Klagenfurt/Salzburg/Wien. Generationen von Handelsstrategen und Centermanagern haben versucht, ihren Kunden ein Einkaufserlebnis zu bieten oder zumindest zu versprechen. Der Coronavirus hat das Versprechen nun eingelöst. Dank nunmehriger Maskenpflicht gerät auch ein simpler Supermarktbesuch zum spannenden Parcours. Die erste Hürde wartet dabei schon am Eingang. "Guten Tag, darf ich Ihnen einen Mundschutz geben?" - Mit diesen Worten wurde man am Mittwoch etwa in einem Döblinger Shoppingcenter vor dem großen Supermarkt einer heimischen Handelskette empfangen. Als Empfehlung war die Frage nicht unbedingt zu verstehen. Denn wer keine eigene Schutzvorrichtung mitbringt, ist auf die Gabe angewiesen.

Während noch vor nicht allzu langer Zeit (asiatische) Touristinnen und Touristinnen am Flughafen streng beamtshandelt wurden, wenn sie Mund und Nase bedeckt hatten, ist die Maske nun auch im Geschäft in Döbling obligatorisch. Ohne muss man draußen bleiben. Damit niemand durchschlüpft, wachen Securitymitarbeiter - natürlich mit Mundschutz - über das Geschehen. Dankenswerterweise wird die Maßnahme beim Eingang auch mittels Aushängen erklärt. Und es wird gebeten, von "Maskenhamsterei" Abstand zu nehmen, da die Utensilien derzeit am Weltmarkt schwer zu beschaffen sind, wie es heißt. Das Unternehmen stelle, so betont man, pro Einkauf eine Maske gratis zur Verfügung.

Griffe der Einkaufswägen werden gereinigt

Wer sich danach einen Einkaufswagen holt, kann dies relativ beruhigt tun. Denn eine Mitarbeiterin reinigt den Griff, bevor man das Gefährt bekommt. Auch ein Spender für Desinfektionsmittel, an dem Kunden sich selbst bedienen können, wurde montiert. Betritt man den Verkaufsraum, folgen die nächsten Hinweise. Man möge doch mindestens einen Meter Abstand halten und nach Möglichkeit bargeldlos bezahlen. Markierungen in Sachen Abstand sind im gesamten Geschäft verteilt - wobei vor allem vor den Feinkosttheken oder an den Kassen an das Gebot erinnert wird. Die Waren wird an den Bedienungstheken übrigens nicht mehr direkt übergeben, sondern hingelegt. Auch dies soll die Gefahr minimieren, dass sich Besucher und Mitarbeiter zu nahe kommen.

Was im Supermarkt ebenfalls rasch auffällt. Viele sind im Umgang mit dem Mund- und Nasenschutz ungeübt. Häufig sieht man Menschen, die mit den Händen das ungewohnte Teil, das doch erstaunlich leicht verrutscht, zurechtzupfen. Personen, die sich mittels Schal oder Tuch bedecken, tun sich, so war zu bemerken, deutlich leichter. Eine spezielle Herausforderung ist die Papierbarriere für Brillenträger. Da der Atem nun nach oben steigt, beschlagen die Gläser. So mancher der Sicht beraubte Kunde wandte sich darum hilfesuchend an brillentragendes Personal. Das wusste tatsächlich Abhilfe: Die Sehbehelfe sollen nach Möglichkeit über den oberen Rand der Maske positioniert werden, damit diese ans Gesicht gedrückt wird.

In großen Supermärkten ab Montag Pflicht

Während der Schutz bis spätestens 6. April in jedem größeren Supermarkt bzw. in Drogerien überall zu tragen ist, wird bekanntlich bereits ventiliert, die Maskenpflicht weiter auszudehnen. Mundschutz zu kaufen ist derzeit aber schier unmöglich. Entsprechende Fragen im Supermarkt werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit einem müden Lächeln (also vermutlich, man sieht es wegen der Maske natürlich nicht) quittiert. Immerhin quellen die Klopapier-Regale wieder mit frisch angelieferter Ware über. Einen Stock höher wird das Problem in der Filiale einer Drogeriekette quasi virulent. Dort wird mittels Aushang versichert, dass man die Maßnahme der Bundesregierung unterstütze, Masken aber frühestens ab nächster Woche flächendeckend in Österreich verfügbar sein werden. Eine Ausgabe an Kunden ist vorerst noch nicht möglich. Gleichzeitig wird um Selbsthilfe ersucht: "Bitte verwenden Sie nach Möglichkeit Schals oder Tücher, um Mund und Nase zu bedecken."

