Dramatik, Emotionen, Fehden und Verbrechen: Gerichtsprozesse bieten Medien die Zutaten für interessante Geschichten. Steht eine spannende Verhandlung im Wiener Straflandesgericht an, tummeln sich vor Verhandlungsbeginn oft zig Kamerateams und Journalisten in den Gängen. Jede Hausdurchsuchung, Festnahme und Anklage wird in prominenten Fällen genauestens verfolgt, und nicht selten landen Dokumente aus dem Ermittlungsakt in den Händen der Reporter.

Das enorme mediale Interesse an Gerichtsverfahren geht mit einem Gegentrend einher: der Öffentlichkeitsarbeit während des Gerichtsverfahrens und danach, kurz "Litigation-PR" genannt. Mit ihrer Hilfe sollen sich die öffentliche Meinung und Berichterstattung zugunsten einer Prozesspartei drehen. Denn längst reicht es in vielen Fällen nicht mehr aus, sich nur auf die Ereignisse im Gerichtssaal zu fokussieren. Ebenfalls bedeutend kann sein, was außerhalb passiert. So mag ein Angeklagter zwar freigesprochen worden sein, ein fahler Beigeschmack kann aber bleiben. Und so manches Unternehmen droht in wirtschaftliche Turbulenzen zu schlittern, wenn es wegen mühsamer Gerichtsverfahren ständig in der Presse ist.

Aus den USA gekommen

Um solche Probleme kümmert sich PR-Fachmann Alfred Autischer. Er ist Gründer des auf Litigation-PR spezialisierten Unternehmens "Gaisberg Consulting". "Wenn in einem Artikel Vorwürfe gegen einen vorgebracht werden und sich darin der Satz ,Es gilt die Unschuldsvermutung‘ findet: In diesem Moment sollte man jemanden wie mich anrufen", sagt er.

Autischer arbeitete jahrelang in der PR-Branche, bevor er sich auf Litigation-PR fokussierte. Diese stammt aus den USA, wo sie sich in den 1980ern etablierte. Gerichtsverfahren wurden dort von besonders intensiver Medienberichterstattung begleitet, insbesondere durch die großen 24/7-Nachrichtensender wie CNN. Prozesse wie jener gegen O. J. Simpson wurden zu gigantischen Medienspektakeln.

Es dauerte allerdings, bis sich die Litigation-PR als eigenständiges Geschäftsfeld auch in Europa durchsetzte. Erst in den 2000er Jahren habe sie sich großflächig etabliert, so Autischer: "Die Gerichtsberichterstattung hat es natürlich schon immer gegeben. Neu war allerdings, dass sie nicht mehr auf die Gerichtsseiten beschränkt war, sondern plötzlich auch groß auf den Wirtschafts- und Sportseiten vertreten war."

In Deutschland wurde beispielsweise der Fall Jörg Kachelmann zum Musterbeispiel für Litigation-PR. Dem Wettermoderator wurde vorgeworfen, er habe seine Freundin vergewaltigt. In der Öffentlichkeit entbrannte ein Streit. Medien stellten sich auf die eine oder andere Seite - und wurden von den Prozessparteien dementsprechend auch mit Informationen versorgt. Letztlich wurde Kachelmann freigesprochen.