Auf der Terrasse der Kienböcks sieht man die Autobahn nicht. Aber man hört sie deutlich. Ihr Rauschen legt sich wie ein Schleier über alles. Sie ist allgegenwärtig. Die Autobahn ist nur 30 Meter entfernt. Für Walter und Sonja Kienböck ist sie wie eine lästige Mitbewohnerin. Sie ist ständig zu Hause. Sie raubt ihnen den Schlaf. Sie stört ihre Kaffeepause auf der Terrasse. Sie strapaziert ihre Nerven. Sie ist vor allem immer zu laut. Doch sie können sie nicht einfach vor die Tür setzen.

Das Ehepaar wohnt am Tulpenweg in Stockerau. Es ist ein frühlingshafter Tag Ende März. Sonja Kienböck schenkt Kaffee ein, sie stellt Kekse auf den Tisch. Von ihrer Terrasse schaut man auf einen gepflegten Garten mit Pool, Steingrill und Trampolin. Man blickt aber auch auf einen bewachsenen Hügel, der sich acht Meter hoch vor ihrem Haus auftürmt. Er wurde 1998 entlang der Autobahn aufgeschüttet. Er ist 20 Meter breit. Als künstliche Barriere sollte er den Lärm reduzieren. Doch er ist dem Verkehr von heute nicht mehr gewachsen. Der Lärm kroch über den Hügel und schlich sich auf die Terrasse der Kienböcks.

Im Sommer bleiben die Liegestühle auf der Terrasse oft leer. "Wenn wir draußen sitzen, müssen wir schreien", sagt Sonja Kienböck. Ihre Fenster sind dreifach verglast. Nur so dringt der Schall nicht ins Haus. "Wenn die Fenster gekippt sind, glaubst du, die Autos fahren dir über den Kopf drüber."

Sonja Kienböck lebt seit Jahren neben der Autobahn. Nun hofft sie auf einen geeigneten Lärmschutz. - © Gregor Kuntscher
Sonja Kienböck lebt seit Jahren neben der Autobahn. Nun hofft sie auf einen geeigneten Lärmschutz. - © Gregor Kuntscher

Die Kienböcks stammen aus Stockerau. Sie sind hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Wegziehen kam für sie nicht in Frage. Ende der 1970er-Jahre entstand ein neues Siedlungsgebiet im Süden der Stadt. Rundherum war alles grün. Den Straßen gab man blumige Namen: Tulpenweg, Rosenweg und Lilienweg. Der Grund war billig. Also bauten sie ein Haus. 1980 sind sie eingezogen. Damals fuhren rund 10.000 Autos am Tag. Sie haben die Autobahn kaum wahrgenommen. Heute entkommen sie ihr nicht. Heute fahren sieben Mal mehr Fahrzeuge. "Der Verkehr ist explodiert", sagt Sonja Kienböck. Sie wohnen an der Donauuferautobahn A22, einer der meist befahrenen Autobahnen Österreichs.

Lärm verursacht Stress

Wenn die Kienböcks eine Pause vom Lärm brauchen, wandern sie in der Stockerauer Au. Es ist eine der letzten großen zusammenhängenden Auen Mitteleuropas. Zwischen Weiden, Pappeln und Eschen leben gefährdete Vögel wie der Schwarzmilan, der Biber hat hier sein Refugium. Die Au steht unter Naturschutz. Um jedoch in die geschützte Natur zu kommen, müssen die Kienböcks durch einen Wellblechtunnel. Darüber donnert der Verkehr der Autobahn. Sie schlägt eine Schneise zwischen Naturschutzgebiet und Siedlungsgebiet. Vier Spuren durchschneiden die Landschaft. Sie trennen Mensch und Natur.

Unter den Auswirkungen der Autobahn leidet nicht nur das Ehepaar Kienböck. Rund 700 Anrainer sind akut betroffen. Täglich rollt eine Blechlawine an ihren Gärten und Häusern vorbei. Sie atmen Abgase ein. Manche Teilchen sind ultrafein, sie gelangen bis tief in die Lungenbläschen. Der Lärm ist Stress für den Menschen – und ein gesellschaftliches Problem. Fast 40 Prozent der Österreicher geben an, sich in ihrer Wohnung von Lärm gestört zu fühlen. Dauerhaft kann er das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen.

