Implizit gibt es eine Zivilklausel

"An der Boku gibt es implizit bereits eine Zivilklausel", sagt Liebert. Nachdem 2014 durch die Berichte der "Wiener Zeitung" bekannt wurde, dass auch an der Boku für das US-Pentagon geforscht wurde, gilt dort die verpflichtende Mitteilung an das Rektorat bei beabsichtigter Forschungsförderung aus militärischen Quellen, außerdem wurde eine Ethik-Charta verabschiedet, in der sich die Uni zu friedlichen Zielen verpflichtet.

Auch die Universität Innsbruck verpflichtet sich bereits in ihrem Leitbild "zu einem reflektierten Umgang mit ihren Forschungsergebnissen und neuen Technologien und dazu, das Schaffen selbstkritisch und nach ethischen Gesichtspunkten zu durchleuchten". Für eine konkrete Ausformulierung gab es laut einem Uni-Sprecher bisher keinen Anlass, "da die Forscher der Universität keine Rüstungsforschung betreiben".

Den "Studierenden gegen Rüstungsforschung" reicht das nicht. Sie wollen im Rahmen der ÖH-Wahl 2021 Studierende zu Zivilklauseln abstimmen lassen. "Wir würden uns freuen, wenn studentische Initiativen mit uns politische Anträge ausarbeiten möchten. Da die Urabstimmung im Zuge einer Wahl stattfinden würde, bleibt es den einzelnen Fraktionen (Gras, VSStÖ, FLÖ) vorbehalten, hier Empfehlungen abzugeben", so das ÖH-Vorsitzteam dazu.

In Österreich werden einzelne universitäre Forschungsprojekte vom US-Verteidigungsministerium bezahlt. Das hat die "Wiener Zeitung" 2014 gemeinsam mit "NDR Info" berichtet und damit eine hochschulinterne Debatte über Drittmittel ausgelöst, zudem gab es eine parlamentarische Anfrage der Grünen. Dass alle größeren Unis Pentagon-Gelder erhalten haben, hat viele überrascht: Das US-Militär finanziert Forschung an öffentlichen Hochschulen im neutralen Österreich?

Forschung an Quantencomputern

Die Summen sind in Relation zum Globalbudget marginal (siehe "Wissen"), doch eine aktuelle Datenerhebung der "Wiener Zeitung" zeigt, dass nach wie vor Drittmittel, sogenannte "Grants", vom US-Militär nach Österreich fließen: Seit 2014 erhielten die Unis etwa 30 Millionen Euro. Der Löwenanteil ging an die Uni Innsbruck: Rund 21 Millionen Euro für insgesamt sieben Forschungsprojekte, darunter ein noch laufendes Projekt des dort angesiedelten Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation, das von 2016 bis 2020 mit etwa fünf Millionen Euro finanziert wird.

Woran wird hier geforscht? "Quantencomputer können Probleme lösen, die für klassische Rechner sehr schwer lösbar sind, zum Beispiel für chemische Berechnungen", erklärt Rainer Blatt, der das Institut für Quantenoptik und Quanteninformation sowie das Projekt leitet. Quantencomputer sollen künftig für Optimierungen eingesetzt werden, vor allem mit Simulationsrechnungen.