Der Vierkanter in Garsten bot mit 54 Metern Länge und 30 Metern Breite ausreichend Kubatur, um die für Matzingers Konzept erforderliche Zahl an Wohnungen sowie die ebenso wichtigen Gemeinschaftsräume unterzubringen. Der Innenhof mit seinen 450 Quadratmetern wiederum stellte den idealen Freiraum für ein attraktives Atrium dar. Rasch war eine entsprechend große Gruppe gefunden, führt der Vorreiter des gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens doch seit geraumer Zeit eine Warteliste mit Interessenten an seinen Projekten. Und auch das Bistum ließ sich auf Matzingers Ideen ohne langes Zögern ein.

Deutlich mehr Zeit brauchte es, um alle statischen, denkmalpflegerischen, baurechtlichen und finanziellen Fragen zu klären, die sich beim Umgang mit historischer Bausubstanz jedes Mal aufs Neue stellen - wobei ohnehin nicht sämtliche Eventualitäten, etwa archäologische Funde im Zuge der Sanierung, vorab bedacht werden können. Von Nöten war zudem eine entsprechende Umwidmung der Liegenschaft durch die Gemeinde, da auf landwirtschaftlichem Grund nur bis zu vier Wohnungen möglich gewesen wären.

Ende 2014 konnte mit dem Bistum schließlich der Baurechtsvertrag abgeschlossen werden, der der Baugruppe für die nächsten 96 Jahre die Nutzung des Hofs sowie des insgesamt 10.000 Quadratmeter großen Grundstücks zusicherte. Ab Herbst 2015 wurden in knapp eineinhalb Jahren Bauzeit alle denkmalgeschützten Trakte saniert und dabei auch zahlreiche überformte Architekturdetails freigelegt. Einen jüngeren, baulich minderwertigen Trakt dagegen musste Fritz Matzinger komplett ersetzen, wobei er dem ursprünglichen Konstruktionsprinzip - im Erdgeschoß Mauerwerk, im Obergeschoß Holz - folgte. Veränderungen aus dem 20. Jahrhundert wie ein architektonisch wertloser Hofeinbau wurden entfernt oder aber pragmatisch umgenutzt: So dient der erst vor wenigen Jahrzehnten betonierte Kuhstall nun als Garage.

Freiraum als zentraler Ansatz

Von den 20 Wohnungen - ob ein- oder mehrgeschoßig - gleicht keine der anderen, und das nicht nur der individuellen Bewohnerwünsche wegen. Während im Wohnungsneubau mitunter mit bemühter Originalität versucht wird, gegen die Uniformität der zeitgenössischen Architektur anzukämpfen, führen beim Umbau historischer Bauten die Charakteristika des Bestands oft zwangsläufig zu originellen Lösungen - die den Nutzern etwas Einzigartiges bescheren, und die Geschichte des Hauses am Leben erhalten. Besondere Hinwendung erfuhr der Freiraum. Jede Wohnung verfügt über eine eigene Terrasse vor dem Haus, zu der die Bewohner aus dem Obergeschoß direkt über Laubengänge und Außentreppen gelangen. Eine Ausnahme bilden die Maisonetten auf der Nordseite: Sie stattete der Architekt hofseitig mit Dachterrassen aus, sodass auch diese Wohnungen zumindest im Dachgeschoß Sonne von Süden erhalten.

Im Atrium erschließt eine beinah umlaufende Galerie das Obergeschoß und stellt - so wie die als Balkone genutzten Laubengänge draußen - nicht nur einen zusätzlichen Zugang, sondern eine Erweiterung des Wohnraums dar. Hier finden sich Zimmerpflanzen, Bücherregale, ein Schaukelstuhl oder ein Heimtrainer.