Hoch droben, im Kühtai in den Stubaier Alpen, wird der Schnee beforscht. Und zwar nicht irgendeiner, also nicht jener, den das Wetter schickt, sondern jener, der auf Knopfdruck aus Maschinen kommt. Im Mai 2017 hat das Schneezentrum Tirol seine Tätigkeit aufgenommen, die Idee für die Forschungseinrichtung ist schon ein paar Jahre älter.

Nun könnte man einwenden: Warum ausgerechnet im hochalpinen Kühtai auf über 2000 Meter? Warum im Bundesland Tirol, das mit seinen rund 350 Gipfeln jenseits der 3000 Meter topografisch ohnehin begünstigt ist? Es liegt natürlich daran, dass der Tourismus in Tirol rund ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung ausmacht. In ganz Österreich sind es etwa 15 Prozent. Und ein Gutteil des Tourismus in Tirol hat nun einmal mit dem Schnee und dessen Verfügbarkeit zu tun.

Einen zweiten Grund, warum das Schneezentrum relevant ist, nennt Erik Wolf. Er ist Geschäftsführer des Fachverbandes der Seilbahnbetreiber in der Wirtschaftskammer: "Ohne Beschneiung wäre der Skibetrieb, wie wir ihn heute kennen, nicht aufrechtzuerhalten." Das ist eine grundsätzlich bedauerliche Realität, denn diese Notwendigkeit macht das Skifahren naturgemäß kostspieliger. Wobei der Klimawandel dafür nur zum Teil verantwortlich ist. Zumindest bisher. Für die weitere Zukunft kann sich dies aber ändern, wie diverse Prognosen, unter anderem der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) darlegen.

Heute liegt es vor allem an den hohen Ansprüchen der Wintertouristen, dass eine Skisaison ohne technisch erzeugten Schnee selbst in günstigen Lagen in Tirol unmöglich ist. "Der Gast will einen angenehm befahrbaren Schnee vorfinden. Die Piste soll möglichst lange am Tag eine ähnliche Konsistenz aufweisen, der Schnee griffig und kompakt sein. Und das bis Ostern", sagt Michael Rothleitner, der Leiter des Schneezentrums Tirol.

Vorbei sind die Zeiten, als man bei Saisonstart in den Alpen halt auch das nötige Glück brauchte; wo auf den Pisten an Nachmittagen Schneehaufen auf Schneehaufen folgte; wo man im Frühjahr immer wieder überlegen musste, ob man über den Grashaufen einfach drüberfahren oder doch abschnallen soll. "Das ist lange vorbei", sagt Rothleitner. "Das Skifahren ist dadurch aber auch sicherer geworden." Und dennoch, auch der Tiroler Schneeforscher sagt: "Vielleicht wäre es wünschenswert, würden es die Leute wieder cool finden, wenn man um die braunen Flecken herumfahren müsste und es nicht nur planierte Ski-Autobahnen gibt. Aber ich bin da nicht sehr hoffnungsfroh. Der Mensch tickt anders."