Zwischen dem Brunnenviertel und der Lugner City liegt jener Teil des 16. Bezirks, in dem Gentrifizierung, neue, hippe Bars und Feinschmecker-Lokale bisher noch nicht Einzug gehalten haben. In der Nähe des Gürtels findet sich allerhand Typisches für die Wiener Gastronomie: Kaffeehäuser, Wirtshäuser mit bodenständiger Kost, ein paar Beisln und vor allem das, was man in Wien ein "Tschocherl" nennt - kleine Ecklokale, in denen vorwiegend getrunken und vor allem viel geraucht wird. Wo auch immer man in diesem Viertel einkehrt, Nichtraucher sind hier überall in der Minderheit.

Das ist auch im Espresso "Jolly" in der Neumayrgasse so. Üblicherweise, denn um 17 Uhr nachmittags ist das hauptsächlich von Gästen mit Balkan-Bezug frequentierte kleine Lokal noch leer, außer der Kellnerin ist nur ein Freund oder Bekannter anwesend, die beiden essen zu Abend. "Laku noc" - gute Nacht, tönt Schlagermusik aus den Lautsprechern. Man trifft sich hier zu Karaokeabenden. Rund 70 Prozent ihrer Stammgäste seien Raucher, schätzt die Kellnerin, ob diese ab Donnerstag Mitternacht für die Zigarette vor die Türe gehen oder gleich zu Hause bleiben, sei schwer zu sagen, Sorge vor einem Umsatzverlust hat sie sehr wohl. Und Probleme mit den Nachbarn gebe es auch jetzt schon. Eine Dame von schräg gegenüber, sagt sie, beschwere sich regelmäßig und rufe auch die Polizei, wenn sich ihre Gäste an lauen Sommerabenden im kleinen Schanigarten vor dem Lokal unterhielten. Was, wenn nun auch im Winter vor ihrem Lokal die Gäste rauchen? Das Espresso besteht aus zwei kleinen Räumen, die Bar im vorderen ist Rauchbereich, hinten, beim Billardtisch, gilt Rauchverbot. "Wenn ich mich in ein Lokal wie dieses setze, mache ich das freiwillig", sagt der einzige Gast, der selbst Nichtraucher ist. "Wenn ich auf der Straße oder bei der Haltestelle den Rauch meiner Nachbarn einatmen muss, tue ich das unfreiwillig", so die Argumentation.

"Das wird sich schon einpendeln"

Im Café Weidinger direkt am Gürtel, das heuer das 90. Jahr seines Bestehens feiert und dessen Interieur augenscheinlich schon ebenso lange auf seine Renovierung wartet, ist frühabends schon mehr los. Die Vorhänge sind nikotingelb verfärbt, die Sitzbänke speckig und durchgesessen und genau das sei der Grund, wieso man hier herkomme, ist sich der Chefkellner sicher. Wegen dem speziellen Charme eben. Ein "Museumslokal" nennt er das Weidinger, und ist überzeugt: Seine Gäste kommen auch trotz Rauchverbot wieder. Bei seinem jüngeren, studentischen Publikum sei das Rauchen sowieso im Abnehmen begriffen. Klar bedeute das Verbot eine Veränderung. "Ich habe gemischte Gefühle, aber nach einer Umstellungsphase wird sich das schon einpendeln", sagt der Ober. Andere Lokale, vor allem Clubs und Nachtlokale, werde es härter treffen. Sein jüngerer Kollege sieht das deutlich anders. "Ich rechne mit der schlechtesten November-Dezember-Saison aller Zeiten hier", sagt er. Der größte Teil des L-förmigen Gastraumes ist Raucherbereich, hier ist deutlich mehr los als im kleinen Nichtraucherbereich. Ein Gast liest Zeitung und dampft dabei mit seiner E-Zigarette. "Schauen sie sich um", sagt er. "Nach dem Verbot können die bald zusperren." Einmal pro Woche treffe er seinen besten Freund hier, und der sei starker Raucher. "Ich weiß schon, was der nächste Woche zu mir sagen wird - nämlich, ob wir uns bei ihm zu Hause treffen können." Auch andere rauchende Gäste sagen, sie würden künftig nicht mehr so häufig ins Weidinger kommen.