Der Bodenverbrauch ist in Österreich zuletzt wieder gestiegen - und zwar fast um ein Viertel, nachdem er seit 2013 kontinuierlich gesunken war. Das teilte das Umweltbundesamt am Donnerstag mit.

So wurden im vergangenen Jahr täglich 13 Hektar Boden - etwa die Fläche von 20 Fußballfeldern - neu verbaut, 2018 waren es "nur" 10,5 Hektar. Das ist das Fünffache des Zielwertes von 2,5 Hektar pro Tag, der bereits 2002 in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung festgeschrieben wurde.

Von den 13 Hektar pro Tag gehen laut Umweltbundesamt vier Hektar (etwa 40 Prozent) dauerhaft verloren, weil diese Fläche versiegelt wird - das heißt der Boden ist mit einer wasserundurchlässigen Schicht abgedeckt, also bebaut, betoniert, asphaltiert oder gepflastert. Damit gehen wichtige Bodenfunktionen, wie die Fähigkeit Wasser zu speichern und zu verdunsten, Schadstoffe zu filtern und Kohlenstoff zu binden, verloren.

Der Bodenverbrauch verursache einen kontinuierlichen Verlust von produktiven Böden, 2019 waren das laut Umweltbundesamt 44 Quadratkilometer. Das bedeutet, dass jährlich eine Fläche in der Größe von Eisenstadt verbaut wird.

Gefahr für Versorgungssicherheit

Diese Entwicklung sei "fahrlässig" und habe "dramatische Auswirkungen" auf die Lebensmittelversorgungssicherheit, warnte die Österreichische Hagelversicherung. Die Ernährungssouveränität Österreichs werde damit "massiv gefährdet". Beim Brotgetreide habe das Land "bereits jetzt nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 86 Prozent, bei Kartoffeln von 80 Prozent, bei Gemüse nicht einmal 50 Prozent und bei Soja sogar nur von 15 Prozent", so die Hagelversicherung. Aber auch der Klimawandel werde dadurch beschleunigt.

Optimistisch stimmte die Hagelversicherung, dass die Bundesregierung erstmals auch detaillierte Maßnahmen für eine Reduktion des Bodenverbrauchs in einem Regierungsprogramm festgeschrieben habe. Deren Umsetzung müsse nun aber Priorität haben, forderte Präsident Kurt Weinberger. Nur durch eine "kluge Raumordnungspolitik, durch einen absoluten Verbauungsstopp bester Wiesen und Äcker", durch Nutzung der vielen leer stehenden Immobilien und durch eine Stärkung der überregionalen Raumordnung könne der "negativen Entwicklung entgegengewirkt werden", betonte Weinberger.

Lehren aus Corona-Krise

"Nur durch vorausschauenden Bodenschutz können wir die natürliche Bodenfruchtbarkeit für künftige Generationen erhalten, Hochwasserrisiken senken, Hitzeeffekten entgegenwirken und die biologische Vielfalt erhalten," appellierte auch Gundi Prokop, Bodenexpertin im Umweltbundesamt.

Aus der gegenwärtigen Corona-Krise könne man die Lehre ziehen, nicht weiter in natürliche Lebensräume einzugreifen, Ressourcen zu bewahren und die Artenvielfalt zu erhalten. "Dadurch werden Tiere vor dem Menschen geschützt und somit Menschen vor einer Übertragung mit gefährlichen Erregern", gab die Hagelversicherung zu bedenken. (apa)