"Mir ist es wichtig, dass die Menschen nicht allein bleiben, sondern in eine Gemeinschaft eingebettet sind", erläutert Fritz Matzinger sein Wohnbau-Credo. "Je mehr Einzelkinder und je mehr ganztägig berufstätige Eltern wir in unserer Gesellschaft haben, umso wichtiger ist es, dass im unmittelbaren Wohnumfeld auch andere Kinder und Jugendliche leben. Und für alte Menschen gilt dasselbe. Auch sie brauchen vertraute, gleichaltrige Personen in ihrer Nähe, um nicht zu vereinsamen." Betrachtet man den hohen Anteil an Single-Haushalten, scheint sein Anspruch mittlerweile allen Altersgruppen entgegenzukommen - am Land inzwischen genauso wie in der Stadt. Nur gilt gemeinschaftliches Wohnen außerhalb der urbanen Agglomerationen nach wie vor als exotisch.

"Nicht zuletzt hat die Gruppe mit ihrer Wohnentscheidung zur dauerhaften Rettung eines Baudenkmals beigetragen - und darüber hinaus ein Stück einer Landschaft bewahrt, die in dieser Gegend ursächlich mit den Vierkantern verbunden ist", benennt der Architekt auch den gesellschaftlichen Mehrwert des Projekts. Allfälliger Kritik, dass Wohnen im abgelegenen Bauernhof eine größere Abhängigkeit vom Auto bedeute, hält er den geringeren Mobilitätsbedarf seiner Wohngruppe entgegen: durch gemeinschaftliche Fahrten, etwa beim Holen und Bringen der Kinder, vor allem aber durch den höheren Anteil an Freizeit, der mit den Nachbarn zu Hause verbracht wird.

Eine Sanierung mit guter Ökobilanz

Hinsichtlich der Ökobilanz weist Matzinger auch auf die Ressourceneffizienz seiner Sanierung und Umnutzung hin, die deutlich über jener eines Neubaus für 20 Haushalte liege - ganz zu schweigen von 20 Einfamilienhäusern, wie sie am Land nach wie vor üblich sind. "Auch wenn wir uns in absehbarer Zeit aus Rücksicht auf das Klima keine benzinbetriebenen Fahrzeuge mehr leisten können, wäre es eine Illusion zu glauben, dass dann die gesamte Bevölkerung in die Städte zieht", ist Matzinger überzeugt. "Es wird immer Menschen geben, die lieber am Land wohnen - und es dadurch für uns alle am Leben erhalten."