Dass die Mehrwegquote in Österreich so stark gesunken ist, führt Panhuber vor allem auf die Aufhebung der Verpackungsabfall-Zielverordnung zurück: Im Jahr 2002 hob der Verfassungsgerichtshof eine Bestimmung der Verpackungsabfall-Zielverordnung auf, die die Wirtschaft zur Erreichung von Wiederverwendungsquoten verpflichtete. Der Grund für die Aufhebung dieser Bestimmung lag darin, dass bei der Novellierung der Zielverordnung im Jahr 2000 Verfahrensregelungen des Abfallwirtschaftsgesetzes nicht vollständig eingehalten worden waren.

Obstnetze, Abfüllsysteme und Tattoos durch Natural Branding

In ihrem Supermarkt der Zukunft geht Panhuber nur noch mit Schüsseln oder Obstnetzen, die man einmal kauft und dann immer wieder von zuhause mitbringt, einkaufen und befüllt diese. Schon jetzt bieten heimische Supermärkte Abfüllsysteme zum Beispiel für Milch oder Cerealien an. Selbst bei Spülmitteln ist das Abfüllen etwa im dm Drogeriemarkt oder in zwei Interspar-Hypermärkten in Wien und Salzburg möglich. Österreichweit eröffnen immer mehr Zero Waste Shops (auch "Unverpacktläden" genannt), die so wenig wie möglich verpackt anbieten.

Ganz ohne Verpackung kommt man beim sogenannten Natural Branding aus - oder von der Rewe-Group auch "Das grüne Tattoo für Früchte" genannt. Die Rewe-Group, der Billa, Merkur, Adeg und Penny angehören, habe im Zuge ihrer Initiative "Raus aus Plastik" bereits 2016 eine Lasermethode eingeführt, bei der das Logo durch einen gebündelten Lichtstrahl, ohne Zusatz von Farbe, auf die Bio-Frucht aufgebracht werde, heißt es. Die Frucht nehme dabei keinen Schaden, weil nur Pigmente der äußeren Schalenschicht entfernt würden. Vorreiter für dieses Verfahren waren England und Schweden.

Seit 2017 testet und wendet Spar Natural Branding an, seit 2018 ist auch bei Hofer auf diese Art und Weise gebrandmarktes Obst und Gemüse erhältlich. Das Lasern eignet sich freilich nur für große, dickschalige Obst- und Gemüsesorten wie Bio-Kiwis, Bio-Mangos oder Bio-Avocados. Hofer will das Branding dennoch auf weitere Sorten wie Paprika, Knoblauch oder auch Gurken ausdehnen und damit jährlich rund 62 Tonnen Kunststoff einsparen.

Haltbarkeit der Lebensmittel kann sinken

Trotz allem wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn laut Manfred Tacker, Fachbereichsleiter im Verpackungs- und Ressourcenmanagement an der FH Campus Wien, hat die Verpackung an der Umweltbelastung des gesamten Produkt-Verpackungssystems inklusive Erzeugung und Aufbereitung der Lebensmittel einen geringen Anteil. Bei Fleisch, Wurst oder Käse etwa liege dieser bei nur 5 bis 10 Prozent. Bei der Verpackung von Wasser sei er freilich höher (bis zu 80 Prozent). Oder anders gesagt: Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft sind laut Tacker für rund 25 Prozent des Ausstoßes der klimawirksamen Gase wie CO2 verantwortlich - Lebensmittelverpackungen für weniger als 2 Prozent.

Bei der Nachhaltigkeit von Verpackungen gehe es um viel mehr als die Vermeidung von Plastik. Denn lässt man es per se weg, sinke die Haltbarkeit und man müsse mehr Lebensmittel wegwerfen. Schon jetzt landen laut Tacker in Industriestaaten 30 Prozent im Müll und verderben 40 Prozent in den Ländern des globalen Südens, weil sie für ihre Reise zu den Händlern nicht richtig verpackt wurden. Es gehe also vielmehr um das Zusammenspiel von Lebenszyklus der Verpackung (hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks oder Wasserverbrauchs) und Produktschutz. Auch die Restentleerbarkeit trage ihren Anteil, so Tacker. "Bleiben in der Ketchuptube 25 Prozent drin, ist das wenig sinnvoll." Zehn bis 30 Prozent Lebensmittelabfall aufgrund einer geringen Restentleerbarkeit seien keine Seltenheit.