Linz. Wenn Kinder zusätzlich ein paar Tage schulfrei haben, sind sie normalerweise froh. Bei so manchem Mädchen oder Burschen in jenen fünf Bezirken in Oberösterreich, in denen das Schuljahr wegen der seit Freitag geltenden Corona-Sperre um eine Woche früher endet, ist das keineswegs bei allen so. "Es war ein totaler Schock", schildert eine Mutter aus Linz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", als ihr Sohn am Mittwoch mit der Nachricht vom abrupten, vorzeitigen Schulschluss heimkam.

Nicht einmal die Zeugnisverteilung war zunächst ordentlich geklärt. Im Laufe des Donnerstag war dann in der oberösterreichischen Bildungsdirektion zu erfahren, dass jene Schüler, die aufgrund der Klassenteilung noch bis Freitag Unterricht hatten, auch das Zeugnis bereits erhalten sollen. Die anderen Schüler in den Bezirken Linz-Stadt, Linz-Land, Wels-Stadt, Wels-Land und Urfahr-Umgebung, sollen, so der Plan, die Zeugnisse kommende Woche einzeln in der Schule abholen können. "Schlimmstenfalls" könne es das Zeugnis auch erst im Herbst geben, wurde Linzer Schülern vorerst mitgeteilt.

Geschenkübergabe
an Lehrer fällt aus

"Traurig" seien die Kinder gewesen, sagt die Mutter, die auch Elternvertreterin ist. Das liegt auch daran, dass die betroffenen Mädchen und Burschen nicht nur um die eine Schulwoche und eine ordentliche Zeugnisverteilung umgefallen sind. Auch weil das Menschliche im Verhältnis zwischen manchen Lehrern und Schülern damit abrupt wegfällt. Für einen besonders beliebten Pädagogen, der in Pension geht, war in einem Gymnasium ein Geschenk vorbereitet worden. Die "offizielle" Übergabe fällt nun ins Wasser.

Manch anderes ist wegen der Corona-Auswirkungen schon zuvor ins Wasser gefallen. So wurden von der Elternvertreterin zum Schulschluss bisher Abschlusstreffen der Eltern und Kinder am Pleschingersee organisiert. Der Plan dazu wurde schweren Herzens wegen der Ungewissheit um die Corona-Erkrankungen aber bereits vor den nunmehr kurzfristig verhängten Sperren der Schulen und Kindergärten in den fünf zentralen oberösterreichischen Bezirken fallengelassen. Das habe sie sich aus Verantwortung für Eltern und Kindern einfach nicht getraut, beteuert die Elternvertreterin. Denn sie habe einfach den Eindruck gehabt, das wäre "kontraproduktiv".

Ihr Blick ist jetzt bereits auf das neue Schuljahr 2020/21 gerichtet: "Wenn das im Herbst so weitergeht, wird da ,lustig‘ ", sagt sie mit Ironie.

Eine Lehrerin aus einer Schule in Oberösterreich beklagt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", dass die Pädagogen als Betroffene die Information über die Schulsperren wieder aus einer Pressekonferenz erfahren mussten und nicht zuvor durch die Bildungsdirektion. Dies, obwohl die Lehrerschaft diese Vorgangsweise schon bei der Bekanntgabe der doch nicht unterrichtsfreien Freitag-Fenstertage kritisiert habe.

Allerdings seien die Schulschließungen jetzt nicht wirklich überraschend gekommen. "Es stand immer die Frage im Raum: Werden wir das Durchhalten bis zum Sommer?", sagt sie.

Kritik an rascher Aufhebung der Maskenpflicht

Was die Pädagogin vor allem beanstandet, ist der Umgang mit Schutzmaßnahmen. Dabei stößt sie sich speziell daran, dass von der Bundesregierung sowohl in den Schulen als auch in den Supermärkten die Maskenpflicht so rasch wieder aufgehoben worden ist. An ihrer Schule hat man die Zeugnisübergabe geregelt und damit gelöst: Die Schüler erhalten das Zeugnis in zwei Gruppen am kommenden Freitag, müssen dabei aber auf jeden Fall Masken aufsetzen.