Im Kampf gegen Kunststoffmüll will die EU-Kommission nun ein Verbot von Plastikverpackungen prüfen. "Wir wollen die Regeln für Einwegkunststoffe definitiv ausweiten und untersuchen gerade, in welche Richtung das möglich wäre", sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius Anfang dieser Woche der deutschen Tageszeitung "Die Welt".

"Ein wichtiger Schritt wäre beispielsweise, Verpackungen aus Plastik zu verbieten oder die Verwendung von Recyclingplastik vorzuschreiben." In der vergangenen Woche hatte die kroatische EU-Präsidentschaft angekündigt, mit den Mitgliedstaaten über eine mögliche Steuer auf Plastikmüll zu sprechen.

Die Österreicher erzeugen rund 0,9 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr. Was die Kunststoffverpackungen betrifft, so werden laut Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Chemischen Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), etwa 35 Prozent für den privaten Lebensmittelkonsum verwendet. Der Verein für Konsumenteninformation stellte bei einer Stichprobe im Juni 2019 in 58 Filialen von 13 Lebensmittelanbietern fest, dass zwei Drittel der überprüften Obst- und Gemüsesorten in Plastikverpackungen erhältlich waren. Die Möglichkeit, zwischen verpackt und unverpackt zu wählen, sei für Konsumenten auch manchmal sehr begrenzt, hieß es.

Recyclingplastik vorzuschreiben, ginge laut Lisa Panhuber von der Umweltschutzorganisation Greenpeace Österreich allerdings in die falsche Richtung. "Damit wechselt man von einem Wegwerfprodukt zum nächsten", sagt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das Wiederverwerten von Plastik sei extrem energieintensiv, zudem sei der Materialverlust groß: Für eine neue Plastikflasche braucht man laut Panhuber 1,4 alte Flaschen. Dazu komme, dass im Moment nur 28 Prozent der Plastikflaschen durch die fachgerechte Sammlung wieder zurückkommen und erneut zu Plastikflaschen werden. Der Rest lande im Downcycling, also im Recycling von Abfällen, bei dem das recycelte Material von geringerer Qualität ist als das Originalmaterial, oder in der Verbrennung. "Recyclingmaterial wird daher sogar aus Mexiko und Afrika importiert."

Die Mehrwegquote ist seit den 1990ern stark gesunken

Kompostierbares Bio-Plastik (aus nachwachsenden Rohstoffen) oder Papier als Alternative zur Plastikverpackung sei wiederum in der Herstellung energie- und flächenintensiv. "Ein kompletter Umstieg auf Bio-Plastik würde in Österreich 10 Prozent der Ackerfläche kosten", sagt Panhuber. Spinnt man den Gedanken weiter und betrachtet die Bio-Plastikproduktion global, so würde diese durch die Intensivierung des Rohstoffanbaus in Wettbewerb mit der Lebensmittelproduktion treten. Müsste für die Schaffung von Feldern Regenwald abgeholzt werden, wäre das für die Umwelt fatal.

Mehrweg ist daher laut Panhuber das Zauberwort: "Eine PET-Mehrwegflasche kann bis zu 20 Mal wiederverwendet werden, eine Glasflasche bis zu 50 Mal." Vor allem für Milch und Wasser, die regional abgefüllt werden, sei die Mehrwegflaschenlösung aufgrund der kurzen Transportwege ideal. Sie ist daher für eine verpflichtende Mehrwegquote. In Österreich sei die Mehrwegquote im Einzelhandel von 80 Prozent in den 1990ern auf heute 18 Prozent gesunken. In Deutschland liege sie immerhin bei 40 Prozent. Im aktuellen Regierungsprogramm sind keine konkreten Vorgaben zum Ausbau von Mehrweggebinden verankert.