Mit Stand Mittwoch, 9.00 Uhr, waren es 27 und damit um drei mehr als am Abend zuvor. Das teilte das Gesundheitsministerium auf seiner Homepage mit. Demnach wurden bisher 3.138 Tests durchgeführt. Details zu den neuen Fällen waren zunächst nicht bekannt. Einen explosionsartigen Anstieg der Fälle gibt es hierzulande nicht.

Die große Wiener Anwaltskanzlei Wolf Theiss bestätigte drei erkrankte Mitarbeiter nach privaten Testungen in einem deutschen Labor. Durchgeführt wurden sie, da seit längerem ein Anwalt der Kanzlei wegen des Virus intensivmedizinisch in Wien behandelt wird. Es handelt sich um den einzig schweren Verlauf der durch das Virus ausgelösten Covid-19-Erkrankung in Österreich. "Es gab keine Anordnung der Behörden zur Durchtestung", sagt Barbara Fürchtegott, Sprecherin der Kanzlei. Es habe sich um eine "Eigeninitiative" gehandelt, um die besorgten Mitarbeiter zu beruhigen. Zunächst wurden 200 Mitarbeiter getestet, am Montag wurden weitere 80 Testungen durchgeführt. Von ihnen fehlte am Nachmittag noch das Testergebnis.

Keine Symptome bei Neuerkrankten

Diese drei Mitarbeiter zeigten jedoch nach Aussage der Kanzlei keinerlei Symptomatik. Sie wurden auch von heimischen Behörden untersucht und in häusliche Quarantäne gestellt, in der Kanzlei wurde ein Krisenstab eingerichtet. Eine derartige Durchtestung, noch dazu auf private Initiative, die weit über das enge Umfeld von Erkrankten hinausreicht, hat es bisher noch nicht gegeben. "Das könnte schon Erkenntnisse liefern", sagt der Virologe Franz X. Heinz. Gemessen an der Beschäftigtenzahl beträgt die Infektionsrate ein Prozent. "Wichtig ist aber der Punkt der Momentaufnahme, es können auch andere infiziert sein", sagt Heinz.

Die Frage ist, ob es daher nicht sinnvoll ist, bei einzelnen Fällen den gesamten Betrieb durchzutesten. Auf diesen Punkt ging Michael Binder, der medizinische Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), auf einer Pressekonferenz am Nachmittag ein: "Der Test ist nicht zu 100 Prozent sensitiv", so Binder. Er kann nicht alle Erkrankten, aber auch nicht alle Nicht-Erkrankten erkennen. Würde man ungefiltert testen, also auch jene Personen, die keine Symptome haben und nicht direkt im engen Umfeld eines Erkrankten standen, erhielte man "eine große Zahl falsch-positiver Tests", sagte Binder. Das kann natürlich auch im Fall der Anwaltskanzlei nicht ausgeschlossen werden.

58 Todesfälle in Italien

In Wien arbeiten vier Labors Tag und Nacht an der Auswertung von Tests, dazu stehen in allen Bundesländern weitere Labors bereit. "Aber man muss vernünftig mit diesen Ressourcen umgehen", sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Wie viele Personen keine Symptome haben, aber eigentlich als erkrankt gelten, lässt sich nicht sagen. Vermutet wird aber nur eine kleine Anzahl, wie Binder vom KAV am Dienstag erklärte. Anschober befand: "Die Grundstrategie funktioniert". Der Großteil der Absonderungen erfolgt hierzulande daheim, auch die neuen Fälle der Wiener Anwaltskanzlei. "Es spart Ressourcen in den Spitälern, und diese Ressourcen werden wir noch brauchen", sagt Anschober. Auch wenn die Lage in Österreich weitgehend stabil bleibt, bietet Italien Anlass zur Sorge. Bereits 58 Todesfälle sind beim südlichen Nachbarn registriert worden aufgrund des Virus.

Weiterhin befinden sich rund 350 Menschen in Quarantäne. Meist handelt es sich dabei um Personen, die engen Kontakt mit am neuartigen Coronavirus Erkrankten hatten und als Vorsichtsmaßnahme auf behördliche Anweisung abgesondert wurden, hatte es am Montag vom Einsatzstab im Innenministerium geheißen. "Ich appelliere daran, die Geduld zu haben. Wir haben eine Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen. Unser Grundkonzept ist die Ausbreitung auf Basis des jeweiligen Erkrankungsfalles und des Umfelds zu unterbinden", sagte Anschober. Er habe den Eindruck, dass die meisten Betroffenen geduldig seien.

Wieder Fiebertests auf dem Flughafen

In Niederösterreich können seit Dienstag mobile Coronavirustests durchgeführt werden, damit Verdachtsfälle das Haus nicht mehr verlassen müssen. Vier Teams sind unterwegs, in Kärnten soll das Rote Kreuz ab kommendem Freitag mobile Tests vornehmen.

Auf dem Flughafen Wien in Schwechat wurden am Dienstag wieder Fiebertests aufgenommen. Gescannt werden Passagiere von Direktverbindungen aus dem Iran und Südkorea. Jeder Fluggast werde auch eine Aussteigekarte (Passenger Locator Card) mit entsprechenden Angaben ausfüllen müssen. Bereits im Februar waren Fiebertests bei Passagieren auf Direktflügen aus China respektive Peking durchgeführt worden. Nachdem die Flüge von Air China eingestellt wurden, gab es zuletzt keine Kontrollen der niederösterreichischen Sanitätsdirektion.

Erstmals ist in Argentinien bei einem Patienten das neuartige Coronavirus nachgewiesen worden. Der Mann sei am Sonntag aus Italien eingereist, teilte Gesundheitsminister Gines Gonzalez García am Dienstag mit. Der Patient stehe nun in einem Krankenhaus in Buenos Aires unter Quarantäne. Nach Ecuador mit sieben Fällen und Brasilien mit zwei Fällen ist Argentinien damit das dritte Land in Südamerika mit bestätigten Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. (sir, apa, dpa)