In Stockerau schränkt die Autobahn die Lebensqualität der Menschen ein. Die Autobahn ist aber auch ein Wirtschaftsfaktor. Unternehmen profitieren von der guten Anbindung. Waren werden schneller zu ihrem Ziel transportiert. Täglich sind Pendler von und nach Wien unterwegs. Nur 20 Minuten brauchen die Menschen von Stockerau nach Wien – dank der Autobahn. Wie bringt man also die verschiedenen Interessen unter einen Hut? Wieviel Lärm ist zumutbar? Wieviel Verkehr verträgt eine Stadt?

Die Anrainer könnten wegziehen, dann hätten sie ihre Ruhe. Man könnte an die Autofahrer appellieren, den Zug zu nehmen. Man könnte das Tempo reduzieren, um den Lärm zu mindern. Man könnte die Autobahn durch andere Strecken entlasten. Doch stattdessen will man sie ausbauen.

Video: Autobahnlärm in Stockerau

Denn die republikeigene Asfinag plant, die A22 von vier auf sechs Spuren zu erweitern. 86 Millionen Euro soll das Projekt kosten, bei dem zudem die Auffahrt von der Schnellstraße S5 zweispurig werden soll. Der Baubeginn ist für 2021 angesetzt. Derzeit befindet sich das Projekt in einem sogenannten UVP-Feststellungsverfahren. Dabei wird untersucht, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich ist. Denn bei großen Bauvorhaben wie Autobahnen, Tunneln oder Brücken muss im Vorhinein geprüft werden, ob es zu Auswirkungen auf die Umwelt kommen kann. Werden schutzwürdige Gebiete wesentlich beeinträchtig, muss eine UVP durchgeführt werden.

In Stockerau spricht vieles dafür. Das Gesetz listet fünf Arten schutzwürdiger Gebiete. Stockerau erfüllt die Kriterien für vier davon: Naturschutzgebiet, Wasserschutz- und Schongebiet, belastetes Gebiet (Luft) und Nahebereich zu einem Siedlungsgebiet.

Durch den Ausbau werden der Verkehr und mit ihm der Lärm und die Emissionen zunehmen, befürchtet eine Bürgerinitiative. Auf einem Infoblatt verspricht die Asfinag mehr Verkehrssicherheit, ein staufreies Vorankommen und eine leistungsfähigere Auffahrt zur S5. Verbesserungen also, von denen nur die Nutzer der Autobahn profitieren. Den Stockerauern bringt sie nur eine Lärmschutzwand.

Prognosewerte überschritten

Hans Nader würde den Plänen der Asfinag gerne seinen Glauben schenken. Doch der pensionierte Maschinenbau-Ingenieur hat erhebliche Zweifel. Nader wohnt in Stockerau. Er hat sich in der Bürgerinitiative "Tunnel und Grüner Übergang Stockerau" engagiert. Er fühlt sich verantwortlich für die Umwelt. Für ihn ist es völlig unverständlich, dass eine Autobahn direkt neben einem Naturschutzgebiet ausgebaut werden soll. Und auch er fühlt sich vom Dauerlärm gestört.

Das Projekt Autobahnausbau ist komplex: Zahlen, Tabellen, Grenzwerte. Informationen sind nur spärlich geflossen. Nader wollte es genau wissen. Er hat bei Behörden angefragt, Dokumente gesichtet, Statistiken ausgewertet. Nader hat sich in das Thema eingegraben.

Er wühlte sich durch den Hunderte Seiten dicken Akt des Verfahrens – und fand zahlreiche Mängel. "Die Verkehrsprognose ist deutlich zu niedrig angesetzt. Sie entspricht nicht der realen Entwicklung", beklagt Nader. Prognosewerte für 2021 wurden bereits 2018 überschritten. Heuer liege man bereits um 3800 Pkw pro Tag über den prognostizierten Werten.

