Der Trend an Neuerkrankungen mit dem Coronavirus bleibt in Österreich rückläufig, Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) warnte aber vor voreiliger Euphorie. "Konsequentes Handeln ist weiterhin höchst erforderlich, jede und jeder muss weiterhin ein Teil der Lösung sein", sagte Anschober am Samstag. Weltweit ist die Zahl der Infizierten unterdessen auf mehr als 2,25 Millionen gestiegen.

In Österreich hat die Anzahl der Neuerkrankungen am Samstag im Vergleich zum Vortag lediglich um 0,7 Prozent zugenommen. Über 10.000 Menschen haben sich bisher von einer Covid-19-Erkrankung wieder erholt, wobei das Innenministerium 14.671 bestätigte Infektionen mit SARS-CoV-2 (Stand 9.30 Uhr) meldete. 208 Erkrankte, 19 weniger als Freitag, werden derzeit auf einer Intensivstation betreut.

Noch nicht enthalten sind die Auswirkungen des ersten Öffnungsschrittes der Geschäfte vom vergangenen Dienstag. Neuinfektionen würden erst mit einer Verzögerung von zehn bis 14 Tagen in der Statistik sichtbar werden, warnte Anschober. "Dadurch werden die Zahlen der nächsten Woche besonders wichtig", so der Gesundheitsminister. Er rief noch einmal in Erinnerung, den bisherigen Weg fortzusetzen.

Größerer Bewegungsradius

Der Bewegungsradius der Österreicher wird indes wieder größer. Das zeigen Auswertungen des Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Technischen Universität (TU) Wien. Nachdem sich durch die Einführung der Ausgangsbeschränkungen der Radius von rund 14 Kilometern pro Tag auf nur acht reduziert hatte, verzeichnete man am vergangenen Donnerstag einen Durchschnittswert von rund zwölf Kilometern.

Wie gut die Maßnahmen und Aufrufe zu Mobilitätseinschränkungen angenommen wurden, zeige sich an der sehr deutlichen Reduktion des mittleren Aktionsradius der Österreicher in den vergangenen Wochen. Auch die Karwoche und das Osterwochenende folgten diesem Trend. Mit der Lockerung der Maßnahmen ab Dienstag änderte sich das Verhalten jedoch, zeigt die Auswertung auf der CSH-Homepage.

Dass physische Distanz der Schlüssel zum Erfolg der vergleichsweise niedrigen Infektionsrate war, meint auch der Infektiologe Christoph Wenisch. Der Leiter der Infektionsabteilung im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital zerstreute zu optimistische Aussichten auf die baldige Rückkehr in den Normalzustand. "Einen normalen Alltag gibt es erst nach Covid. Das wird frühestens im 2022er-, 2023er-Jahr sein, wenn die Impfung da ist. Alles andere wäre verfrüht zu sagen", meinte Wenisch im Radiosender Ö1. Eine große Hoffnung sei das Mittel Remdesivir. Das Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Science zeigt Medienberichten zufolge Erfolge bei der Behandlung von schwer erkrankten Covid-19-Patienten.

In die Riege der Kritiker der von der Regierung erlassenen Ausgangsbestimmungen stimmte am Samstag auch der ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache (DAÖ) ein. Er bekrittelte in einer Aussendung die aus seiner Sicht "überzogenen Zwangssperren" in der Gastronomie. Zuvor hatte bereits die Wiener FPÖ verlangt, dass Gastgärten sofort geöffnet werden müssten, da die Ansteckung laut Experten im Freien "extrem unwahrscheinlich" sei.

37.000 Tote in den USA

Europa ist derzeit mit mehr als 1,1 Millionen Infektions- und knapp 98.000 Todesfällen der am stärksten von der Pandemie betroffene Kontinent. Das am schwersten betroffene Land bleiben die USA, wo sich laut Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben bereits mehr als 700.000 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Mehr als 37.000 Personen in Amerika sind infolge einer Coronavirus-Infektion gestorben. Experten gehen davon aus, dass die offiziell bestätigten Zahlen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Fälle abbilden.

Im schwer betroffenen Spanien hat unterdessen die Zahl der Todesopfer die Marke der 20.000 durchbrochen. Binnen 24 Stunden seien 565 infizierte Menschen ums Leben gekommen, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag in Madrid mit. Das waren 20 weniger als am Vortag. Die Gesamtzahl der Corona-Toten kletterte am Samstag auf 20.043. Damit liegt das Land an dritter Stelle hinter den USA und Italien.

Allerdings haben die Todesopferzahlen der vergangenen Tage etwas weniger Aussagekraft, denn die Zentralregierung bemüht sich seit Freitag zusammen mit den jeweiligen Regionen des Landes um eine Vereinheitlichung der Erfassungs- und Mitteilungsmechanismen, nachdem man einige Probleme festgestellt hatte.

Die seit Mitte März und noch mindestens bis Mitternacht des 25. April geltende strikte Ausgangssperre in Spanien trägt aber offenbar kontinuierlich Früchte. Die Zahl der Corona-Patienten, die als genesen gelten, nahm innerhalb der vergangenen 24 Stunden um mehr als 3.000 auf knapp 75.000 zu. Nach Behördenangaben nahm der Druck auf Krankenhäuser und Intensivstationen, die in einigen Regionen kurz vor dem Kollaps standen, damit weiter ab. (apa)