Wien. Noch ist der Sommer nicht zu Ende, trotzdem nahm Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, den Schulstart im Osten zum Anlass für eine erste Zwischenbilanz. "Mittlerweile vergeht kaum noch ein Jahr ohne großflächige Dürreschäden in der Landwirtschaft", sagt er anlässlich des zweitheißesten Sommers in der bereits 253 Jahre andauernden  Messgeschichte Österreichs.

Bereits in den vergangenen sechs Jahren sei  aufgrund der Dürre in der Landwirtschaft ein Gesamtschaden von einer Dreiviertelmilliarde Euro entstanden. Wegen der Trockenheit kommen heuer mehr als 100 Millionen Euro dazu, mit  Schäden durch Hagel und Überschwemmung müssten Landwirte laut Weinberger heuer mit Ernteausfällen im Wert von mehr als 150 Millionen Euro rechnen.

In Niederösterreich und Oberösterreich war es besonders trocken

Ein Blick auf die Niederschlagskarte zeigt, dass es in einigen Regionen Österreichs außergewöhnlich wenig Regeln fiel. Besonders betroffen waren Niederösterreich sowie das nördliche und mittlere Burgenland. und einige Regionen Oberösterreichs. Aber auch in Oberkärnten und im oberen Murtal gab es zu wenig Niederschlag für die Landwirtschaft.

Die Folge: Mangelnder Niederschlag und die hohen Temperaturen in den Sommermonaten zogen vielerorts das Grünland und den Mais in Mitleidenschaft. Weinberger ist davon überzeugt, dass sich die Situation auch in den kommenden Jahren nicht ändern wird: "Wir befinden uns schon mitten in einer Klimakrise. Die bereits eingetretenen Auswirkungen der Erderwärmung können wir nicht mehr reduzieren, sondern maximal stabilisieren." Laut seinen Angaben seien rund 70 Prozent der Agrarflächen gegen Hagel, Dürre, Überschwemmung oder Frost  versichert.

Bodenverbrauch in der Größe von 20 Fußballfeldern

Das "brennendste Umweltproblem" für Weinberger ist der Bodenverbrauch: "Tag für Tag werden Agrarflächen in der Größenordnung von 20 Fußballfeldern durch Zubetonieren aus der Produktion genommen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Hagelversicherung. Es seien Flächen, die in Zukunft sowohl für die CO2-und Wasserspeicherung als auch die Lebensmittelproduktion fehlen. Wein Trendumkehr herbeiführen. Man müsse sich sonst von Kindern die Frage stellen lassen: "Wieso habt ihr uns nur ‚verbrannte Erde‘ hinterlassen?"

Schadholz in der Menge von 600.000 LKW

Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger spricht anlässlich des Bauerntags der Rieder Messe von einer "Dramatik in der Land- und Forstwirtschaft, die täglich zunimmt": "Es ist für jedermann unbestritten, dass sich das Klima ändert. Doch kaum jemand weiß, wie extrem Acker-, Grünland- und Waldbauern davon betroffen sind." Auch die Forstwirte hätten heuer und im vergangenen Jahr durch Borkenkäfer, Sturm und Schneedruck "Rekordschäden" melden müssen. "Man bräuchte über 600.000 Lkws, um diese unvorstellbare Menge an Schadholz abzutransportieren. Das ist eine Lkw-Kolonne, die von Wien bis zum Nordpol und zurück reicht. Das kann so nicht weiter gehen", sagt Moosbrugger. Er fordert Klimazölle im internationalen Handel und neben einer Erhöhung der Aufforstungsförderung ein umfassendes Forstpaket.