Ein Schwimmkanal schafft einen integrativen Bereich

Das Herz der Anlage ist aber das 30 mal 15 Meter große Atrium, das in seiner gesamten Länge von einem Schwimmkanal durchzogen wird. Der Pool ist für Matzinger ein zentraler Aspekt seines Konzepts, da er in besonderer Weise die Menschen zusammenbringt und in entspannter Atmosphäre miteinander kommunizieren lässt. Zwar wollten einige Mitglieder der Baugruppe anfangs auf das Bad verzichten, doch beharrte der Architekt mit Unterstützung der Diözese darauf als integralen Teil der Planungen. "Inzwischen ist das längst kein Thema mehr", weiß Fritz Matzinger. "Jetzt gehen sogar Leute schwimmen, die früher nie im Wasser waren."

Daneben finden sich im Hof eine Gemeinschaftsküche mit einem großen Tisch sowie am anderen Ende eine Art Café für kleinere Runden. Dazwischen ist viel Platz für Pflanzen, die das Atrium nach und nach in einen üppigen Wintergarten verwandeln.

Ergänzt wird das Freiraumangebot durch das den Hof umgebende Grünland. Die knapp 8.000 Quadratmeter sind ausreichend groß für einen weitläufigen Spielplatz, einen zusätzlichen Grillplatz, Obstbäume, einen Bauerngarten sowie ein Gehege mit Ziegen, die einer der Bewohner hält. "Für eine Miete von 7,40 Euro pro Quadratmeter erhalten die Menschen im Atriumhaus viel mehr als nur einen Wohnraum", rückt Fritz Matzinger die Kosten des Unterfangens ins richtige Licht.

Zu den 1700 Quadratmetern Wohnnutzfläche kommen allein im Vierkanthof noch 1200 Quadratmeter Gemeinschaftsfläche hinzu, unter anderem eine Gästewohnung, eine Sauna, ein anmietbares Büro und eine Werkstatt.

Wie all seine Bauten, bietet auch die Anlage in Garsten ihren Bewohnern ein soziales Wohnumfeld, das weit über die klassische Nachbarschaft hinausgeht und - so Mazinger - den Kindergarten ebenso ersetzen kann wie das betreute Wohnen im Alter.

Häufige Treffen ergeben intensivere Sozialkontakte

Die zwischenmenschlichen Bindungen entstehen bei ersten kurzen Gesprächen vor der Wohnungstür oder einem spontanen Kaffee in der Gemeinschaftsküche. Daraus ergeben sich bald vertrautere, ja freundschaftliche Beziehungen, die durch das Spielen aller Kinder im Hof noch vertieft werden. So wird es für die Bewohner rasch zur Selbstverständlichkeit, an Wochenenden miteinander zu kochen, Faschings- und Geburtstagsfeste zu feiern, Konzert- und Filmabende zu veranstalten, miteinander zu turnen und zu tanzen - oder auch füreinander da zu sein: sei es durch wechselseitiges Babysitting, sei es durch das Einkaufen für den Nachbarn bei Krankheit oder das Gießen seiner Blumen während des Urlaubs.