Wiegt man diese Komponenten gegeneinander ab, so komme man in einigen Fällen mitunter zu dem Schluss, dass Plastik die nachhaltigste Verpackung sei, sagt Tacker. Zum Beispiel bei Fleisch und Wurst, die vor Oxidation, Keimen und mechanischer Beschädigung geschützt werden müssen und deren Verpackung gleichzeitig elastisch sein sollte. Trockene Produkte wie Kekse brauchen wiederum eine Barriere gegen Wasserdampf, damit sie nicht feucht werden. Und selbst der Käse, den vielleicht der Verkäufer direkt in die mitgebrachte Schüssel des Kunden schneidet, kam vermutlich in Plastik verpackt in die Filiale. "Wenn der Laib Käse austrocknet, sind gleich einmal 10 Prozent kaputt", so Tacker.

Ziel bei all dem sei, die lineare Wirtschaft in ein Kreislaufsystem zu bringen. Auf dem Weg dorthin zählen laut Tacker Mehrwegverpackungen, wie von Greenpeace Österreich propagiert, zwar auch zu den Maßnahmen - aber nicht nur. Genauso wichtig sind seiner Ansicht nach die Recyclinglösungen, ohne die man eine nachhaltige Zukunft nicht bewerkstelligen könne. Für das Erreichen der EU-weiten Recyclingquoten laut Kreislaufwirtschaftspaket von 50 Prozent bis 2025 muss sich Österreich allerdings anstrengen. Zwar gilt Österreich oft als Vorbild bei der Abfallentsorgung und -verarbeitung, "aber beim Kunststoff haben wir echt Nachholbedarf", sagt Stephan Drimmel, Betriebsleiter der Brantner-Sortieranlage in Wölbling bei Krems.

Recyclingkapazitäten
müssten vervierfacht werden

Momentan liegt Österreich bei 33 Prozent. "Laut neuer EU-Berechnung sind es aber nur 22,5 Prozent", sagt Drimmel. Bis jetzt wurde alles als recycelt angerechnet, was von den Sortierern zu den Recyclingbetrieben geliefert wurde. Künftig gilt nur, was beim Recyclingbetrieb in den Extruder, in dem die Kunststoffteilchen erhitzt und granuliert werden, hineingeht. "Dazwischen wird noch einmal gereinigt, und Störstoffe werden entfernt." Damit liege Österreich im EU-Mittelfeld. Um die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftspakets zu erreichen, müsste Österreich die Bemühungen im Kunststoffbereich mehr als verdoppeln, so Drimmel. In Europa müssten die Sortier- und Recyclingkapazitäten vervierfacht werden. Für die Abfallwirtschaft ergeben sich dadurch viele Chancen, "es ist eine der Zukunftsbranchen". Die Sortierer und Recyclingbetriebe müssten allerdings investieren.

Und was bedeuten diese Entwicklungen für die Verpackungsindustrie? Österreichs Verpackungswirtschaft ist international aufgestellt, mehrere Weltmarktführer wie Alpla, Greiner oder Mondi haben hier ihren Stammsitz. Österreich ist ein Verpackungsland: Einer Studie der FH Campus Wien und des Industriewissenschaftlichen Instituts zufolge erzielen die heimischen Verpackungshersteller weltweit einen Umsatz von rund 16 Milliarden Euro pro Jahr. "Die Lösung des Problems liegt in der Vermeidung von Kunststoffabfällen. Der Weg dorthin führt über Recycling von Kunststoff", sagt dazu Hofinger von der WKO. Recycling beginne mit dem Design. Die Unternehmen der Kunststoffindustrie arbeiteten bereits intensiv an einer Steigerung der Rezyklierbarkeit ihrer Produkte. Etwa durch den verstärkten Einsatz von Monomaterialien oder auch bei der Farbgebung, bei der laut Hofinger zunehmend hellere, transparente Farben verwendet werden.