Keine Kundenbeschwerden in Salzburg

"Noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber sinnvoll." So lautete die Kernaussage von Kunden des Interspar im Europark in Salzburg auf die Frage der APA, wie sie mit dem Tragen von Masken zurechtkommen und ob sie diese Maßnahme der Regierung aufgrund der Corona-Krise als notwendig erachten. Spar hat am Mittwoch erstmals Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS) am Eingang der Supermärkte verteilt.

Die Kunden wirkten beim Lokalaugenschein der APA zwischen 9.00 und 10.00 Uhr gelassen, trotz der neuen Situation. Vor dem Betreten des Marktes verteilten zwei Mitarbeiterinnen die Schutzmasken, die auf einem Pult gestapelt waren. Wer Hilfe benötigte, dem wurde das Anbringen der Masken geduldig erklärt. Ein Beschäftiger desinfizierte die Haltegriffe der Einkaufswagen, während zwei Securities alles im Auge behielten.

Beschwerden von Kunden habe es bisher nicht gegeben, sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. "Es geht ganz ruhig von statten." Man habe damit gerechnet, dass sich die Kunden heute bei der Maskenausgabe anstellen würden. Doch das war bisher nicht der Fall. Einige hatten Masken mitgebracht, teils waren sie selbst genäht.

Noch ungeübt im Umgang mit den Masken

"Die Maske ist noch gewöhnungsbedürftig", sagte eine 67-jährige Salzburgerin, die ihren Einkaufswagen aus dem Markt schob. "Meine Brille lief an, ich musste sie abnehmen. Die Maske ist auf jeden Fall sinnvoll gegen Ansteckung, auch wenn sie etwas unangenehm ist. Wenn man sie öfters trägt, wird man sich sicher daran gewöhnen. Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier." Miranda Suchomel vom Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der MedUni Wien hat jedenfalls im Text zum optimalen Umgang mit dem MNS-Schutz jedenfalls dazu geraten, verrutschte Masken erst mit gewaschenen Händen wieder zurechtziehen - "sonst transportiert man Viren über diese womöglich in seine Nase, seinen Mund oder die Augen".

Beim Einkaufen habe sie den Eindruck gehabt, dass die Leute den Sicherheitsabstand von einem Meter nicht mehr einhalten würden. "Ich schaue, dass ich jetzt nur mehr ein Mal in der Woche einkaufe, und dann nur das Nötigste." Wie die Salzburgerin vermutete auch ein 77-jähriger Einkäufer, dass das Tragen von Schutzmasken bald auch im öffentlichen Raum verpflichtend sein wird. Er verwendet eine FFP1-Maske, "weil sie besser hält." Die Maskenpflicht in Supermärkten komme allerdings zu spät, kritisierte der Pensionist. "Die ganze Aktion hätte schon ein paar Wochen früher starten sollen."

Kein Anstellen vor dem Ausgabe-Pult

Drei junge Männer, die sich Getränkedosen kauften, zeigten sich etwas irritiert, weil nur einer von ihnen eine Maske in die Hand gedrückt bekam. "Es hat geheißen wir seien eine Gruppe. Die anderen zwei haben keine Maske bekommen. Das ist doch Blödsinn", wunderte sich ein 28-jähriger Salzburger. "Die Masken sind ein Schutz. Noch besser wäre es, wenn auch Desinfektionsmittel im Markt aufgestellt werden." Einem Pensionisten störte die warme Atemluft in der Maske, "auch das Sprechen ist unangenehm."

Abschreckend dürfte das Verteilen der Masken am Mittwoch für die Einkäufer nicht gewesen sein, auch wenn es am Vormittag relativ ruhig war. Niemand musste sich vor dem Ausgabe-Pult anstellen. "Wir haben uns gedacht, es gibt mehr Ansturm. Die Frequenz war normal für einen Mittwoch", sagte die Spar-Sprecherin. Im Gegensatz zu gestern, Dienstag, am Nachmittag, nachdem die Schutzmaskenpflicht in Supermärkten bekannt geworden war. Da habe sich ein deutlicher Kundenanstieg in ganz Österreich bemerkbar gemacht. "Die Frequenz war etwa so stark wie an einem Samstag." Viele wollten offenbar noch ohne Masken einkaufen. "Es waren aber keine Hamsterkäufe."

Andere Herangehensweise in Kärnten

Die Verteilung von Schutzmasken ist auch in den Klagenfurter Supermärkten angelaufen. Bei einem Rundgang der APA fiel eine unterschiedliche Herangehensweise auf - wurden die Masken in manchen Geschäften erst nach dem Bezahlen an der Kassa ausgegeben, wurden sie in anderen schon am Eingang verteilt. "Bitte gleich aufsetzen, den blauen Teil der Maske nach außen - oben ist ein Metallbügel, mit dem man die Maske am Nasenrücken fixieren kann", hieß es von Spar-Mitarbeiterinnen höflich aber bestimmt gleich beim Eingang. Gereicht werden die Gratis-Masken mit einer Greifzange, wer will, kann sich auch Einweghandschuhe mitnehmen.

