Vor 82 Jahren wurde er als Jude von den Nationalsozialisten aus seiner Schulklasse im Gymnasium in der Albertgasse geschmissen. Am Donnerstag kehrte Dan Shefy (94) zu einem Zeitzeugenbesuch in den ehemaligen Klassenraum zurück. Damals hieß Shefy noch Erwin Spitzer. Nach einer abenteuerlichen Flucht nach Palästina mit den Eltern im Jahr 1940 änderte der spätere Kapitän der israelischen Marine den Namen, um einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen. Alle anderen in Wien zurückgebliebenen Verwandten sind während der NS-Herrschaft verschleppt und ermordet worden.

Erwin Spitzer (94) kam nun als Dan Shefy in die Albertgasse zurück. - © Paul Vécsei
Erwin Spitzer (94) kam nun als Dan Shefy in die Albertgasse zurück. - © Paul Vécsei

Entsprechend feinfühlig, respektvoll, herzlich und freundlich war dann auch der Empfang in der ehemaligen Schule. Direktor Roman Wolf und sein gesamter Lehrkörper am Gymnasium Albertgasse pflegen schon lange eine sensible Erinnerungskultur. Im gefüllten Festsaal empfingen interessiert fragende Schüler den Zeitzeugen zum herzlichen Dialog. "Es ist mir eine Ehre, wieder hier bei Euch zu sein", sagte ein sehr versöhnlicher und sichtlich gerührter Rückkehrer. Den Weg zum ehemaligen Klassenraum fand er auch trotz nötiger Gehilfe sofort: "Mir ist, als wäre alles erst gestern gewesen."(vecs)