Die Rebsorte Grüner Veltliner erobert gerade die Wein-Welt von den USA bis Neuseeland. Just im Stammland könnte die Kult-Traube gefährdet sein. Angesprochen auf die Folgen des Klimawandels, malt der Winzer Willi Bründlmayer ein düsteres Bild: "Wenn die Klimaerwärmung so weiter geht, stehen wir wirklich vor einer Katastrophe", warnt einer der bekanntesten Winzer Österreichs. "Unser Kulturgut vom Skifahren bis zum Grünen Veltliner ist ganz akut gefährdet."

Laut Klimaforschern wird sich das Haupt-Weinanbaugebiet in Niederösterreich, das Weinviertel, in etwa 20 Jahren vor allem zu einem Anbaugebiet von Rotweinen entwickeln. Für Bründlmayer sind diese Prognosen alarmierend. "Wenn Österreich den Grünen Veltliner verliert, fehlt ein Stück Identität", sagte der Winzer, der mit 600.000 Flaschen pro Jahr zu den größten Produzenten des Landes zählt. Schon heute könne man die Erderwärmung - in Österreich seit 1880 um fast zwei Grad, während es global 0,9 Grad waren - an den Reben ablesen. "Den Grünen Veltliner ernten wir heute um vier Wochen früher als in meiner Jugend", sagte Bründlmayer. Wenn die Erwärmung ungebremst so weiter geht, werde der Grüne Veltliner in den Weingärten auf den Hügeln rund um Langenlois - 70 Kilometer nord-westlich von Wien - nicht mehr wachsen. Bei der Nationalratswahl haben die Grünen hier ihren Stimmenanteil mehr als verdreifacht.

Österreichs wichtigste Rebsorte

Der Grüne Veltliner ist die mit Abstand wichtigste Rebsorte Österreichs und Hauptexportartikel der Weinwirtschaft. Gut ein Drittel der Rebfläche - vor allem im Bundesland Niederösterreich - ist damit bepflanzt. Im Jahresdurchschnitt werden in Österreich 2,5 Millionen Hektoliter Wein erzeugt, der Großteil wird im Inland konsumiert. In den Export flossen 2018 knapp 53 Millionen Liter im Wert von 170 Millionen Euro, wobei der wichtigster Exportmarkt Deutschland ist.

Der Temperaturanstieg wirkt sich laut Experten auf Austrieb, Blüte und Reife der Reben aus. Je höher die Temperaturen, desto höher der Zucker- und Alkoholgehalt der Trauben. "Produzenten vom Grünen Veltliner kommen unter Druck, weil die Qualitätsstandards bezüglich Säure dann kaum mehr erreicht werden können", sagte Josef Eitzinger, Klimaforscher an der Universität für Bodenkultur in Wien. Die Politik sei gefordert, rasch zu handeln. "Das Klima muss endlich ernst genommen und Maßnahmen müssen gesetzt werden."

Rotwein ist hitzeresistent

Den Klimaforschern zufolge ist der Alpenraum besonders empfindlich für Klimaveränderungen. Während Rotwein-Trauben die Wärme lieben, verliere der Veltliner seine Frische und feine Aromatik. Um die Klimaziele zu erreichen, wäre laut Bründlmayer die Einführung einer CO2-Steuer "extrem sinnvoll". "In Österreich wird Arbeit zu stark belastet und CO2 zu wenig." Die EU-Kommission verlangt von Österreich, dass die Treibhausgase bis 2030 um 36 Prozent gegenüber 2005 gesenkt werden. Klimaexperten bezweifeln, dass das Land seine Verpflichtungen erfüllen kann. Österreich drohen dann Strafzahlungen und es müssten Milliarden in den Zukauf von Emissionszertifikaten gesteckt werden.

Bei Neupflanzungen seiner Reben weicht Bründlmayer bereits auf höhere Lagen aus. "In den wärmeren Lagen haben wir begonnen, hitzeresistentere Rotweinsorten anzupflanzen, die sind dankbar für mehr Wärme", sagte der Weinbauer. Eine Sorten-Umstellung ist aber grundsätzlich nicht so einfach, sagte Josef Glatt, Direktor des österreichischen Weinbauverbandes. "Der Weingarten ist eine langlebige Kultur, die steht 40 bis 50 Jahre." Dennoch würden einige Winzer überlegen, mittelfristig auf andere Sorten umzurüsten. "So einfach und so sinnvoll ist das aber nicht, denn die Konsumenten wollen ja den Grünen Veltliner", sagte Glatt. (apa/reuters)