Hans Nader von der Bürgerinitiative hat erhebliche Zweifel an den Asfinag-Plänen. - © Gregor Kuntscher
Hans Nader von der Bürgerinitiative hat erhebliche Zweifel an den Asfinag-Plänen. - © Gregor Kuntscher

Das größere Problem ist aber der Schwerverkehr. Rund 6000 Lkw fahren derzeit täglich auf der A22 bei Stockerau Ost. "Die Werte, die wir jetzt haben, werden laut Prognose erst 2035 erreicht", sagt Nader. Zweifel an den Daten hat auch die Stadt Stockerau. Sie hat ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Es kommt zum selben Schluss: Der Verkehr wurde zu niedrig bemessen.

Die Mängel sind auch der Umweltanwaltschaft Niederösterreich bekannt. Die Behörde vertritt die Umweltinteressen. "Wir haben Einwände ins UVP-Verfahren eingebracht, weil die Prognosedaten bereits überschritten sind", sagt Umweltanwalt Thomas Hansmann. Dabei hatte die Behörde bereits grünes Licht für den Autobahn-Ausbau gegeben. Dies geht aus einer Stellungnahme aus dem November 2018 hervor. Darin heißt es, dass die der Umweltanwaltschaft vorliegenden Gutachten zum Ergebnis kommen, dass die Umwelt durch das Autobahn-Projekt nicht erheblich beeinträchtigt wird.

Dies gilt nun als fragwürdig. Wenn die Prognose nicht mehr stimmt, müsste das Projekt neu aufgerollt werden. "Es müsste eine andere Verkehrsprognose zugrunde gelegt werden. Dementsprechend ändern sich auch die anderen Gutachten", sagt Hansmann.

Belastete Luft

Plant die Asfinag also ein Millionenprojekt mit falschen Prognosen? "Die Zahlen sind alle richtig", sagt Reingard Vogel, zuständige Projektleiterin bei der Asfinag. "Stand der Technik ist eine Modellprognose, in die auf lange Sicht etwa die Bevölkerungsentwicklung einfließt. Vom Ministerium werden diese Zahlen noch mal geprüft", sagt Vogel.

Die Verkehrsprognose der Asfinag stellt die Grundlage für die Lärm- und Feinstaubbelastung dar. Fahren also mehr Autos als erwartet, steigen auch Emissionswerte für Lärm und Luftschadstoffe.

Laut Amt der niederösterreichischen Landesregierung gilt Stockerau nicht als stark belastetes Gebiet. Der Jahresmittelwert beim Feinstaub PM10, das sind Teilchen, die großteils kleiner als 10 Mikrometer sind, beträgt 23 Mikrogramm pro Kubikmeter – also deutlich unter dem Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dennoch gibt es immer wieder Tage, an denen der Tageshöchstwert (50 Mikrogramm pro Kubikmeter) überschritten wird. 2017 waren es 21 Tage, heuer gab es an bisher sechs Tagen erhöhte Werte.

Die Grenzwerte sind gesetzlich festgehalten. Umweltmediziner sagen aber, dass es auch darunter keinen optimalen Schutz gibt. In einem Bericht des Umweltbundesamtes heißt es dazu: "Studien zeigen auch, dass Gesundheitseffekte bei Exposition sowohl durch PM 2,5 als auch durch PM 10 deutlich unterhalb der gültigen Grenzwerte auftreten. Es gibt keine Schwellenwerte, unter denen keine Wirkungen zu erwarten sind."

Die Luftgütemessstation befindet sich im Westen Stockeraus, in der Nähe der Schnellstraße S 3. Hans Nader sieht darin ein großes Problem. "Die Messstation steht nicht dort, wo sie repräsentativ wäre – nämlich im Siedlungsgebiet."

