Die Lehrerin der AHS Albertgasse in Wien-Josefstadt, bei der es einen Verdacht auf Infektion mit dem Corona-Virus gab, wurde negativ getestet. Die Wiener Landessanitätsdirektorin werde nun an die Schule und die Polizei die Weisung erteilen, alle Maßnahmen aufzuheben, hieß es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).

Das Gymnasium mit 600 Schülern war seit dem Vormittag gesperrt gewesen. Die Polizei hatte dazu die Albertgasse zwischen der Josefstädter Straße und der Pfeilgasse abgeriegelt.

Es bestand der Verdacht, dass sich eine Lehrerin bei einem Aufenthalt in Norditalien möglicherweise mit dem Virus infiziert hat.

Schüler nahmen "Kasernierung" gelassen

Die Kinder im Gymnasium Albertgasse nahmen ihre "Kasernierung" ziemlich gelassen. Während einer Pause schauten die Schüler immer wieder aus den Fenstern und schrien heraus. Der Medienauflauf war offensichtlich eine ziemlich attraktive Angelegenheit. Die Schüler konnten auch telefonisch Kontakt mit ihren Eltern aufnehmen. "Die Kinder wissen bisher nur, dass sie getestet werden und dass sie jetzt einmal nicht hinaus dürfen", berichtete ein Vater, der kurz zuvor mit seinem Sohn im Gymnasium telefoniert hatte.

Eingeschränkte Bewegungsfreiheit gab es auch für die Anrainer des gesperrten Bereichs der Albertgasse. So durften Mitarbeiter eines gegenüberliegenden Gebäudes dieses zunächst nicht verlassen. Später wurden diese Maßnahmen aufgehoben. Laut Steirer konnten Eltern ihre Kinder vom Kindergarten abholen und auch Bewohner ihre Häuser verlassen beziehungsweise aufsuchen.

Stand Mittwochnachmittag: 23 Personen in Quarantäne

In der Bundeshauptstadt gibt es bis dato keinen bestätigten Fall. Bisher hat es österreichweit 321 Testungen auf das Coronavirus gegeben. Aktuell (Stand 26. Februar, 16 Uhr) stehen 23 Personen unter Quarantäne, davon zwölf in Tirol, acht in Salzburg
und drei in Kärnten. Die Betroffenen verhielten sich dabei sehr
kooperativ. Diese Zahlen wurden am Nachmittag im Rahmen der Koordination des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements bekanntgegeben, an der Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) teilnahmen.

Erste Anlaufstelle in Wien ist das Kaiser-Franz-Josef-Spital (SMZ Süd). Die dortige 4. Medizinische Abteilung ist auf die Diagnose und Behandlung derartiger Virenerkrankungen spezialisiert. Laut dem KAV-Sprecher sind derzeit zwei Stationen ausschließlich für Personen, die sich infiziert haben könnten, reserviert. Um die Mittagszeit befanden sich dort 15 Personen zur Abklärung, hieß es. In die KAV-Statistik ist der Coronavirus-Verdacht samt der notwendigen Testungen von Lehrern und Kindern an der Schule in der Josefstadt noch nicht eingeflossen. Die Vorkommnisse wurden erst später am Vormittag bekannt. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der Verdachtsfall am Gymnasium negativ getestet wurde.

Bei einem Verdachtsfall handelt es sich um eine Person, die die entsprechenden Krankheitssymptome aufweist und in den vergangenen 14 Tagen Kontakt mit einem bestätigten oder vermutlichen Coronavirus-Erkrankten hatte oder sich in China oder in einer der betroffenen italienischen Regionen aufgehalten hatte. Auch der Aufenthalt in einer Gesundheitseinrichtung, in der Patienten mit einer Coronavirus-Infektion behandelt werden bzw. wurden, gelten hierbei als weiteres Kriterium.

