Zehn Millionen Schutzhandschuhe sind jetzt in Lkw unterwegs und werden in ganz Österreich verteilt. Sie stammen aus dem malaysischen Werk des Gummiausrüsters Semperit und sind am Samstagabend in einer AUA-Maschine in Wien-Schwechat angekommen. In Empfang genommen wurden sie von Michael Opriesnig, dem Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), Flughafen-Vorstand Günther Ofner und Semperit-Chef Martin Füllenbach. Gedacht sind die Handschuhe vor allem für Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeheime und auch niedergelassene Ärzte. In den nächsten Wochen sind laut Füllenbach noch fünf weitere Lieferungen geplant. "Wir werden 65 Millionen Handschuhe aus unserer Fabrik in Malaysia zum Roten Kreuz nach Österreich liefern."

Bei "Gabenzäunen" wie hier in Wien kann für Obdachlose und bedürftige Menschen, die besonders unter der Corona-Krise leiden, gespendet werden. - © APAweb, ANGELIKA KREINER
Bei "Gabenzäunen" wie hier in Wien kann für Obdachlose und bedürftige Menschen, die besonders unter der Corona-Krise leiden, gespendet werden. - © APAweb, ANGELIKA KREINER

Der Transport wurde vom Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Roten Kreuz organisiert. Gleichzeitig wird die Produktion von medizinischer Schutzausrüstung in heimischen Betrieben forciert. So soll die Versorgung auch längerfristig gesichert werden. Besonders wichtig seien dabei die Masken, so Ministerin Schramböck: "Wir haben hier ungefähr einen Bedarf von 300.000 Stück pro Tag." Es gebe in Österreich bereits zwei Konsortien, die sich um die Herstellung dieser Masken kümmern sollen. "Wir wollen so rasch wie möglich die Produktionen in Österreich hochfahren, damit wir nicht immer importieren müssen", erklärte die Ministerin. Seit Samstag gibt es in Österreich außerdem ein neues Prüflabor, das von nun an die Kontrolle von Medizinprodukten durchführen soll. Bisher mussten diese Produkte extra in ein Labor in Deutschland geschickt werden.

Schon fast 8300 Corona-Infizierte in Österreich

Unterdessem wurde am Sonntagmorgen gemeldet, dass die Zahl der Sars-CoV-2 Infizierten in Österreich mittlerweile bei rund 8280 liege - um 580 mehr als Samstagfrüh. Die Zahlen des amtlichen Dashboards des Gesundheitsministeriums sind dabei leichtb abweichend von jenen auf der Ministeriums-WebseiteRund 840 Erkrankte sind laut dem Krisenstab des Innenministeriums im Spital, davon knapp 140 auf der Intensivstation.Zugleich wurden am Samstag bereits 410 Personen als genesen ausgewiesen - um 185 mehr als am Freitag.

"Offenbar steigt nur die Zahl an Pressekonferenzen rapide"

Knapp 43.000 Tests auf SARS-CoV-2 sind bis Samstag in Österreich durchgeführt worden, wobei die Neos errechnet haben, dass die Testzahlen im Verlauf der vergangenen Woche entgegen der von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ausgegebenen Devise ("Testen, testen, testen!") nicht zu, sondern abgenommen haben. Demnach sank die Zahl der Test von 4962 am Montag kontinuierlich auf 3198 am Freitag. NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker zeigte sich angesichts dieser Entwicklung gegenüber der APA am Samstag "schwer enttäuscht". "Offenbar steigt nur die Zahl an Pressekonferenzen rapide, nicht aber die der überlebenswichtigen Corona-Tests, die essenziell zur Bekämpfung des Virus sind", stellte Loacker fest. Wenn die Regierung schon 15.000 Tests pro Tag verspreche, so erwarte er sich zumindest einen spürbaren Anstieg seit der Ankündigung, nicht aber einen Rückgang.

"Zögerlichkeit" bei der Beschaffung von Beatmungsgeräten

Diese Entwicklung sorgte auch bei der SPÖ und der FPÖ für heftige Kritik. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sprach von einer "Verhöhnung der Bevölkerung". Die Politik von Kurz und Anschober bestehe "aus Tarnen und Täuschen. Die Österreicherinnen und Österreicher werden zum Narren gehalten". "Fassungslos" zeigte sich SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher. Er warf der Regierung in einer Aussendung auch "Zögerlichkeit" bei der Beschaffung der für Corona-Patienten wichtigen Beatmungsgeräte vor. Bundeskanzler Kurz habe vor kurzem bei einem deutschen Hersteller für Medizinprodukte 1000 Geräte bestellt, sei aber offenkundig zu spät dran gewesen, so dass jetzt nur 50 Geräte geliefert würden, bezog sich Kucher auf einen Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Kucher verlangte, dass "endlich eine zentrale Beschaffung von der Schutzbekleidung, über die Test-Kits bis hin zu den Beatmungsgeräten funktionieren muss".