Auch dem Lärm sind gesetzliche Grenzen gesetzt. Am Tag darf der Schallpegel bei Autobahnen den Wert von 60 Dezibel nicht überschreiten, in der Nacht sind maximal 50 Dezibel erlaubt. Um diese Werte einzuhalten, plant die Asfinag eine bis zu 14 Meter hohe Lärmschutzwand neben der Autobahn. Die Dimensionen sind gewaltig, Wände dieser Höhe sind die Ausnahme. Die Wand würde die meisten Häuser im Siedlungsgebiet überragen. Viele Bürger empfinden sie als bedrohlich. Sie fürchten, die Wand könnte im Winter eine zu große Schattenwirkung entfalten.

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"Die Asfinag ist mit der Lärmschutzwand knapp innerhalb der Grenze", sagt Hans Nader. "Wir glauben aber, dass der Verkehr stärker steigt und damit hätten wir wieder Überschreitungen." Die Lärmschutzwand ist eine Investition für mehrere Jahrzehnte. Stimmt aber die Verkehrsprognose in ein paar Jahren nicht mit den tatsächlichen Zahlen überein, muss die Asfinag entsprechend nachrüsten. Das könnte schwierig werden.

"Eine so hohe Wand zu erhöhen ist nicht so einfach und auch nicht sinnvoll", sagt der Ziviltechniker Werner Kaufmann, der selbst jahrelang für die Asfinag gearbeitet hat. Ab einer gewissen Höhe bringt eine Erhöhung relativ wenig zusätzlichen Schutz, meint Kaufmann. "In Stockerau wäre eine Galerielösung sinnvoller, aber auch wesentlich teurer." Laut Asfinag sei die Dimension angemessen, die Wand werde auch dem prognostizierten Verkehr standhalten. "Mit den Lärmschutzwänden ist eine Einhaltung der Grenzwerte gewährleistet", sagt Asfinag-Projektleiterin Reingard Vogel.

Ausbaupläne schon 2007

Neu sind die Pläne für den Ausbau der Donauuferautobahn nicht. Denn bereits 2007 wollte die Asfinag bei Stockerau auf sechs Spuren ausbauen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise machte der Behörde jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das Projekt wurde auf Eis gelegt.

Das Verfahren von damals endete in einem Bescheid des Verkehrsministeriums (BMVIT) vom Juli 2007. Darin heißt es, dass für die Pläne der Asfinag keine Umweltverträglichkeitsprüfung hätte durchgeführt werden müssen. Der Bescheid ist heute nicht mehr gültig.

Hans Nader hat den Akt von 2007 studiert. Und auch dort hat er zahlreiche Mängel gefunden. Ein Dokument zeigt, dass die Lärmgrenzen 2008 in der Nacht an 70 Messpunkten nicht eingehalten wurden. Sie liegen zum Teil mehr als zehn Dezibel über dem Grenzwert. Zehn Dezibel nimmt der Mensch als Verdopplung des Lärms wahr. Laut Weltgesundheitsorganisation kommt es aber bereits ab 45 Dezibel zu Beeinträchtigungen des Schlafes.

Aus dem Dokument geht auch hervor, dass mit den geplanten Lärmschutzbauten die Messwerte sowohl am Tag als auch in der Nacht unterhalb des Grenzwertes gewesen wären. Doch sie wurden nicht realisiert. Der Verkehr nahm seither stetig zu, die Situation hat sich verschärft. "Die massive Überschreitung beim Lärm ist seit 2005 aktenkundig. Die Asfinag hat dennoch nichts unternommen", sagt Nader.

Die Menschen warteten vergeblich auf eine Lärmschutzwand. "Für mich ist das ein Skandal. Die Lärmgrenzen werden überschritten und niemand kümmert sich", sagt ein Anrainer. Sie fühlen sich vom Staat im Stich gelassen.

"Lärmbetroffene in Österreich sind praktisch rechtlos", sagt Werner Hochreiter, Verkehrsjurist bei der Arbeiterkammer. Wenn bereits eine Autobahn existiert, habe man keinerlei rechtliche Ansprüche. "Man kann nichts einklagen", sagt Hochreiter. Das liegt vor allem daran, dass es im Gesetz vor allem unverbindliche Formulierungen gibt. Viele sind nun skeptisch, was die neuen Ausbaupläne der Asfinag betrifft.