Hacker: Niemand in Quarantäne zu Hause

In Heimquarantäne müsse derzeit niemand leben, informierte ein Sprecher des Gesundheitsstadtrats Peter Hacker (SPÖ) weiters. In dieser hätten sich bisher elf österreichische Heimkehrer aus dem chinesischen Coronavirus-Epidemiegebiet Wuhan aufhalten müssen. Mittlerweile haben sie die entsprechenden Unterkünfte aber verlassen.

Sollte es in Wien zu bestätigten Coronavirus-Fällen und einer Ausbreitung kommen, so gibt es einen Stufenplan, nach welchem vorgangen wird, führte der KAV-Sprecher aus. Zuerst würde die Patienten-Versorgung an der 4. Medizinischen Abteilung übernommen werden. In Summe gibt in den KAV-Häusern in Wien eine Kapazität von rund 500 Betten für die Betroffenen.

Einmal mehr wurde seitens des KAV betont, dass in der Bundeshauptstadt schon vor Wochen die Vorbereitungen für den Ernstfall angelaufen sind. Ende Jänner wurde der erste Verdachtsfall in der 4. Medizinischen Abteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals aufgenommen und abgeklärt, erinnerte der KAV-Sprecher. Unmittelbar danach wurde in der KAV-Generaldirektion ein Einsatzboard installiert, das täglich zusammentritt und sich mit allen behördlichen Einsatzstäben koordiniert.

Die Prozesse der Verdachtsabklärung inklusive des Transfers in das Kaiser-Franz-Josef-Spital via Berufsrettung funktioniere reibungslos, wurde heute auch betont. Im Rahmen der Vorbereitungen wurde beispielsweise an der beschleunigten Testung gearbeitet. "Vom ersten Verdachtsfall, wo wir über 24 Stunden auf das Testergebnis warten mussten, sind wir mittlerweile bei wenigen Stunden angelangt", berichtete der KAV-Sprecher. Weiters wurde Sorge getragen, dass die nötige Schutzausrüstung für das Personal in den Spitälern vorhanden ist. Auch an den organisatorischen Prozessen wurde gefeilt - beispielsweise an der Verschiebung von bestimmten Eingriffen oder der Verlagerung von Patienten wie auch an der Information und Vorbereitung der Mitarbeiter.

Coronavirus-Verdacht in Kärnten negativ

Die Kärntner Landessanitätsdirektion hat am Mittwoch für den Todesfall mit Coronavirus-Verdacht in Bad Kleinkirchheim (Bezirk Spittal an der Drau) Entwarnung gegeben. Die 56-jährige Italienerin aus dem Raum Udine war nicht infiziert, hieß es in einer Aussendung des Landespressediensts nach Vorliegen des Laborergebnisses. Die Sperre der betroffenen Apartmentanlage wurde aufgehoben.

13 Personen hatten das Haus bisher nicht verlassen dürfen. Der Notarzt hatte in der Nacht zunächst eine Infektion mit dem Coronavirus nicht ausschließen können und einen Abstrich zur Untersuchung gemacht. Die Behörden setzten daraufhin vorsorglich die vorgesehenen Maßnahmen.

Tiroler Patienten weiter fieberfrei und stabil

Das Pärchen aus Italien, das in Tirol positiv auf das Coronavirus getestet worden war, befindet sich in der Innsbrucker Klinik weiter in einem guten Zustand. "Sie sind beide nach wie vor fieberfrei und stabil", sagte eine Kliniksprecherin der APA. Die Entscheidung über eine Entlassung aus dem Krankenhaus noch in dieser Woche soll am Freitag fallen. Zuvor würden am Freitag noch einmal letzte Testuntersuchungen durchgeführt. Derzeit werden die beiden 24-Jährigen laufend überwacht, hieß es. Von den zwölf in Quarantäne befindlichen Kontaktpersonen, die ebenfalls einen guten Gesundheitszustand aufweisen sollen, befinde sich indes niemand in der Klinik, so die Sprecherin. (apa)