Sturmtief "Sabine" sei eine Schweizerin, sagt Diplommeteorologe Thomas Dümmel. Oder genauer gesagt, ihre Patin. Denn Sabine heißt jene Person, die dem Sturmtief, das gerade über Teile Europas fegt, ihren Namen gegeben hat. Seit 2002 gebe es die Möglichkeit, sagt Dümmel von der Freien Universität (FU) Berlin zur "Wiener Zeitung", eine Wetterpatenschaft zu übernehmen und ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet zu benennen. Ein Hoch, das seltener sei, kostet 299 Euro - ein Tief ist für 199 Euro zu haben.

Das erste Sturmtief wurde auf diese Art und Weise am 21. November 2002 auf den Namen Yvonne getauft. Das erste Hoch hieß Xerxes. Schon seit 1954 vergibt das Institut für Meteorologie der FU Berlin Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen. Diese Namen werden von Wetterdiensten und Medien übernommen. Bis 2002 war es laut Dümmler allerdings so, dass die Namensvergabe intern geregelt wurde. "2002 war die Universität aber von Sparmaßnahmen gebeutelt", sagt Dümmel, der als Vater der Wetterpatenschaften gilt: Um die Wetterbeobachtungen und die Klimareihe, die auf eine 110-jährige Geschichte zurückblicke, fortführen zu können, habe man mit dem Verkauf der Patenschaften gestartet.

Mit dem Erlös von jährlich etwa 35.000 Euro (rund 45 Hoch- und 135 Tiefdruckgebiete) bezahle man nun "in Ermangelung der Festangestellten" Studierende für die Tag- und Nachtbeobachtungen des Wetters. Das Startjahr war genauso wie heuer eines jener Jahre, in dem die Tiefdruckgebiete weiblich und die Hochdruckgebiete männlich waren. Kommendes Jahr werde es umgekehrt sein, sagt Dümmel. Welches Geschlecht ein Tief respektive Hoch hat, alterniere Jahr für Jahr.

Dynamische Tiefs weiblich?

Das war nicht immer so. Von 1954 bis Anfang der 90er sei jedes Sturmtief weiblich gewesen - und jedes Hoch männlich. "Die dynamischen, fruchtbaren Tiefdruckgebiete waren die Frauen, die langweiligen Hochs die Männer." Andererseits gehen die dynamischen Tiefdruckgebiete aber auch mit Sturm, viel Regen und meist Zerstörung einher. "Daher haben wir beschlossen, jedes Jahr zu wechseln."

Der Stichtag für den Start der Namensvergabe des kommenden Jahres sei stets Mitte September. Wer interessiert ist, könne sich mittels Formular (www.wetterpate.de) anmelden. Wer will, könne auch eine Begründung abgeben: Am häufigsten werden Hoch- und Tiefdruckgebiete laut Dümmler zu Geburtstagen oder Hochzeitstagen verschenkt. Nach dem Ereignis bekämen die Namensgeber eine Taufkarte, eine Wetterkarte sowie einen Bericht zur Biografie des Hochs oder Tiefs zugeschickt.

Die Hochdruckgebiete seien meist schneller weg - die Buchstaben x, y und z blieben am längsten liegen. Um die Abfolge der Ereignisse gut einordnen zu können, werden diese nämlich mit dem Buchstaben a beginnend alphabetisch benannt. Nach "Petra" kam heuer "Ruth" und dann "Sabine". "Der Name muss noch frei sein und vom Standesamt auch für die Taufe eines Kindes akzeptiert werden", so Dümmel. Kosenamen seien nicht zulässig. Auch "Osama" wurde nach den Ereignissen des 11. September 2001 abgelehnt.

Die Beschenkten seien mitunter gespalten. Der Name Kyrill zum Beispiel, der als Orkan 2007 weite Teile Europas verwüstete und 47 Menschenleben kostete, war ein Geburtstagsgeschenk dreier Söhne an ihren Vater. "Zuerst war er erfreut, dann deprimiert, weil ständig Katastrophenmeldungen mit seinem Namen in Verbindung gebracht wurden", sagt Dümmel.

Vor einigen Jahren kam Verwirrung in die Namensgebung. Denn die Briten forderten, dass die Namen unter allen Ländern Europas abgestimmt werden sollten. Seitdem benennen sie etwa zehn Extremwetterereignisse pro Jahr in Eigenregie, und andere Länder orientieren sich an ihnen. So hieß "Sabine" in Großbritannien, Frankreich und Belgien "Ciara".