Gesundheitsministerium verweist auf neue Labors

Das Gesundheitsministerium hat den Vorwurf der NEOS zurückgewiesen. Diese Behauptung stimme nicht. "Viele neue kleine Labors, die seit kurzem neu Testungen durchführen, sind noch nicht per Schnittstelle mit dem elektronischem Erfassungssystem verbunden", hieß es aus dem Ministerium.

Positivtests würden natürlich sofort gemeldet. Aber die Gesamtmenge der Tests sei oft höher als in der Statistik sichtbar, stellte das Ministerium am Samstag in einer der APA übermittelten Stellungnahme klar. Wenn Wochenendtests etwa erst am Montag eingemeldet werden, erhöhe das außerdem den Tageswert. Eine Einmeldung sei nicht zwingend synchron zur Testung bzw. Analyse. Daher sei selbst bei einer Kapazitätserhöhung auf Länderebene ein "scheinbarer Rückgang theoretisch möglich".

Zahlen seien "erst über mehrere Tage aussagekräftig", betonte das Gesundheitsministerium. Bedingt durch die Aufarbeitung von Testrückständen könne es zu Schwankungen kommen. Um Unregelmäßigkeiten zu vermeiden, kündigte das Ministerium eine zentrale Einmeldung in das Epidemiologische Meldesystem (EMS) an.

Indes war Nachschub zumindest bei medizinischen Hilfsmitteln in Sicht. Für Samstagabend wurde eine AUA-Maschine aus Malaysia mit zehn Millionen medizinischen Handschuhen erwartet. "Die dringend erwartete Lieferung wurde durch den unermüdlichen Einsatz unserer Botschaft in Kuala Lumpur und Botschafter Michael Postl ermöglicht", teilte das Außenministerium mit.

Sondermaschine mit Österreichern gelandet

Samstagmittag hatte eine weitere Sondermaschine Österreicher nach Hause gebracht. 71 Einheimische kehrten aus Lima zurück. Wie eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte, hatten sich in der nahezu voll besetzen Maschine insgesamt 289 Passagiere befunden. Der Notflug aus der peruanischen Hauptstadt war der mittlerweile 31. Repatriierungsflug im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie. "Dieser Notflug ist gelebtes Beispiel dafür, dass die europäische Zusammenarbeit auch in Krisensituationen gut funktioniert. Neben 71 Österreicherinnen und Österreichern konnten wir Menschen aus 16 weiteren EU-Ländern und elf Drittstaaten die sichere Rückkehr nach Europa ermöglichen", stellte Außenminister Alexander Schallenberg fest.

Bisher wurden - die Maschine aus Lima mit eingerechnet - rund 5600 Österreicher heimgeflogen. Für die kommenden Tage sind weitere Sonderflüge aus Indonesien, Malaysia, von den Philippinen, aus Vietnam, Chile, Argentinien und Australien geplant. Was die Situation der auf den Philippinen gestrandeten Urlauber betrifft, berichtete Außenministerium-Sprecher Peter Guschelbauer am der APA: "Zahlreiche auf den Inseln gestrandete österreichische Touristen konnten heute rechtzeitig vor dem Abflug des morgigen AUA- Repatriierungsflugs mit zwei von der Botschaft organisierten Charterflügen nach Manila gebracht werden. Eine sehr erfolgreiche Aktion und viele sichtlich erleichterte Österreicher, die gerade in Manila angekommen sind und die sich nun auf den Heimflug freuen!" Auf Ersuchen vieler Botschaften hätten sich auch etliche Bürger anderer EU- und Drittstaaten für den Sonderflug nach Europa angemeldet.

Weltweit mehr als 600.000 Infizierte

Die Anzahl der weltweit nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten hat am Samstag die Marke von 600.000 überstiegen. Samstagnachmittag (MEZ) waren es nach Information der Johns Hopkins University schon mehr als 618.000 positive Fälle, wobei die Pandemie demnach bisher insgesamt mehr als 28.800 Todesopfer gefordert hat. Als neues Epizentrum der Krise hat dabei die USA die Führungsposition inne.

In den Vereinigten Staaten war am Freitag ein Anstieg der Fallzahlen um 18.000 vermeldet worden, womit die 100.000er-Grenze überschritten wurde. Bereits mehr als jeder sechste der weltweit positiven Fälle kommt aus den USA. In der Zahl der Todesopfer liegen die USA mit klar mehr als 2.000 Personen an fünfter Stelle. Italien, Spanien, China und der Iran betrauerten - zumindest vorerst - noch mehr Corona-Tote. (apa, afp, dpa)