Medien spekulieren bereits über Motive. In einer APA-Meldung ist von "Eifersucht" und "Zurückweisung" die Rede. Rosa Logar, Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt, ärgert eine solche Verharmlosung: "Hier wurden kaltblütig wehrlose Menschen ausgelöscht. Eifersucht als menschliches Gefühl, das jeder schon einmal erlebt hat, ist keine Erklärung dafür - und schon gar keine Rechtfertigung."

Ein Boulevardblatt schreibt darüber, dass die Tat "nicht annähernd absehbar war". Das wiederum zieht Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Frauenhäuser, in Zweifel. Im Umfeld sei das negative Frauenbild späterer Täter oft durchaus bekannt. Klarer Widerspruch insbesondere von Autoritätspersonen bremse manche ein.

In der Regel gab es vor den Morden bereits Drohungen: "Wenn der Mann droht: ‚Ich bringe dich um, ich zünde dir die Wohnung an‘, oder: ‚Wenn du nicht bei mir bleibst, dann wird was passieren‘, sollte man das absolut ernst nehmen." Trennungen sind die gefährlichste Zeit für Frauen. Viele solcher Drohungen seien strafbar, man könne bei der Frauenhelpline und Beratungsstellen auch schon vor einer Anzeige Rat einholen und Prozessbegleitung in Anspruch nehmen.

Recht vollziehen, anstatt neues Recht schaffen

Rosa Logar weist darüber hinaus darauf hin, dass auch die Behörden Gewalt im familiären Umfeld erst im Mordfall so ernst nehmen wie solche unter Fremden. Dabei sollten Beweise im Familienkreis genauso gesichert werden wie in Fällen, wo das Opfer den Täter nicht kannte. Denn: "Es ist oft die erste Verteidigungslinie der Täter und ihrer Anwälte, die Glaubwürdigkeit der Opfer in Frage zu stellen, wenn es nur Aussagen gibt."

Auch Untersuchungshaft werde zu selten verhängt, es brauche folglich keine Verschärfung der Gesetze wie kürzlich das Gewaltschutzpaket, sondern nur den Vollzug der vorhandenen. Dazu fordere sie genug gut geschultes Personal bei Gerichten und Staatsanwälten, mehr Geld für Gewaltschutzzentren und die Prozessbegleitung von Betroffenen, aber auch die Arbeit mit Tätern.

Der beste Gewaltschutz sei aber Prävention vorab: "Täter können häufig nicht mit Aggressionen und Konflikten umgehen, sondern neigen zu unkontrollierter Zerstörungswut, wenn sie die Kontrolle über Frauen verlieren - manche bis zum Mord", sagt Rösslhumer. Lernen Buben - wie Mädchen - von Kind an, über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, Konflikte verbal und nicht mit Gewalt zu lösen, ein anderes Verständnis von Männlichkeit, beugt das späteren Gewaltausbrüchen vor.