Ich hätte nie gedacht, dass ich als Elektriker, der die Gesellenprüfung mit Ach und Krach geschafft hat, einmal Bischof werde", sagte Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg und neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz, zu Beginn der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Vorgänger Kardinal Christoph Schönborn am Freitag.

Danach wurde es grundsätzlicher: Die Bischöfe appellierten an die Bundesregierung, wieder Flüchtlinge aufzunehmen und forderten Respekt gegenüber Religionen. "Wir brauchen Gemeinsamkeit und gewiss kein Virus der Nationalität", sagte Lackner. Stattdessen sei ein Geist der Aufmerksamkeit und Solidarität wichtig. In diesem Sinne solle Österreich "in absehbarer Zeit ein faires Kontingent an Asylwerbern aufnehmen und versorgen", sagte er mit Bezugnahme auf die Erklärung des heimischen Episkopats nach der Vollversammlung in Mariazell. Dort war Lackner am Dienstag zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden, nachdem Schönborn das Amt nach 22 Jahren aus Altersgründen zurückgelegt hatte. Auch Schönborn betonte, dass Hilfe für Schutzsuchende in Österreich "ein Grundpfeiler" bleiben müsse.

"Entgleisung der letzten Woche"

"Wir distanzieren uns deutlich vom Missbrauch der Religion für politische Zwecke", sagte Lackner zudem. Statt eines Ungeists "der Empörung und der Vernaderung" brauche es eine neue Kooperation der besten Ideen. Schönborn mahnte, andere dürften in der Öffentlichkeit nicht diskriminiert oder beschimpft werden. Keine Religion dürfe öffentlich schlecht gemacht werden. "Mehr muss ich nicht zur Entgleisung der letzten Woche sagen", sagte Schönborn, der sich damals auf Aussage von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer bezog. Dieser hatte am Dienstag auf einer Kundgebung am Wiener Viktor-Adler-Markt den Koran als "gefährlicher als Corona" bezeichnet. Auch das Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Christen, Michael Chalupka, zeigte sich in einer Aussendung am Freitag "zutiefst betroffen" ob dieser Aussage. Der Versuch der Verächtlichmachung einer der großen Weltreligionen und ihrer Heiligen Schrift sei "schändlich", so Chalupka.

Lackner betonte, dass die österreichischen Bischöfe das (kommende Woche aufliegende) Klimavolksbegehren unterstützen werden, was auch in der Mariazeller Abschlusserklärung festgehalten wurde. Der globale Klimawandel würde langfristig weitaus verheerendere Folgen haben als die aktuelle Corona-Pandemie, sagte Lackner.

Auch für "umfassenden Lebensschutz" werden die Bischöfe weiterhin eintreten. Die Kirche werde dementsprechend weiterhin "laut sagen", dass das Leben von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende geschützt werden müsse, sagte Lackner.

Für Kardinal Schönborn hat die Corona-Krise, die "die Ärmsten am meisten" treffe, zwei Dinge gezeigt: Einerseits, dass die "maßlose Globalisierung" große Gefahren berge; andererseits müsse man sich "vor neuem Nationalismus und neuer Abschottung hüten", sagte Schönborn und verwies auf die Tradition Österreichs als Brückenland: "Wir werden hoffentlich keine Politik der Abschottung signalisieren". Es brauche auch künftig eine europäische Gemeinsamkeit und internationale Vernetzung. Diese beiden Aspekte gut auszutarieren, sei eine Begabung, die Österreich während der vergangenen 75 Jahre immer wieder gezeigt habe.

Sozialpartnerschaft pflegen

In diesem Zusammenhang verwies der Kardinal auch auf den "großen Wert der Sozialpartnerschaft", die ein "Erbe der Aufbaugeneration" sei. Den "Geist, aus dem heraus sie erfolgreich war", solle Österreich weiter pflegen.

Die Pandemie habe laut den Bischöfen die Verletzlichkeit unserer Lebenswelt bewusst gemacht. Man sei dankbar, dass die Schutzmaßnahmen, zu denen auch Einschränkungen des kirchlichen und religiösen Lebens gehörten, gewirkt haben. Angesprochen auf Online-Gottesdienste und Erfahrungen damit, meinte Lackner: Es werde künftig wohl so etwas wie eine "Theologie des Digitalen" brauchen.