Ein 69-jähriger Covid-19-Patient ist in der Nacht auf Donnerstag im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital verstorben. Er ist das erste Todesopfer des neuartigen Coronavirus in Österreich. Der Mann hatte sich in Italien aufgehalten und an Vorerkrankungen gelitten, berichtete der medizinische Krisenstab der Stadt. Bis zum Nachm, 16 Uhr, gab es landesweit 361 bestätigte Fälle.

In Tirol hat sich der Skiort Ischgl zu einem heimischen Corona-Hotspot entwickelt. Ausgehend von einem Apres-Ski-Lokal haben sich auch etliche Touristen mit SARS-CoV-2 infiziert. Nun wird der Skibetrieb vorzeitig eingestellt.

Auch am Wiener AKH, dem größten heimischen Spital, gibt es einen ersten Coronavirus-Fall. Eine Patientin der Hämatologischen Ambulanz wurde positiv getestet. Sämtliche Kontaktpersonen befinden sich in Heimquarantäne. Betroffen ist medizinisches Pflegepersonal sowie drei Ärzte. Insgesamt sind in der Bundeshauptstadt (Stand: Donnerstagmittag) rund 50 Menschen an Covid-19 erkrankt, zwei davon schwer. Sollte sich das Virus weiter ausbreiten, stünden 700 Spitalsbetten - 500 im Bereich des Wiener Krankenanstaltenverbunds, 200 in Privatspitälern - für intensivmedizinische Behandlung zur Verfügung, so der KAV.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) beschrieb den starken Anstieg der Fallzahlen: "Gestern in der Früh waren es 202 Erkrankungsfälle, jetzt gerade sind wir bei 302. Würde diese Kurve so weitergehen, hätten wir bereits in einer Woche sehr, sehr hohe Zahlen. Daher geht es darum, eine Verzögerung zu erreichen." Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) kündigte weitere Maßnahmen an, sollte sich eine Abflachung der Infektionskurve nicht einstellen. Für alle 25.000 heimischen Polizisten ist eine Urlaubssperre verhängt worden.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) schilderte im Bundesrat die Dramatik anhand der Zahlen. Mittlerweile sei man bei über 300 Infizieren. In einigen Tagen sei man an der Tausender-Grenze, eine Woche darauf bei der Zehntausender-Grenze. Um den Höhepunkt "vielleicht" hinter die Grippesaison zu verschieben und so das Leben älterer Menschen zu retten, hat die Regierung drastische Schritte wie die Einschränkungen an Unis, Schulen sowie bei Veranstaltungen verfügt. Die Maßnahmen würden in einer Phase gesetzt, wo das noch Sinn habe: "Es ist nicht möglich, das Virus aufzuhalten, aber eine Verlangsamung zu erreichen, um die Kapazitäten im Land nicht sofort über zu belasten."

"Alles was nicht notwendig ist, sollte nicht stattfinden. Wenn sie sich fragen, soll ich etwas tun, beinhaltet das schon, dass es möglich ist darauf zu verzichten", appellierte der Kanzler.

Unterdessen hat das Complexity Science Hub Vienna (CSH) berechnet, dass die Kapazität der Intensivbetten in etwa 14 Tagen erschöpft sein könnte. Einen Engpass an allen derzeit existierenden Spitalsbetten in Österreich erwarten die Forscher gegen Anfang April. Die mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens angestrebte Reduktion sozialer Kontakte könnte die Virusverbreitung aber stark reduzieren. In einem "Worst-Case-Szenario" kommen auf Simulationsrechnungen spezialisierte Mathematiker um Niki Popper von der Technischen Universität (TU) Wien auf rund zwei Millionen gleichzeitig Infizierte in Österreich Ende Mai, werden die Kontakte um ein Viertel eingeschränkt, sinke die Zahl auf rund 360.000.

Tschechien wird ab Freitag 00.00 Uhr Kontrollen an der Grenze zu Österreich und Deutschland einführen. Unterdessen gab es wegen der von österreichischer Seite durchgeführten Grenzkontrollen zu Italien Stau: Auf der Brennerautobahn auf Südtiroler Seite mussten mehrere Einfahrten gesperrt werden, von Bozen Nord bis zum Brenner herrschte Kolonnenverkehr bis Stillstand.

Ein Großteil der tausenden Österreicher, die sich noch in Italien aufgehalten hatten, dürfte inzwischen mit dem Auto heimgereist sein. Für die restlichen Urlauber organisiert das Außenministerium eine Rückholaktion. Alle Heimkehrer sind zu einer 14-tägigen Heimquarantäne verpflichtet.

Vom Österreichischen Gesundheits-und Krankenpflegeverbands (ÖGKV) kam ein dringender Appell, von Besuchen wegen des Infektionsrisikos für die Bewohner möglichst Abstand zu nehmen. In Wien werden nicht nur nicht dringende Operationen verschoben: In Gemeindespitälern sind Krankenbesuche vorerst untersagt, es werden Eingangskontrollen durchgeführt. Auch in steirischen KAGes-Spitälern gilt Besuchsverbot, im Burgenland ab Freitag, anderswo gibt es Aufrufe, sich zurückzuhalten.

Ärzte können Patienten für die Dauer der "Corona-Krise" nunmehr auch telefonisch krankschreiben. Apotheken und Pharmagroßhandel zeigten sich gerüstet. Man werde den Betrieb unter allen Umständen aufrechterhalten, sagte Apothekerkammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr. "Es kommen viele Kunden, es gibt viele Rezepte, es wird aber auch viel gekauft." Von großen Hamster-Aktionen könne aber nicht die Rede sein.

Kirche setzten Gottesdienste aus

Die Kirchen und Religionsgesellschaften in Österreich setzen ab kommenden Montag öffentliche Gottesdienste und Versammlungen weitestgehend aus. Das ist das Ergebnis nach einem Gespräch der Vertreter der Religionsgemeinschaften mit Kanzler Sebastian Kurz, der für Kultusangelegenheiten zuständigen Ministerin Susanne Raab, Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Innenminister Karl Nehammer.

Auch sollen kirchliche Familienfeiern wie Taufen und Hochzeiten verschoben werden, wie es in einer Aussendung nach dem Treffen im Bundeskanzleramt hieß. Die vereinbarten Maßnahmen sollen dem Schutz der älteren und besonders gefährdeten Menschen dienen und gelten für die nächsten Wochen.

Die konkrete Umsetzung werden die jeweiligen Kirchen und Religionsgemeinschaften in ihrem Bereich kommunizieren, hieß es. (apa/dpa)