Anders läuft die Verteilung der Schutzmasken in zwei Billa-Filialen. Dort werden sie nämlich erst gratis an Kunden ausgegeben, wenn diese eingekauft und bezahlt haben. "Wir haben die Order bekommen, das genau so zu machen", erklärt eine Verkäuferin, "sonst kommen Leute, die einfach ins Geschäft kommen, die Masken nehmen und wieder gehen." Und dafür habe man einfach nicht genug Mund-Nasen-Schutzmasken geliefert bekommen, lässt man durchblicken. Deshalb werden die Masken "für den nächsten Einkauf" ausgegeben. Und die werden auch gerne mitgenommen.

Eines hat sich in der Innenstadt von Klagenfurt jedenfalls geändert: Waren sie bisher eher rar gesät, so gehören Leute, die mit Mund-Nasen-Schutz auf der Straße unterwegs sind, nun endgültig zum Stadtbild. Dazu trägt sicher auch bei, dass die Verteilung der Masken in den Supermärkten anläuft. Jeder Kunde bekommt eine - und die wird durchaus auch nach dem Einkaufen getragen.

Handel plant vorerst keine Sicherheitskräfte

Der noch "sanfte" Einstieg der Supermarkt-Ketten in die neue Schutzmasken-Verordnung der Bundesregierung ist am Mittwoch laut Auskunft der Unternehmen gut verlaufen. Die Kunden nehmen die Maßnahme gut an, es gibt bisher keine "Verweigerer". Dementsprechend ist bisher auch von keinem Unternehmen geplant, einen eigenen Sicherheitsdienst einzusetzen.

Bei Spar werden die Masken durch eigenes Personal vor den Filialen verteilt, ließ Spar-Sprecherin Nicole Berkmann wissen. "Alle Kunden sind, so scheint es, informiert, verhalten sich ruhig und besonnen und alle setzen die Masken anstandslos auf. Viele haben bereits ihre eigene Maske mit." Darum ist auch aus Spar-Sicht an kein Sicherheitspersonal gedacht. Spar hat derzeit vier Millionen Schutzmasken auf Lager. Noch sei nicht abzuschätzen, wie viele Masken täglich benötigt werden, erklärte Berkmann. Spar verzeichne in ganz Österreich eine Million Zahlungsvorgänge am Tag. Eine Maske könne auch mehrmals verwendet werden. Zudem würden viele Kunden bereits selbst Masken mitnehmen.

Zur weiteren Vorgehensweise erklärte Berkmann, Spar habe viele Millionen Masken von weltweit verschiedenen Herstellern bestellt. Zu den Kosten machte die Sprecherin keine Angaben. Der Einkaufspreis schwanke zwischen 40 bis 50 Cent und über einem Euro, und die Nachfrage sei extrem hoch. Man hoffe, dass die Bundesregierung Kosten rückvergütet.

Ausgabe wird bei manchen noch nach draußen wandern

Streng gehandhabt wird das verpflichtende Tragen von Schutzmasken gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus in den Supermärkten und Drogerien ab kommendem Montag. Bis dahin muss wohl auch die bisher lockere Ausgabepraxis mancher Anbieter nachgeschärft werden. Denn das Austeilen von Masken innerhalb der Filialen war wohl nicht vorgesehen.

"Wir stellen ein erstes Kontingent zur Verfügung, das wir als 'Erstausstattung' im Kassabereich nach dem Einkauf verteilen - maximal ein Stück pro Kunde - so lange der Vorrat reicht", hieß es von der Handelskette Rewe (Billa, Merkur, Penny, Bipa). "Wir bitten die Kunden, sorgsam damit umzugehen und die Masken nach Möglichkeit mehrfach zu verwenden." Man arbeite mit Hochdruck an Nachschub-Lieferungen und erwarte ab kommender Woche die umfassende Verteilung an allen Standorten. "Die Kunden reagieren bisher durchwegs verständnisvoll auf diese zusätzliche Schutzmaßnahme", so Rewe-Pressesprecher Paul Pöttschacher.

Auch bei Hofer werden die Masken vorerst noch in den Geschäftsräumen verteilt. "Wir haben sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft, um trotz der aktuellen internationalen Knappheit eine möglichst hohe Verfügbarkeit an MNS-Masken zu haben. Die MNS-Masken werden durch unsere Mitarbeiter in unseren Filialen an Kunden verteilt", hieß es von Hofer. Die Maßnahme werde auch dort gut angenommen. "Dementsprechend erwarten wir auch in Zukunft, dass unsere Kunden der Schutzmasken-Pflicht nachkommen werden. Sicherheitspersonal zur Überprüfung der Maskenpflicht ist derzeit nicht vorgesehen." (apa)