Das Konsumverhalten der Österreicherinnen und Österreicher beim Alkohol hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zwar gebessert, bei jedem Siebenten ist der Alkoholkonsum dennoch gesundheitsgefährdend. Zu diesem Ergebnis kamen die Autoren des "Handbuch Alkohol - Österreich", dessen 20. Ausgabe in Wien präsentiert wurde.

Auffallend ist, dass doppelt so viele Männer wie Frauen einen problematischen Alkoholkonsum aufweisen, wie Julian Strizek vom Kompetenzzentrum Sucht der Gesundheit Österreich GmbH. Grundsätzlich sei der Alkoholkonsum in der Bevölkerung aber zurückgegangen, berichtete Initiator und Autor Alfred Uhl: von jährlich 15 Liter auf 12 Liter Reinalkohol pro Kopf seit den 70er-Jahren. Es gibt dafür mehrere Indikatoren. Regelmäßiger starker Alkoholkonsum in der Arbeitswelt ist zur Ausnahme geworden, Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit Alkohol sind seit den 60er-Jahren drastisch zurückgegangen. Dies weise darauf hin, dass sich Präventionsmaßnahmen und gesetzliche Änderungen erfolgreich ausgewirkt hätten. "Das Bewusstsein, dass Alkohol ein Problemstoff ist, ist in Österreich gestiegen", meinte Uhl.

Neue Ansätze in der Behandlung

Auch bei der Behandlung alkoholkranker Menschen hat sich viel getan. Während vor 50 Jahren noch stark moralisierende Konzepte dominierten, die einer radikalen Abstinenzorientierung verpflichtet waren, rückt man davon mittlerweile ab. So kann eine möglichst große Anzahl alkoholkranker Patienten möglichst frühzeitig zur Behandlung motiviert werden. Die Therapie ist heute deutlich patientenorientierter, zum Ziel der Abstinenz kam das Konzept der Konsumreduktion und "Schadensbegrenzung" bei Personen, die ihren problematischen Alkoholkonsum nicht in den Griff bekommen können. Im Idealfall werde zwar eine endgültige Genesung erzielt, doch stelle bereits eine deutliche Verbesserung von Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität ein berechtigtes Behandlungsziel dar, hieß es.

Wie bei anderen chronischen Erkrankungen sind auch nach Alkoholbehandlungen immer wieder Interventionen durch das Gesundheitssystem notwendig. In diesem Zusammenhang gewinnen integrierte Behandlungssysteme an Bedeutung. Dabei befassen sich zentrale Anlaufstellen mit den Patienten, erstellen für diese einen Behandlungsplan und weisen sie geeigneten Behandlungseinrichtungen zu. Gleichzeitig setzte sich die Erkenntnis durch, dass eine Alkoholabhängigkeit häufig als Ergebnis eines missglückten "Selbstbehandlungsversuchs" ("self medication") bei psychiatrischen oder psychosozialen Grundproblemen zu verstehen ist, erklärte Uhl.

Soziales Verhalten der Jugendlichen ändert sich

Gerade bei Kindern und Jugendlichen gehe der Alkoholkonsum stetig zurück, zeigten sich die Autoren erfreut, und zwar generell in der westlichen Gesellschaft. Die Gründe dafür seien noch umstritten, meinte Strizek. "Es gibt dafür auch keine monokausale Erklärung, es kommt vor allem bei Burschen zu grundlegenden sozialen Änderungen." Für eine Substitution durch andere Suchtmittel gebe es derzeit keine Hinweise. Immer noch ausständig sei hierzulande allerdings eine Vereinheitlichung des Jugendschutzes, sagte Uhl. Der sei immer noch Ländersache und weist trotz mancher Verbesserung nach wie vor deutliche Unterschiede auf. Bestrebungen, diese Bestimmungen zu vereinheitlichen, seien bisher gescheitert, kritisierte Uhl.

Das "Handbuch Alkohol - Österreich" ist eine zentrale kostenlose Informationsquelle zu den unterschiedlichen Aspekten des Themas. Es wird regelmäßig aktualisiert, ist über das Internet leicht zugänglich und bietet sowohl einfache Überblicksinformation als auch detaillierte Vergleiche und Analysen in Bezug auf die meisten alkoholassoziierten Fragestellungen. Mehrere Bände setzen sich unter anderem mit Statistiken und Methoden, gesetzlichen Grundlagen sowie ausgewählten Spezialthemen auseinander.