Leistungsstarke Schüler rechnen in Österreich im internationalen Vergleich nur selten mit einem Hochschulabschluss. Das gilt vor allem für "benachteiligte" Schüler, zeigt die am Mittwoch veröffentlichte OECD-Studie "Dream jobs: Teenagers' career aspirations and the future of work".

Als leistungsstarke Schüler bzw. "High Performer" wurden dabei Schüler definiert, die bei der PISA-Studie in allen drei Testgebieten (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) ein bestimmtes Mindestniveau und in mindestens einem eine besonders hohe Punktezahl erreichten. Als "benachteiligt" bzw. "privilegiert" eingeordnet wurden Jugendliche, die in einem eigens erstellten Index zum sozioökonomischen Status (Bildungsstand und Beruf der Eltern, kulturelle Güter wie Bücher im Haushalt) zum unteren bzw. oberen Viertel des jeweiligen Landes gehören. Befragt über ihre Zukunftserwartungen wurden die 15-/16-Jährigen im Zuge der PISA-Erhebungen im Jahr 2018 - dabei muss neben den PISA-Aufgaben auch ein umfangreicher Fragebogen ausgefüllt werden.

40 Prozent sind "high performer"

Demnach zählen in Österreich rund 40 Prozent zu den "High Performern", was ziemlich genau dem OECD-Schnitt (39 Prozent) entspricht. Allerdings erwarten sich diese später nur weit seltener einen Abschluss im Tertiärbereich - wobei dazu in Österreich neben Hochschulabschlüssen auch solche der letzten beiden Jahrgänge der berufsbildenden höheren Schulen (BHS) zählen.

Von den "privilegierten" "High Performers" gehen in Österreich rund 21 Prozent davon aus, keinen Tertiärabschluss zu erreichen. Damit liegen sie am vorletzten Platz hinter Deutschland (27 Prozent), sind aber vom OECD-Schnitt (acht Prozent) nicht allzu weit entfernt. Von den "benachteiligten" leistungsstarken Schülern rechnet in Österreich sogar die Hälfte mit keinem Tertiärabschluss - das ist ebenfalls der vorletzte Platz hinter Deutschland (66 Prozent), aber bereits weit hinter dem OECD-Schnitt (28 Prozent). Die OECD erklärt sich diese Resultate damit, dass eventuell in Deutschland und Österreich "die duale Ausbildung als gute Karriereperspektive wahrgenommen wird".

Generell ortet die OECD, dass "die weitreichenden Veränderungen der Arbeitswelt sich bislang noch nicht in den Berufsvorstellungen vieler Jugendlicher widerspiegeln". Auf die Frage, welchen Beruf sie mit 30 Jahren erwarten auszuüben, nannte die Hälfte der 15-Jährigen in den OECD-Ländern einen von zehn besonders bekannten Berufen (Arzt, Lehrer, Manager, Anwalt, Architekt, Polizist bei beiden Geschlechtern, bei den Burschen dazu noch Ingenieur, IT-Fachmann, Sportler und Mechaniker, bei Mädchen noch Krankenpflege/Hebamme, Psychologin, Tierärztin und Designerin).

Geringe Vorstellungskraft am Arbeitsmarkt

Dies lasse "auf eine insgesamt geringe Vorstellungskraft bezüglich der Vielfalt des Arbeitsmarkts schließen", so die OECD. Auch im Zeitalter Sozialer Medien und Künstlicher Intelligenz würden Jugendliche kaum Tätigkeiten anstreben, die mit der Digitalisierung entstanden sind.

"Damit hat sich die Fokussierung auf wenige Berufe seit PISA 2000 noch um einige Prozentpunkte erhöht", so die OECD nach einem Vergleich der aktuellen PISA-Zahlen mit jenen von vor knapp 20 Jahren. Das gilt auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz - allerdings seien die beruflichen Ambitionen hier insgesamt "deutlich diverser als im Durchschnitt": Nur etwa vier von zehn Schülern (OECD: fünf) nannten einen der zehn am häufigsten genannten Berufe. "In diesen Ländern hat sich vermutlich bewährt, dass Schulen frühzeitig Kontakte in die Arbeitswelt vermitteln", so die OECD. (apa)