Der neue Rund-um-die-Uhr-Betrieb der Schnellbahn in Wien zwischen Floridsdorf und Meidling in den Nächten vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen ist wohl die auffälligste Änderung zum jährlichen Fahrplanwechsel der ÖBB, der heute, Sonntag in Kraft getreten ist. Ansonsten merkt man im Regionalverkehr recht wenig, die Abfahrtszeiten haben sich hier kaum verändert. Der große Pendlerfrust am Montagmorgen dürfte somit ausbleiben.

Der Fokus des Fahrplanwechsels liegt heuer auf dem Fernverkehr. Innerhalb Österreichs wurden sehr frühe und sehr späte Verbindungen von und nach Wien, Graz und Salzburg hinzugefügt, ins Ausland fahren vor allem mehr Nachtzüge. Als Highlight gilt der neue Nightjet von Wien nach Brüssel, der ab Jänner 2020 vorerst zweimal pro Woche hin und her fährt. Dazu kommen ein Railjet, der Wien und Bozen verbindet, eine Direktverbindung von Graz über Wien und Krakau nach Przemysl in Polen (nahe der ukrainischen Grenze) und ein Zug von Wien über Debrecen in Ungarn nach Satu Mare in Rumänien. Anfang Mai folgt dann ein Zug von Graz über Wien und Dresden bis nach Berlin. Innerösterreichisch bieten die ÖBB bereits an den Winterwochenenden Skifahrern aus Wien eine direkte Verbindung über Linz nach Bischofshofen an.

 

Aus für Imbiss-Trolley-Service

Mit dem Fahrplanwechsel stellten die ÖBB ihren Imbiss-Trolley-Service in den Zügen ein. In Garnituren, in denen es einen Speisewagen gibt, gibt es keinen mobilen Speisen- und Getränkeservice mehr. Einen entsprechenden Bericht des "Kurier" (Montagsausgabe) bestätigte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder der APA.

Er sprach von einer "Adaptierung des Catering-Service". Die Bahn habe gesehen, dass sich die Nutzung des Trolley-Service massiv reduziert habe, die Umsätze teilweise sehr gering waren. "Unser Fokus liegt auf den Speisewagen", sagte Rieder. Diese sollen "massiv aufgewertet" werden und über mehr Personal verfügen. "An der Abholtheke kann man schnell alle Waren bekommen, im Trolley gab es nur ausgewählte Produkte", meinte der ÖBB-Sprecher. In Zügen, in denen es keine Speisewagen gibt, werde das Catering weiterhin via Trolley angeboten.

ÖsterreichCard wird teurer, GPS-Ticketing im Test

Das neue Mehrangebot an Zugverbindungen der ÖBB muss freilich auch finanziert werden, weshalb die Preise im Schnitt um knapp 2 Prozent angehoben werden (wobei dieser Wert wohl mit Blick auf die gerundeten Centpreise bei Bahntickets stark nach oben oder unten differieren wird). So kostet eine Fahrt von Wien nach Linz, Salzburg und Innsbruck künftig um 60 Cent mehr. Verbund-Karten sind von der Preiserhöhung laut ÖBB nicht betroffen, und auch der Preis der ÖBB-Vorteilscard bleibt unverändert. Dafür kostet die ÖsterreichCard künftig mehr, ausgenommen jene für Jugendliche. Und die ÖBB schenken sogar einmalig allen, die im Jahr 2020 ihren 18. Geburtstag feiern, einmalig die Vorteilscard Jugend.

Bei den Fahrkarten denken die ÖBB auch über ein österreichweites automatisches GPS-Ticketing nach. Via ÖBB-App soll dabei der Fahrpreis automatisch abgebucht werden können, der Ticketkauf vor Fahrtantritt entfällt. Für das kommende Frühjahr wurde ein Testlauf mit ausgewählten Bahnkunden angesetzt.

11 Millionen Euro für Schienenausbau im VOR

In die fernere Zukunft blickt unterdessen der Verkehrsverbund Ostregion (VOR). Bis zum Jahr 2030 ist eine Steigerung der Schienenkilometer um ein Viertel im Vergleich zum Fahrplanjahr 2019 in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland vorgesehen. Das entspricht einem Auftragsvolumen von rund 11 Milliarden Euro. Die Investitionen, die zum Großteil der Bund stemmen muss, sollen Verbindungen nicht nur innerhalb der jeweiligen Bundesländer, sondern im Hinblick auf Pendler auch über Landesgrenzen hinaus verbessern.

Darunter fallen freilich auch Großvorhaben wie die Fertigstellung des Semmering-Basistunnels (geplant für 2027), die sich dann massiv auf das Bahnangebot auswirken wird, so wie seinerzeit die 2012 fertiggestellten Neubaustrecke zwischen Wien und St. Pölten. Projektiert ist außerdem die Schleife Ebenfurth an der Pottendorfer Linie ins Burgenland. Der Ausbau der Verbindungsbahn in Wien soll neben der Schnellbahn-Stammstrecke eine zusätzliche Bahn-Hauptachse schaffen und westliche und östliche Bezirke miteinander verbinden. Auf der Südachse geht die Koralmbahn in Betrieb.

Auf dem Programm stehen unter anderem auch noch die Elektrifizierung der Marchfeldbahn bis 2021 und der Marchegger Ostbahn bis 2023. Die Franz-Josefs-Bahn soll bis 2027 beschleunigt werden, und auf der Badner Bahn und mehreren weiteren Strecken ist eine Taktverdichtung vorgesehen.