Mit jedem Häferl Punsch, jedem weiteren Glühwein oder Stamperl Schnaps schwindet die Fahrtüchtigkeit - fatalerweise oft aber auch die Angst, auf der Autofahrt nach Hause einen Unfall zu haben. Bei den jungen Führerscheinbesitzern dürfte allerdings diese Angst und vermutlich auch jene, in ein Planquadrat zu geraten, überwiegen: Seit der Einführung des Probeführerscheins am 1. Jänner 1992 ist die Anzahl der 16- bis 25-jährigen Verunglückten, die alkoholisiert unterwegs waren und den Führerschein kürzer als zwei Jahre lang hatten, zurückgegangen. Konkret waren es im Jahr 1987, also fünf Jahre davor, 193 Verunglückte, heute seien es nur noch 59, sagt Klaus Robatsch, Bereichsleiter für Verkehrssicherheit im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), zur "Wiener Zeitung". Das ist ein Minus von 69 Prozent.

Die Anzahl aller im Straßenverkehr Verunglückten sei in dieser Zeit zwar auch geschrumpft, allerdings nur um 20 Prozent, so Robatsch. Bei der Gesamtzahl der Unfälle mit alkoholisierten Beteiligten verhält es sich ähnlich. Dieser gewissenhaftere Umgang mit Alkohol, wenn man mit dem Auto unterwegs ist, scheint auch nach dem Probeführerschein für viele zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein: Betrachtet man die Anzeigen gegen Alkolenker, so hat sich deren Anzahl laut Innenministerium von 41.532 im Jahr 1992 auf 28.067 im Vorjahr reduziert.

Seit 2017 kann bei Autolenkern Drogenkonsum mittels Testgerät festgestellt werden. - © apa/Polizei
Seit 2017 kann bei Autolenkern Drogenkonsum mittels Testgerät festgestellt werden. - © apa/Polizei

Ein weiterer Mitgrund für diesen Rückgang könnte freilich sein, dass es 1998 eine weitere Verschärfung gab: Die Promillegrenze wurde von 0,8 auf 0,5 Promille gesenkt. 2003 kam die Mehrphasenausbildung, was bedeutet, dass Führerscheinneulinge seitdem ihre Fahrberechtigungsprüfung in mehreren Etappen ableisten müssen. Und: Bei der Novellierung des Probeführerscheins 2016 wurde die Probefrist von zwei auf drei Jahre verlängert.

Verändertes Problembewusstsein

Es sei ein genereller Wandel im Gange, was den Umgang vor allem der jungen Menschen mit Alkohol betrifft, sagt dazu Suchtexperte Michael Musalek, Psychiater und Psychotherapeut und Leiter des Anton Proksch Instituts in Kalksburg, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Sie haben ein viel größeres Problembewusstsein, alkoholisiert ein Auto zu fahren", sagt er, "und es ist auch nicht mehr ,in‘." Vor 20, 30 Jahren sei man ganz im Gegensatz dazu fast schon stolz darauf gewesen, betrunken zu fahren. Es war ein Kavaliersdelikt.

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Ein "Bausteinchen", wie Musalek es nennt, "ist sicher auch der Probeführerschein". Aber nicht das einzige. Vielmehr seien es das Bündel an Maßnahmen und ein verstärktes Problembewusstsein, die dazu geführt hätten, dass es für viele heute selbstverständlich sei, dass derjenige, der nach der Party nach Hause fährt, keinen Alkohol trinkt. Die jungen Führerscheinbesitzer hätten insgesamt ein anderes Bewusstsein hinsichtlich der Gefahren im Straßenverkehr und der Schuldfähigkeit. Eine ähnliche Tendenz zeichnet sich laut Musalek übrigens auch am Arbeitsplatz ab. Im Baugewerbe zum Beispiel werde kaum noch Alkohol getrunken - denn der Versicherungsschutz entfällt, wenn ein Versicherter derart betrunken ist, dass er zu keiner Arbeit mehr fähig ist.