Ab heute, Donnerstag, werden Passagiere am Flughafen Wien bei Direktflügen aus China Temperaturchecks unterzogen. Die ersten wegen des Coronavirus geplanten Temperaturmessungen werden beim Air China-Flug CA841 durchgeführt werden. Die Maschine hätte um 6.05 Uhr in Schwechat landen sollen, hatte aber mehr als sechs Stunden Verspätung. Die tatsächliche Ankunft war für 12.44 Uhr avisiert.

Die Kontrollen sollen "mittels Infrarot-Thermometer" noch direkt im Flugzeug durchgeführt werden, berichtete die niederösterreichische Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Personen, die Fieber haben, sollen dann in den Krankenhäusern in Mödling und St. Pölten "weiter untersucht werden, um festzustellen, ob sich ein Verdacht erhärtet". "Wir sind bestens vorbereitet und gerüstet", betonte Königsberger-Ludwig. Die Behörden wollen "damit einen Teil in der Sicherheitskette schließen, damit wir das Sicherheitsgefühl der Menschen in Österreich und natürlich in Niederösterreich stärken", sagte die Gesundheitslandesrätin. Die Amtsärztin und Sanitäter sollen die Temperaturchecks durchführen.

Kein Kontakt mit anderen Personen

Sollten Passagiere "als Problemfälle identifiziert werden, werden sie schon am Vorfeld von den Sanitätsbehörden in spezielle Fahrzeuge gebracht und von hier weggebracht", sagte Flughafen-Vorstand Günther Ofner. Die Verdachtsfälle würden dann nicht in Kontakt mit anderen Personen kommen. Es müsse "niemand Angst haben", betonte Ofner. So unangenehm die Kontrollen im Einzelfall seien, sie würden "ohne Belastung des Gesamtsystems" durchgeführt werden. Der Flughafen-Vorstand betonte, dass von den Temperaturchecks lediglich "drei Flüge pro Woche betroffen sind, ausschließlich Air China-Flüge aus Peking". In Summe seien das "etwa 400 Passagiere pro Woche", ein sehr geringer Teil der rund 250.000 Passagiere, die momentan wöchentlich am Flughafen abgefertigt werden. Alle notwendigen Vorkehrungen seien getroffen, "damit jeder und jede sich sicher fühlen kann und davon ausgehen kann, dass keine Gefahr einer Infektion besteht", betonte Ofner.

Lage in Österreich stabil

In Österreich gibt es "keinen einzigen Erkrankungsfall bisher", betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Allerdings gab es in den vergangenen Tagen eine Reihe von Verdachtsfällen. Aktuell seien "drei konkrete Verdachtsfälle in Untersuchung". Dabei handle es sich um eine "Routinesituation". Bisher wurden bereits 74 Testungen, die alle negativ verlaufen sind, durchgeführt, sagte der Minister. "Ja, das Coronavirus ist in Europa angekommen, aber auf eine sehr, sehr, sehr überschaubare Art und Weise, bislang zumindest. Das ist kein Grund zur Panik", sagte Anschober. Laut dem Minister soll es auch im Flugzeug auf dem Weg von China nach Wien bereits Kontrollen geben. "Es wird auch ein Gesundheitsfragebogen im Flugzeug ausgeteilt und den österreichischen Behörden übermittelt", kündigte Anschober an. Damit seien für einen Anlassfall etwa auch die Sitznachbarn bekannt.

Die Lage in Österreich ist derzeit stabil, betonte auch Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Die Kontrollen der Gesundheitsbehörden am Flughafen erfolge in Zusammenarbeit mit der Polizei, "notfalls auch mit Zwangsmaßnahmen", kündigte Nehammer an. Er erinnerte an den Fall einer Patientin in Salzburg, bei der ein Coronavirusverdacht bestand und die am Mittwoch aus der Quarantäne flüchtete. Sie wurde von der Polizei zurück ins Spital gebracht. (apa)