Ein Arzt, der Anfang Mai im Linzer Kepler Uniklinikum (KUK) während einer Operation das Spital verlassen und dessen Patient den Eingriff nicht überlebt hatte, hat gegen seine fristlose Entlassung Klage eingereicht. Einerseits hätte eine Obduktion ergeben, dass das Verhalten des Arztes nicht in Zusammenhang mit dem Tod gestanden sei. Andererseits hätte eine Entlassung sofort erfolgen müssen.

Er hätte den OP-Saal nicht verlassen sollen, sagte der langjährige Mediziner am Samstag laut Berichten der "Oberösterreichischen Nachrichten" und der "Kronen Zeitung". Dennoch stünde das Ableben des 77-jährigen Patienten nicht im Zusammenhang mit seiner Abwesenheit, wie eine spitalsinterne Untersuchung ergeben habe. Der Arzt-Anwalt Klaus Dorninger sah darin einen triftigen Grund, warum einerseits die Entlassung vor dem Arbeitsgericht nicht halte. Andererseits habe sein Mandant, für den die Unschuldsvermutung gilt, aus dem selben Grund auch vor den Ermittlung der Staatsanwaltschaft wegen grob fahrlässiger Tötung nichts zu befürchten.

Der Fall sorgte vor knapp zwei Wochen für Aufsehen. Der Oberarzt habe, so lautet der Vorwurf, während einer heiklen Operation das Linzer Kepler Klinikum verlassen und an seinen Assistenzarzt übergeben, um in seine Privatordination zu gehen. Der 77-jährige Patient verstarb. Nun werde untersucht, ob es Fehler gegeben habe, die zum Tod des Patienten geführt haben, wurde in der Linzer Staatsanwaltschaft gegenüber der "Wiener Zeitung" erläutert. Eine Obduktion der Leiche wurde durchgeführt, demnach ist der Mann an einem Hinterwandinfarkt verstorben. Ein Sachverständigen-Gutachten wird eingeholt, die Polizei ermittelt.

Das Kepler Klinikum hat, wie die "Wiener Zeitung" online berichtet hat, noch am Montagabend wegen des Verdachts der Verletzung der Dienstpflicht eine Entlassung ausgesprochen. Nachdem sich die Verdachtsmomente verdichtet haben, sei das "unumgänglich" gewesen, führte der ärztliche Leiter des Kepler Klinikums, Ferdinand Waldenberger, an. Auch die Stadt Linz hat eine Prüfung durch die sanitäre Aufsicht eingeleitet.

Land prüft Regeln für Privatordinationen

Abgesehen von etwaigen Fehlleistungen, denen nun von mehreren Seiten nachgegangen wird, rückt der Fall in Linz erneut schlagartig die Problematik in den Mittelpunkt, dass Spitalsärzte auch Privatordinationen führen. Für Patientenanwalt Gerald Bachinger betrifft der lockere Umgang mit Privatordinationen von Spitalärzten eine "Todsünde" im öffentlich-rechtlichen Gesundheitswesen. Nämlich jene, Patienten im Spital zurücklassen, um sich einem Privatpatienten zu widmen.

Oberösterreichs Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) will die Richtlinien dafür nun überprüfen lassen. Für Oberösterreichs Ärztekammerpräsidenten Peter Niedermoser handelt es sich jedoch um einen bedauerlichen "Einzelfall", wie dieser in ORF Oberösterreich sagte. Der Oberarzt könnte aber seine Zulassung verlieren. Darüber entscheidet letztlich nach einer Anzeige bei einem Ehrenrat die österreichische Ärztekammer. (ett)