Ganz ohne Nachdenken gelingt die Antwort auf die Frage, ob die Zeit jetzt vor- oder zurückgedreht wird, vermutlich selten – kommenden Sonntag, am 27. Oktober, endet jedenfalls die Sommerzeit. Die Winter- oder Normalzeit beginnt, und (für alle, die jetzt nicht nachdenken wollen) die Zeiger werden von drei Uhr auf zwei Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Anders ausgedrückt: Man kann eine Stunde länger schlafen.

Manche freuen sich darüber – und ärgern sich bei der Umstellung auf die Sommerzeit, wenn die dazugewonnene Stunde wieder abgezogen wird –, andere empfinden es als lästig oder gar belastend. Wieder anderen mag es egal sein. So unterschiedlich die Zugänge zur Zeitumstellung sind, so unterschiedlich waren die Reaktionen auf die Ankündigung, die Sommerzeit EU-weit abschaffen zu wollen. Ob es diesmal das letzte Mal sein wird, dass man die Zeit verdreht, ist derzeit aber völlig unklar.

Im August des Vorjahres fand eine Online-Umfrage unter den EU-Bürgern zu dem Thema statt. 84 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Die meisten, darunter Deutschland und Österreich, votierten für eine dauerhafte Sommerzeit. Der Haken daran: Insgesamt gingen nur 4,6 Millionen Antworten ein, davon drei Millionen aus Deutschland – das sind weniger als ein Prozent aller EU-Bürger. In Deutschland nahmen 3,79 Prozent der Bevölkerung an der Umfrage teil, in Österreich 2,94. In Österreich sprach sich eine Mehrheit von 77 Prozent für ein Ende der Zeitumstellung aus.

"Wir machen das"

Obwohl man die Umfrage explizit nicht als Referendum bezeichnet hatte, also das Votum nicht bindend war, sagte der damalige Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker kurz danach: "Die Menschen wollen das, wir machen das." Eine Abschaffung würde aber nicht sofort erfolgen, so Juncker damals.

Die EU-Kommission schlug daraufhin vor, ab 2019 den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit abzuschaffen. Die Staaten sollten selbst entscheiden können, ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit haben wollten. Das Europaparlament votierte ebenfalls für eine Abschaffung, allerdings nach 2021. Die Mitgliedstaaten müssten jedoch mehrheitlich zustimmen, damit es auch Realität werden kann.

Die Beratungen im Rat der EU-Staaten seien noch im Gange, sagte dazu Erik Asplund, Zuständiger bei der Ständigen Vertretung Finnlands in Brüssel. Das skandinavische Land hat derzeit den Ratsvorsitz inne. An den Positionen habe sich nichts geändert. Die Staaten hätten auch Bedenken, so der Diplomat, dass es dem Kommissionsvorschlag an einer Folgenabschätzung fehlt.

Spinnt man den Gedanken, dass die Staaten individuell auf Sommer- oder Winterzeit umstellen, weiter, so könnte es tatsächlich chaotisch werden. Aus zahlreichen Ländern kamen Bedenken gegen diesen Plan. Vor allem für die Wirtschaft sei eine einheitliche Zeitzone wünschenswert, zumindest in Mitteleuropa, so die Argumentation. Andernfalls würden zwischenstaatliche Zeitunterschiede den Handelsverkehr noch mehr beeinträchtigen.

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Österreich und 16 weiteren Staaten herrscht die Mitteleuropäische Zeit. Darunter sind Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen und Spanien. Acht Länder – Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern – sind eine Stunde voraus: Dort gilt die Osteuropäische Zeit. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien, wo die Westeuropäische Zeit gilt. Müsste man künftig die jeweilige Sommer- oder Winterzeit mitbedenken, wird es noch komplizierter.

Erste Sommerzeit 1916

Der Hintergedanke der Zeitumstellung am letzten Sonntag im März respektive Oktober war ursprünglich, durch eine bessere Tageslichtnutzung Energie zu sparen. Mit der Ölkrise 1973 wurde die Sommerzeit in Europa eingeführt. Frankreich machte den Anfang, Österreich beschloss die Einführung erst 1979 für das darauffolgende Jahr. Gründe für diese Verzögerung waren verwaltungstechnische Probleme und der Wunsch nach einer verkehrstechnischen Harmonisierung mit der Schweiz und Deutschland. Diese beiden Länder führten die Sommerzeit ebenfalls 1980 ein. In Österreich hatte es diese während des Ersten Weltkriegs schon einmal gegeben: 1916 galt sie für die Monarchie vom 1. Mai bis 30. September, wurde dann aber wieder eingestellt. Ein zweiter – auf Dauer erfolgloser – Versuch wurde in den Jahren 1940 bis 1948 unternommen.