Vom Haus der Kienböcks im Tulpenweg sind es nur ein paar Meter den Lärmschutz-Hügel hinauf. Mit jedem Schritt wird es lauter. Oben angekommen hört man den Lärm nicht nur, man sieht ihn auch. Josef Lehner öffnet eine App auf seinem Smartphone. Sie zeigt knapp 70 Dezibel an. "Wir haben die Autobahn, wir haben die Emissionen", sagt Lehner. Er hat im Mai 2018 die Bürgerinitiative gegründet. Das Kernteam besteht aus 20 Mitgliedern. Sie sind nicht per se gegen den Ausbau der Autobahn. Doch sie sehen die Asfinag-Pläne kritisch. Die Bürgerinitiative fordert statt drei jeweils vier Spuren, um für das Verkehrsaufkommen der Zukunft gerüstet zu sein.

Hoffen auf UVP-Pflicht

Vor allem aber will sie die Asfinag überzeugen, eine Einhausung zu bauen. Dieser Tunnel würde sich über eine Länge von sechs Kilometern über die Autobahn erstrecken. Denn nur so könne man den Lärmpegel deutlich reduzieren. "Um in den nächsten 10 bis 20 Jahren die Grenzwerte einzuhalten, braucht es eine Einhausung", sagt Lehner. Das Dach des Tunnels könnte begrünt, der Weg in die Au leichter werden. Die Asfinag erteilt den Plänen eine Abfuhr. "Eine Einhausung ist unwirtschaftlich", sagt eine Sprecherin. Die Kosten würden bei mehreren Hundert Millionen Euro liegen.

Doch Lehner und seine Mitstreiter geben nicht auf. Sie sind keine radikalen Aktivisten, die sich auf die Autobahn legen. Ihre Waffen sind die Fakten. Regelmäßig organisieren sie Infoabende, wo sie die Stockerauer über den neuesten Stand des Projekts aufklären. Sie haben eine Website eingerichtet und laden Experten ein. Sie versuchen, sachlich nüchtern die Vor- und Nachteile des Autobahnausbaus aufzuzeigen. Die Bedenken gegen das Großprojekt hat die Initiative auch dem BMVIT mitgeteilt. Eine Sprecherin sagt: "Es wird alles berücksichtigt, was dem BMVIT gemeldet wird." Bis Ende des Jahres soll feststehen, ob es ein UVP-Verfahren geben wird.

Aus der Bevölkerung erntet die Bürgerinitiative viel Zuspruch. Im Frühjahr sammelte sie Unterschriften. Knapp 3000 Stockerauer unterstützen sie. "Die Initiative ist bei den Bürgern geschätzt. Sie bekommt mehr Gehör als ich", sagt Didi Pfeiler, Grünen-Gemeinderat in Stockerau. Auch die Stadtgemeinde steht hinter dem kleinen Team. Bürgermeisterin Andrea Völkl (ÖVP) hofft nun auf ein UVP-pflichtiges Verfahren. Dann hätte die Gemeinde Parteienstellung im Verfahren, Umweltauflagen wären strenger. "Wir werden unsere rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen", sagt Völkl. Sollte also keine UVP-Pflicht kommen, werde die Gemeinde Einspruch beim Bundesverwaltungsgericht einlegen.

Zurück im Tulpenweg. Sonja Kienböck trinkt ihren Kaffee aus. Sie wirkt resigniert. Die Autobahn: ein unbezwingbarer Gegner. Man muss sich nur die Zahlen anschauen. 700 Anrainer gegen 70.000 Autos. Der Kampf gegen den Lärm scheint aussichtslos. Kienböck blickt auf ihren Garten. "Für uns ist das hier ein kleines Paradies. Wir haben uns das alles aufgebaut." Aufgeben? Auf keinen Fall. Sie lieben das Leben auf dem Land. Sie hoffen, endlich den Lärmschutz zu bekommen, auf den sie schon so lange warten. Sie räumt die Polster ins Haus. Im Garten wird es ruhig. Nur das Rauschen der Autobahn ist noch zu hören.