Seit es Gesetze gibt, kann es mitunter problematisch werden, diese nicht zu verstehen. Das zu ändern war bereits ein Anliegen der Aufklärung mit dem Ziel, alle Strukturen, die den Fortschritt behindern, zu überwinden: Schon unter Maria Theresia von Österreich (1717 bis 1780) musste jedes neue Gesetz einem "buta ember", einem einfachen Mann, vorgelesen werden. Konnte er den Inhalt nicht mit eigenen Worten wiedergeben, musste das Gesetz überarbeitet werden. Und auch für Maria Theresias Widersacher Friedrich den Großen von Preußen (1712 bis 1786) wurde die Verständlichkeit eines seiner Leitmotive im Bereich der Verwaltung sowie der Gesetzgebung. Für die Ausarbeitung des Allgemeinen Landrechts stellte er die folgende Direktive auf: "Was die Gesetze (. . .) betrifft, so finde ich es unschicklich, dass solche grösstenteils in einer Sprache geschrieben sind, welche diejenigen nicht verstehen, denen sie doch zur Richtschnur dienen sollen. Ihr müsst also vorzüglich dahin sehen, dass alle Gesetze für unsere Staaten und Unterthanen in ihrer eigenen Sprache abgefasst werden."

Im Moment ist es allerdings noch immer so, dass das Amtsdeutsch wie eine komplizierte Formelsammlung wirkt. Gesetzestexte sind lang und verschachtelt. Wer sie liest, empfindet mitunter Ehrfurcht vor der Komplexität des Rechts - wer sie verstehen möchte, verzweifelt aber nicht selten daran. Und so mancher hat am Ende des Satzes schon wieder dessen Anfang vergessen.

Große Teile des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuchs (ABGB) wurden im Jahr 1811 verfasst. In einer Zeit, in der Franz I. der erste Kaiser von Österreich war und Napoleon Bonaparte weite Strecken von dessen Regierungszeit mit Unruhen und Krieg überzog. Die Sprache ist dementsprechend antiquiert. Im Justizbereich ist sie zum Teil bis heute Usus.

Unverständliches kann zu Missverständnis führen

Juristen und Linguisten fordern daher eine sprachliche Überarbeitung im Zuge von Novellen. "Etwa 30 Prozent der Bestimmungen des ABGB sind noch der Urbestand", so der Jurist Peter Bydlinski, Professor am Institut für Zivilrecht der Karl-Franzens-Universität in Graz. Das ABGB, das 1812 in Kraft trat, ist damit nach dem französischen Code civil aus 1804 die älteste Zivilrechtskodifikation Europas. 1853 verfasste der Kanton Zürich sein privatrechtliches Gesetzbuch, und Italien erließ sein Zivilgesetzbuch erst 1865.

Ein Beispiel aus dem Schenkungsrecht des ABGB: "Der Undank macht den Undankbaren für seine Person zum unredlichen Besitzer, und gibt selbst dem Erben des Verletzten, in so fern der letztere den Undank nicht verziehen hat, und noch etwas von dem Geschenke in Natur oder Werthe vorhanden ist, ein Recht zur Widerrufungsklage auch gegen den Erben des Verletzers", heißt es in § 949. Oder in § 365: "Wenn es das allgemeine Beste erheischt, muß ein Mitglied des Staates gegen eine angemessene Schadloshaltung selbst das vollständige Eigenthum einer Sache abtreten."