Mit der am Dienstag kundgemachten Blutspendeverordnung kommen einige wesentliche Änderungen: Zum einen muss die Eignungsuntersuchung potenzieller Spender nicht mehr ausschließlich durch einen Arzt erfolgen. Auch Angehörige des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege dürfen fortan entscheiden. Zum anderen gibt es erstmals einen einheitlichen Anamnesebogen für die Zulassung zur Spende.

Das Rote Kreuz begrüßt die Neuerung, an der man auch mitgearbeitet hat. "Der standardisierte Anamnesebogen gibt Rechtssicherheit - auch für das diplomierte Personal, das nun neben Ärztinnen und Ärzten Blutspenden durchführen darf", sagte Gerry Foitik, Sprecher des Roten Kreuzes, auf APA-Anfrage. Bei mobilen Spendeeinrichtungen kann fortan die Eignung der Spenderinnen und Spender unter Zuhilfenahme eines standardisierten Fragebogens von geschultem diplomiertem Personal geprüft werden. Er beinhaltet 37 Fragen, die Informationen abfragen, die eine Risikobewertung ermöglichen.

Bisher hatten die verschiedenen Blutspendeeinrichtungen ihre Fragebögen selbst entworfen. Um die Qualität weiter zu sichern, habe man mit Experten der Transfusionsmedizin in der Blutkommission zusammengearbeitet, betonte Gesundheitsminister Brigitte Zarfl.

Absolute Ausschließungsgründe für die Zulassung zum Blutspenden ist auf Basis dieser Empfehlung der Blutkommission zum Beispiel das Spritzen oder Schnupfen von Drogen oder ein Zeckenbiss in den vergangenen acht Wochen. Einer genaueren Abklärung bedürfen unter anderem Angaben der Spendenwilligen über den Erhalt von Tätowierungen oder Piercings oder Medikamenteneinnahme. Die Entscheidung über Zulassung, Ablehnung oder eine weitere Abklärung durch einen Mediziner erfolgt anhand standardisierter Algorithmen. Die Fragen selbst seien für die Spender einfacher zu verstehen, ist man im Ministerium überzeugt.

"Risikoverhalten" wird abgefragt

Als "Risikoverhalten", das direkt zu einem Ausschluss von der Blutspende führt, wird folgendes abgefragt: Hatten Sie in den letzten vier Monaten eine/n IntimpartnerIn, die/der an einer sexuell übertragbaren Infektion erkrankt ist (z.B. Hepatitis B, Hepatitis C, HIV,...)? Als Frau Sex mit einem Mann, der Sex mit einem Mann hatte? Sex in Anspruch genommen gegen Geld oder Drogen? Hatten Sie Geschlechtsverkehr mit Personen aus Ländern mit einer erhöhten Aids-Rate? Sowie: Hatten Sie in den letzten zwölf Monaten Sexdienstleistung ausgeführt gegen Geld oder Drogen? Mehr als 3 SexualpartnerInnen? Als Mann Sex mit einem Mann?

Die Fragebögen mussten auch bisher schon nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt werden, absichtlich falsche Angaben konnten, sofern sich daraus Folgen wie eine Ansteckung ergaben, strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Nach Ansicht des Ministeriums ändert sich nun nichts am Status quo. Wer zum Beispiel als Frau unwissentlich mit einem Mann verkehrt hat, der zuvor Sex mit einem Mann hatte, kann für dieses Nichtwissen jedenfalls nicht zur Verantwortung gezogen werden, sagte ein Sprecher auf APA-Anfrage.

RK-Sprecher Foitik betonte, dass man beim Roten Kreuz schon bisher mit einem einheitlichen Fragebogen gearbeitet habe, dieser "wurde jetzt aber präzisiert und österreichweit vom Ministerium als Vorordnung publiziert. Somit muss man sich daran halten."

Zu jeder Frage gibt es ein Flussdiagramm, erklärte der Sprecher. "Zusätzlich gibt es unter anderem eine Medikamentenliste. Der Arzt oder das diplomierte Personal kann anhand dieser abklären, ob die Medikamente mit der Blutspende vereinbar sind." Schon bisher wurden Fragen zum Risikoverhalten gestellt, diese wurden nun präzisiert, sagte Foitik. (apa)