Italien und das Nachtleben auf der Straße

Der Wirt Robert Elsner sieht dem Rauchverbot gelassen entgegen: "Existenzbedrohend ist das für mich sicher nicht." Das meiste Geschäft macht er mit seiner Wiener Hausmannskost. - © Christoph Liebentritt
Der Wirt Robert Elsner sieht dem Rauchverbot gelassen entgegen: "Existenzbedrohend ist das für mich sicher nicht." Das meiste Geschäft macht er mit seiner Wiener Hausmannskost. - © Christoph Liebentritt

Robert Elsner hingegen hat leicht lachen. Der Inhaber des gleichnamigen Gasthauses direkt gegenüber der Lugner City sieht dem totalen Rauchverbot gelassen entgegen. Sein Lokal ist gut besucht, und obwohl es gestattet ist, rauchen die wenigsten seiner Gäste. "Klar gibt es Stammgäste, die zu mir auf ein Bier kommen und dazu rauchen, aber das Verbot ist für mich sicher nicht existenzbedrohend", sagt der Wirt. Touristen, die immer öfter in seinem Lokal - es befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Stadthalle - einkehren, würden schon jetzt zum Rauchen nach draußen gehen. Eines aber stört Elsner. Der Gesetzgeber müsse dringend dafür sorgen, dass bei der in Wien durch die zu erwartenden "Gassen-Raucher" entstehenden Lärmbelästigung für die Anrainer die Raucher selbst, und nicht die Gastronomen, gesetzlich in die Pflicht genommen werden. "Der Wirt sucht sich das nicht aus."

Von einer geselligen Stammtischrunde raucht nur einer am Tisch, andere haben das Laster bereits aufgegeben. Dann werde er eben künftig vor die Türe gehen, sagt der Herr, ein Problem damit hat er nicht. Viele in der Runde brechen dennoch eine Lanze für die "Tschocherln". "Sinn macht das Verbot ja nur für Lokale, wo Raucher und Nichtraucher hingehen", sagt eine Dame. Wer setzt sich schon als Nichtraucher in ein kleines, verrauchtes Ecklokal? "Man hätte differenzieren müssen." Der Raucher pflichtet bei: "Die kleinen Espressos sind Arbeiterlokale, die gehen dort in der Früh, zu Mittag und abends hin, und fast alle rauchen." Dass auch andere Länder wie Irland, Italien oder Frankreich ein generelles Rauchverbot haben und dieses dort auch nicht zu einem Massensterben der Kneipen und Bars geführt hat, will man nicht gelten lassen. Er stamme selber aus Frankreich, sagt der Raucher. Das sei "eine andere Kultur" dort, von Italien ganz zu schweigen. Da spiele sich alles auf der Straße ab, es gebe ganz andere Sperrstunden und Regelungen. "Da gibt es eben kulturelle Unterschiede", sagt der Herr. In Österreich, in Wien, sei das anders.

"Man hätte differenzieren müssen", so der Tenor am Stammtisch im Gasthaus Elsner. Die Raucher vor der Türe in der Gasse werden Probleme bereiten in Wien, anders als beispielsweise in Italien, ist man sich sicher. - © Christoph Liebentritt
"Man hätte differenzieren müssen", so der Tenor am Stammtisch im Gasthaus Elsner. Die Raucher vor der Türe in der Gasse werden Probleme bereiten in Wien, anders als beispielsweise in Italien, ist man sich sicher. - © Christoph Liebentritt

Die Erwartungen für die "Nacht der Nächte"

In den Tagen vor dem 1. November gingen die Wogen zwischen Wirtschaftskammer, der Stadt Wien und dem Marktamt hoch. Eine Anzeigenflut aufgrund der zu erwartenden Lärmbelästigung vor den Lokalen nach Mitternacht sei zu erwarten, befürchtet die eine Seite. Schließlich sei die "Nacht der Nächte" ausgerechnet Halloween und damit besonders feuchtfröhlich. Von bis zu 80 Kontrolloren war in Medienberichten die Rede, die auf Anweisung der Stadträtin Ulli Sima auf Raucher-Jagd durch Wien ziehen werden. Eine "Aktion scharf" stünde bevor, ab der ersten Minute nach Mitternacht. Alexander Hengel ist im Marktamt für die Kontrollen zuständig - und relativiert. "Von den 80 Inspektoren wird die Mehrheit nicht in der betreffenden Nacht schwerpunktmäßig kontrollieren", sagt er. Hengel spricht lediglich von "14 Kollegen, die in dem Bereich immer wieder kontrollieren". Durchgeführt würden die Kontrollen mit der Gruppe Sofortmaßnahmen des Magistrats. 5000 Kontrollen soll es bis zum Jahresende noch geben. Wirte, die ihre Gäste im Lokal rauchen lassen, erwarten saftige Strafen: 800 Euro beim ersten, 1200 beim zweiten Mal. Bis zu 10.000 Euro sind im Wiederholungsfall zu bezahlen. Die Polizei trifft für die Halloween-Nacht jedenfalls laut einem Sprecher keine besonderen Vorkehrungen. Lediglich das Rauchverbot in Autos, wenn minderjährige Personen mitfahren, werde man kontrollieren. Bezüglich der Lokal-Kontrollen verweist man auf das Magistrat.