Diese Krise bringt etwas Vergangenes und wohl auch Vergessenes zurück: Mangelverwaltung. Es gibt nicht genügend Covid-Tests, Schutzkleidung, Desinfektionsmittel, Personal, vielleicht in einigen Wochen auch Intensivbetten. Letzteres soll verhindert werden, "koste es, was es wolle". Darum hat die Regierung so drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen. Aber auch der Mangel stellt per se eine Einschränkung dar. Wir sind daran gewöhnt, jene Untersuchung zu bekommen, die wir gerne hätten; alle medizinischen Produkte, die sinnvoll wären. Das geht jetzt nicht. Und auch die Information kann mangelhaft sein, auch wenn alle bemüht ist. Daher, zwischendurch, ein FAQ zu Verdachtsfällen.

Frage: Wann bin ich ein Verdachtsfall?

Je weiter sich das Virus verbreitet, desto eher können sich auch jene anstecken, die keine Kontakte zu Italien- oder Tirol-Reisenden hatten oder selbst dort waren. Zum Teil treten gar keine Symptome auf. Dazu kommt: Es gibt zwar typische Symptome wie (trockener) Husten und Fieber, doch zuletzt wurde berichtet, dass auch der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns bei einem Teil der Covid-Patienten beobachtet wurde. Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl und Gliederschmerzen können auf Covid hindeuten.

Frage: Ich habe einen Verdacht, was soll ich tun?

Hat man diese Vermutung aufgrund der Symptome oder Kontakt mit einer infizierten Person, sollte man sich, erstens, sofort isolieren. Das heißt: kein Kontakt zu anderen Personen. Zweitens: bei der Hotline 1450 anrufen. Dort werden die Testungen koordiniert. Das kann manchmal zu Wartezeiten führen, denn auch bei der Hotline sind die Kapazitäten begrenzt.

Frage: Was macht 1450, was erwartet mich dort?

Die Nummer ist die Gesundheits-Hotline, die erkrankte Personen berät. In dieser Krisensituation dient 1450 primär dazu, die Tests zu koordinieren. Wichtig: Es erfolgt am Telefon keine ärztliche Abschätzung, ob man sich mit dem Coronavirus infiziert hat oder nicht. Da es nur eine begrenzte Anzahl von Tests gibt, sind die Mitarbeiter angewiesen einen solchen Test nur in den allerwahrscheinlichsten Fällen zu veranlassen. Dafür gibt es genaue Vorgaben. Getestet wird nur, wer Symptome hat und in einem Risikogebiet (Italien, Tirol) war. Auch der direkte Kontakt zu einer infizierten Person in Verbindung mit Symptomen reicht. Dann ist man offiziell Verdachtsfall, es erfolgt eine Meldung an den Ärztefunkdienst. Ein Test wird veranlasst.

Frage: Ich werde nicht getestet, wie soll ich nun vorgehen?

Wichtig ist: Die Mitarbeiter der Hotline erstellen keine ärztliche Diagnose. Das oberste Ziel ist, die Anrufer zu leiten und die begrenzten Test-Ressourcen möglichst effizient einzusetzen. Anders formuliert: Auch wenn kein Test veranlasst wird, weil die formalen Vorgaben dafür nicht erfüllt sind, kann der Verdacht auf eine Covid-Erkrankung berechtigt sein. Ärzte empfehlen, sich in diesem Fall in Selbstisolation zu begeben. Es ist auch sinnvoll, den Hausarzt oder die Hausärztin telefonisch (!) zu kontaktieren. Im Fall eines offiziellen Verdachts oder gar eines positiven Tests erhält man eine Absonderungsanweisung auf Basis des Epidemiegesetzes. Liegt dieser Verdacht nicht vor, aber treten Symptome auf, wird es oft eine Krankmeldung brauchen. Auch dafür gilt: Telefonisch melden, die Krankmeldung kommt per Post.

Treten gar keine Symptome auf, aber hatte man zum Beispiel indirekten Kontakt mit einem infizierten, ist es ebenso ratsam, daheim in Quarantäne zu gehen. Symptome können auch später auftreten. Diese Selbstisolation ist arbeitsrechtlich nicht gedeckt. Hier empfiehlt die Arbeiterkammer, mit dem Dienstgeber in Kontakt zu treten. Wenn das Arbeiten von daheim möglich ist, ist dies auch zu genehmigen. Für Arbeitgeber ist diese Situation heikel, denn es gibt eine gesetzliche Fürsorgepflicht den Mitarbeitern gegenüber, und zwar auch jenen gegenüber, die sich anstecken können, wenn der Verdachtsfall in die Firma zitiert wird.

Frage: Ich werde getestet. Wie und was passiert da ?

Wenn ein Test veranlasst wird, erfolgt eine sofortige Meldung an mobile Teams, die Proben abnehmen. Zum Teil gibt es auch Drive-in-Stationen, zu denen symptomarme Verdachtsfälle mit dem Auto fahren können. Die Abstriche werden rund um die Uhr genommen, es kann also auch in der Nacht läuten. Der Test ist unangenehm, dauert aber nur kurz. Verzögerungen können sich ergeben bei der Entnahme, wenn die mobilen Teams überlastet sind, aber auch bei der Auswertung der Tests. In der Regel sollte ein Ergebnis innerhalb von zwei Tagen vorliegen. Ist der Test negativ, muss das übrigens nicht bedeuten, dass keine Covid-Erkrankung vorliegt. Die Tests schlagen nur in einem bestimmten Zeitfenster verlässlich an. Erhält man ein positives Resultat, bekommt man einen Anruf sowie einen Absonderungsbescheid. Die weiteren Maßnahmen werden vom Amtsarzt veranlasst.

Frage: Test oder Nicht-Test: Wie geht dann weiter?

Das Kranksein in Zeiten der Epidemie ist anders. Das ist wichtig. Wer positiv getestet wurde, muss zuhause bleiben. Wer nur den begründeten Verdacht hat, soll unbedingt zuhause bleiben in Isolation. Noch einmal: Es gibt nicht Tests für alle. Wer engen Kontakt mit einem Covid-Erkrankten hatte, kann davon ausgehen, selbst infiziert zu sein. Der Hausarzt wird in der Regel von den Behörden nicht von einem positiven Test informiert. Es ist daher sehr sinnvoll, die Erkrankung (egal ob offiziell Covid-Patient oder nicht) der Hausärztin telefonisch zu melden. Die Länder haben zwar verschiedene Meldesysteme eingerichtet, um kontrollieren zu können, wie es den Patienten daheim geht, die Allgemeinmediziner sind aber im derzeitigen System nicht sehr involviert, wenn sie nicht aktiv von den Erkrankten kontaktiert werden. Das ist im derzeitigen System eventuell doch eine Schwachstelle.

Die Hausärzte kennen meistens ihre Patienten, ihre Vorerkrankungen und können daher auch eine individuelle und qualitativere Risikoabschätzung vornehmen. Rund zwölf Prozent der Erkrankten müssen im Spital versorgt werden. Da dies aber oft erst nach Tagen angezeigt ist, braucht es ein Monitoring der Patienten. Und zwar primär telefonisch. Das ist neu. Da es kein Medikament gegen Covid gibt, ist die zentrale Frage: Wie geht’s? Wenn sich die Symptome verschlechtern, sollten Sie sofort per Telefon entweder den Hausarzt oder den Ärztenotdienst unter 141 oder gar die Rettung 144 anrufen.