Bei einem Felssturz in der Bärenschützklamm bei Mixnitz nördlich von Graz sind am Mittwoch eine 50-jährige Frau aus Ungarn und eine 21-Jährige aus dem Bezirk Graz-Umgebung getötet worden. Die Gesteinsbrocken hatten gegen 12.00 Uhr einen Wandersteig und dort angebrachte Treppenleitern aus Holz zerstört. Sieben Personen erlitten leichte, eine Person schwere Verletzungen, wie die Polizei mitteilte.

Das Felsstück war um die Mittagszeit abgebrochen. Dabei wurden mehrere Wanderer von Felsteilen getroffen. Die Alarmierung der Einsatzkräfte gestaltete sich schwierig, da in der engen Schlucht kein Handyempfang herrscht. Zwei Rettungshelikopter des ÖAMTC, C12 und der C17, sowie ein Polizei- und ein Bundesheer-Hubschrauber flogen Verletzte per Seilbergung aus bzw. Retter und Material ein. Die beiden ums Leben gekommenen Frauen wurden von der Polizei-"Libelle" aus der schwer zugänglichen Klamm geborgen.

Die Bärenschützklamm bei Mixnitz südlich von Graz. - © Von Sonicccgraz, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15949998
Die Bärenschützklamm bei Mixnitz südlich von Graz. - © Von Sonicccgraz, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15949998

Die Bergrettung der Ortsstelle Mixnitz führte die Rettung der acht Verletzten durch. Diese wurden zum Eingang der Klamm gebracht, dort vom Rettungsdienst bzw. Rettungshubschraubern übernommen und in Krankenhäuser eingeliefert. Die genauen Identitäten und Nationalitäten der verletzten Personen war noch Gegenstand der Ermittlungen. Es dürfte sich aber zum Teil um Österreicher und Ungarn handeln.

Komplizierter Einsatz

Die vom Mixnitzbach durchflossene Bärenschützklamm ist extrem unzugänglich, Retter und Material mussten durch steile Felswände abgeseilt werden oder von Mixnitz aus wenigstens eine Stunde lang aufsteigen, um zur Unglücksstelle zu gelangen. Im Einsatz standen die Bergrettung, das Rote Kreuz, die Alpinpolizei und das Bundesheer.

Die Rettungskräfte mussten auch den eiskalten Mixnitzbach mit Hilfe einer Canyoning-Rettungsgruppe aus der Obersteiermark absuchen, da sich dort eventuell weitere Opfer befinden könnten. Der Mixnitzbach in der Klamm birgt zahlreiche Wirbel und vom Wasser ausgeschürfte Bereiche, dazu Spalten und Schlünde. Die Canyoning-Gruppe und deren Material wurde vom Bundesheer eingeflogen.

Die Bärenschützklamm ist bis auf weiteres für Besucher und Wanderer gesperrt. Die Alpinpolizei Bruck-Mürzzuschlag führt noch weitere Erhebungen betreffend des Unfallhergangs durch.

Die Bärenschützklamm ist eine wasserführende Klamm, in der über 164 Leitern ein Höhenunterschied von etwa 350 Metern zwischen 750 Metern und rund 1.100 Metern Seehöhe überwunden wird. Ausgangspunkt ist Mixnitz im Gemeindegebiet von Pernegg (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag), die Klamm führt u.a. zur Wallfahrtskirche Schüsserlbrunn, zur Almwirtschaft "Zum guten Hirten", auf den Hochlantsch (1.720 Meter Seehöhe) oder in Richtung Teichalm.

Felsstürze in Österreich nicht ungewöhnlich

Ein Felssturz ist in Österreich alles andere als ein ungewöhnliches Ereignis: Bergstürze stehen meist in Zusammenhang mit tektonischen Bruchlinien, aber auch starke Niederschläge oder Erdbeben können Auslöser sein. Kontrollen und entsprechende Vorkehrungen sollen gefährdete Objekte schützen.

In Tirol, Salzburg und in Kärnten sind Felsstürze besonders häufig. Betroffen ist allerdings das gesamte Alpengebiet. Die Art des Materials spielt übrigens keine Rolle: Felsstürze treten sowohl in den Kalkalpen als auch in metamorphen Gesteinen auf. Ausschlaggebend für Bergstürze sind hauptsächlich tektonische Bruchlinien (z.B. in Dobratsch in Kärnten oder Tschirgant in Tirol). Immer wieder gehen 100 Kubikmeter große Massen ab. In Oberösterreich blieb in den 1980er-Jahren das Material ein paar Meter vor Häusern in Bad Goisern stehen.

Das "Krisengebiet" wird permanent kontrolliert, die Messungen erfolgen auch über Satellit, die Daten werden permanent aufgezeichnet. Dies ist eine wesentliche Aufgabe der zuständigen Landesgeologie bzw. der Bergbaubehörde.

Ähnlich wie beim Schutz vor Lawinen gibt es auch Vorkehrungen gegen Felsstürze. So werden Dämme errichtet, damit bei einem eventuellen Abgang das Material nicht bis zu Häusern vordringt. Die Dämme bestehen aus Material an Ort und Stelle und sind auf verschiedene Weisen verstärkt. (apa)