Gegen den in Österreich registrierten Verein "Original Play" gibt es nach Berichten der ORF-"ZiB2" und des ARD-Politikmagazins "Kontraste" Vorwürfe in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch. Bei "Original Play" dürfen Erwachsene mit ihnen fremden Kindern rangeln. Der Gründer der Initiative, Fred Donaldson, wies die Kritik im Gespräch mit den Sendern zurück.

Laut ORF und ARD wird das Spiel in deutsche Kindertagesstätten (Kitas) sowie heimischen Kindergärten und Volksschulen seit Jahren angeboten. Auf der Website des Vereins sind etwa Fotos, auf denen Erwachsene im Jahr 2014 mit Kindern in einem Wiener Kindergarten spielen.

Experten kritisierten das Angebot: "Für mich ist das eine Einladung zur Übergriffigkeit an Kindern", sagte etwa die Trauma-Expertin Michaela Huber dem ARD-Magazin. Der in Salzburg tätige Kinderpsychiater Karl-Heinz Brisch forderte rechtliche Konsequenzen: "Dieser Verein müsste sofort verboten werden, weil er in einer hochkritischen, undifferenzierten Weise Körperkontakt in einer geschützten Situation im Kindergarten zu Kindern sucht und das in einer vollkommen unkontrollierten Art und Weise."

Verein darf in Niederösterreich nicht mehr tätig sein

Das Land Niederösterreich reagierte am Freitag auf die Kritik an "Original Play". Der Verein darf im Bundesland ab sofort nicht mehr tätig sein. Das betonte die niederösterreichische Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) am Freitag in einer Aussendung.

Diese Weisung sei aufgrund der bekannt gewordenen Vorwürfe am Freitag veranlasst worden. "Hier geht es um unsere Kinder und die Sicherheit der qualitätsvollen Betreuung in den Einrichtungen des Landes und dabei ist rasches Handeln angesagt", hielt Teschl-Hofmeister fest.

Auch Wien empfiehlt Einstellung der Kooperation

Auch das Wiener Rathaus ist dagegen, den umstrittenen Verein "Original Play" zu engagieren. Die im Raum stehenden, schwerwiegenden und beunruhigenden Vorwürfe hätten die Wiener Kinder- und Jugendhilfe und die Bildungsdirektion veranlasst, eine Empfehlung an alle Kindergärten und Schulen auszusprechen, die Kooperation mit dem Verein einzustellen, hieß es am Freitag.

Wenn ein Verdacht bestehe, dass der Verantwortung für Kinder nicht in vollem Umfang nachgekommen wurde, "werden die zuständigen Behörden dem unverzüglich und mit voller Intensität nachgehen", betonte Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Es liege grundsätzlich in der Verantwortung der Kindergartenbetreiber, welche pädagogischen Zusatzangebote zugekauft werden. Der jeweilige Träger habe, so betonte der Stadtrat, sicherzustellen, dass das Wohl der Kinder nicht beeinträchtigt werde.

Insbesondere die Qualität der pädagogischen Konzepte und die Seriosität der Angebote seien vom jeweiligen Betreiber zu überprüfen, erläuterte der Ressortchef. So würden etwa Angebote, die an die städtischen Kindergärten von externen Anbietern herangetragen werden, zentral begutachtet und nur an die Standorte weiter gesendet, wenn sie für gut befunden wurden.

Von "Original Play" gab es laut dem Stadtrat eine entsprechende Anfrage. Sie sei jedoch im August 2018 abgelehnt und nicht weitergeleitet worden, hieß es. In städtische Einrichtungen dürfen jedenfalls fremde Personen nur im Beisein von Pädagoginnen oder Pädagogen in einer Gruppe anwesend sein, wurde versichert.

Sechs Verdachtsfälle in Deutschland

"Original Play" wird den Berichten zufolge in Kindereinrichtungen als pädagogisches Konzept angeboten, sei aber weder von Behörden noch von Kita-Trägern unter dem Aspekt des Kinderschutzes überprüft worden. Die Initiative agiert demnach als Verein in Österreich und als Stiftung in Polen. Um "Original Play" in Kindergärten zu spielen könne sich laut ARD jeder im Internet gegen eine Gebühr von 250 Euro für einen Workshop bei dem Verein anmelden. Sogenannte Lehrlinge würden dann die Spiele in den Kindergärten organisieren.

Das ARD-Magazin berichtete von sechs Verdachtsfällen in Berlin und Hamburg im Jahr 2018. Die Ermittlungsbehörden hätten die Verfahren aber nach kurzer Zeit eingestellt, weil die Kinder zu klein waren, den Eltern nicht geglaubt worden sei oder Ermittlungsfehler gemacht worden sein sollen. Der Berliner CDU-Innenpolitiker Burghard Dregger forderte die Wiederaufnahme von Ermittlungen wegen schwerer Kindesmisshandlung gegen Verantwortliche einer evangelischen Kita und ein Verbot von "Original Play" in Berliner Kindertagesstätten. Das bayrische Staatsministerium erklärte gegenüber "Kontraste": "'Original Play' hat in unseren Kindereinrichtungen nichts zu suchen."

Vereinsgründer weist Kritik zurück

Fred Donaldson wies im Gespräch mit dem ORF und der ARD zurück, dass seine Methode Kindesmissbrauch möglich mache. Er habe auch keine Kenntnisse über konkrete Vorfälle. "Ob es passieren kann? Theoretisch nein. Das ist ja eine andere Denkweise: Wer jemanden missbraucht, kann die Berührungen, die ich unterrichte, nicht gebrauchen", wurde er von der "ZiB2" zitiert.

Dem heimischen Bildungsministerium liegt laut "ZiB2" übrigens keine Liste an Vereinen vor, die in Kindergärten tätig sind. Die meisten Bildungsdirektionen hätten auf Anfrage nicht gewusst, was "Original Play" ist. (apa)