, in dem Wien bis 2070 das Klima von Triest hat. Dementsprechend wird die Nachfrage nach Klimaanlagen steigen. Vor allem, weil wir es gewohnt sind, uns in klimatisierten Umgebungen zu bewegen." Die Klimageräte würden dabei auch an sich zu einer heißeren Umgebung beitragen. "Sie blasen ja Wärme hinaus. Dadurch steigt die Temperatur in dicht bebauten Gebieten um ein bis zwei Grad", sagt Fleckl.

Abwärme von Klimaanlagen zur Wassererwärmung nutzen

Gebäude müssten von vornherein so gebaut werden, dass sie weniger Kühlung erfordern. Außerdem müsse die Energie, die in die Kühlung geht, besser genutzt werden. "Die Abwärme der Anlagen kann für die Produktion von Warmwasser verwendet werden. Das muss man nutzen", meint Fleckl. Mit der richtigen Infrastruktur könne die Abwärme sogar in ein spezielles "Niedertemperatur"-Wärmenetz eingespeist werden. So könne man die Energie andernorts verwenden oder für kältere Monate speichern. Ebenso sinnvoll sei es, Kälte kurzfristig aufzusparen. Erneuerbare Energien wie Strom aus Photovoltaik-Anlagen könnten so besser eingesetzt werden. Der größte Kühlbedarf fällt nämlich abends an. Am meisten Strom wird jedoch tagsüber produziert. "Wir müssen alles sinnvoll nutzen. Wenn wir uns die globale Situation anschauen, ist unser Lebensstil nicht nachhaltig". Mit smarten Klimaanlagen, die sich automatisch regeln, könne zwar einiges an Strom gespart werden, lösen würde sich das Thema dadurch allerdings nicht. Wichtig sei vielmehr Aufklärung. Über richtiges Lüften, effiziente Kühlmethoden und Wärmeabschirmung.

Bauliche Maßnahmen gegen die Hitze

Wie sehr ein Gebäude gekühlt werden muss, hängt vor allem von der Bauweise und der Umgebung ab. "Das Wichtigste ist, die Wärme nicht hinein zu lassen. Dafür müssen vor allem Glasflächen verschattet werden. Am besten von außen durch Jalousien, Bäume oder Sträucher", weiß Azra Korjenic. Sie ist Professorin und Forscherin an der TU Wien und beschäftigt sich besonders mit Gebäudekühlung. Selbst die Farbe von Gebäuden beeinflusst die Raumtemperatur. Dunkle Farben und Metalle sammeln Wärme, helle reflektieren sie nur.