Existenzängste: Dem Betreiber der Bar SM in der Koppstraße bleibt nur die Hoffnung, dass die Gäste trotzdem kommen. - © Christoph Liebentritt
Existenzängste: Dem Betreiber der Bar SM in der Koppstraße bleibt nur die Hoffnung, dass die Gäste trotzdem kommen. - © Christoph Liebentritt

Peter Dobcak, Spartenobmann Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, hofft noch immer, dass die neue Regierung doch noch zurückrudern könnte. "International kommt man vom totalen Rauchverbot in der Gastronomie wieder ab", sagt er. "In Hamburg darf man inzwischen ab 22 Uhr wieder rauchen", alle anderen EU-Länder hätten Ausnahmeregelungen. Ein Massensterben der Espressos und Beisln befürchtet aber auch Dobcak nicht. "Es gilt, die kommenden drei Monate finanziell irgendwie zu überstehen", sagt er. Einzelne Lokale freilich würden aber sicherlich finanziell ruiniert werden. Zigarrenclubs und Nachtlokale vor allem - oder eben die "Tschocherln".

Ein Lokalchef und ein "guter Kerl"

Die Bar SM auf der Koppstraße könnte so ein Fall sein, sagt der Chef dort. Am späteren Abend sitzen dort Stammgäste, kein Einziger von ihnen raucht nicht. Die Luft ist zum Schneiden. Zahlungskräftiges Publikum ist es nicht, das hier verkehrt, im Gegenteil. Der Chef sei ein guter Kerl, sagt ein Gast, der auf seinem Smartphone Musikvideos ansieht, ob nun trotz oder wegen des lauten Pegels im einzigen Gastraum. 800 Euro Bierschulden habe er beim Chef angeschrieben. Man kommt hier her, weil man einander kennt, und sich austauscht.

Es könne gut sein, dass er zusperren müsse, wenn alle zu Hause bleiben, sagt der Chef. Auch er hofft darauf, dass es nur eine Flaute geben wird, dass seine Gäste nach einiger Zeit wiederkommen. Im Sommer hat auch er einen Schanigarten in der Gasse aufgebaut. Das Ecklokal hat er vor noch nicht allzu langer Zeit übernommen, in diesem Teil Ottakrings wechseln derartige Lokale häufig die Besitzer, so mancher gibt nach einiger Zeit auf. Damit rechnet auch der Chef der Bar SM. Das Viertel könnte sich durch das Rauchverbot verändern, denkt er. Offen bleibt, was die Veränderung durch den Nichtraucherschutz für das Grätzl bedeutet. Ob die Lokalbetreiber zu "kreativen Lösungen" greifen, um das Rauchen doch irgendwie zu ermöglichen, oder es auch für die "Tschocherl" irgendwie weitergeht, werden erst die kommenden Monate zeigen. Wenn der blaue Dunst sich schließlich gelichtet hat.