Die Regierung hat die Entscheidung über eine Ausweitung der Maskenpflicht am Montag erneut um einen Tag verschoben. Grund ist, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beim EU-Gipfel in Brüssel bleiben musste. Kurz sollte am Montag aus Brüssel eine Telefonkonferenz mit Vizekanzler Werner Kogler, Gesundheitsminister Rudolf Anschober (beide Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) abhalten.

Auch auf Mitarbeiterebene werde weiter über Details gesprochen, hieß es aus dem Kanzleramt gegenüber der APA. Dabei gehe es jedoch nicht nur um eine etwaige Ausweitung der Maskenpflicht. Wenn Kurz vom EU-Gipfel zurück ist, soll es am Dienstag eine Pressekonferenz geben.

Auch auf Mitarbeiterebene wird weiter über Details gesprochen, hieß es aus dem Kanzleramt gegenüber der APA. Dabei gehe es nicht nur um die Maskenpflicht. Näheres wollte man auf Nachfrage dazu aber nicht sagen. Wenn Kurz aus Brüssel zurück ist, soll es am (morgigen) Dienstag auch ein physisches Treffen zwischen den Regierungsmitgliedern geben. Danach soll eine Pressekonferenz stattfinden.

Kritik der Opposition

Kurz hatte vor dem Wochenende Beratungen zur Maskenpflicht angekündigt, nachdem die Zahlen der Coronavirus-Infizierten in Österreich gestiegen waren. Eine Rückkehr zur Maskenpflicht in gewissen Bereichen - etwa in Supermärkten - wird erwartet.

"Die Bevölkerung muss jetzt warten bis der Kanzler wieder im Land ist, weil Gesundheitsminister Anschober die Maskenpflicht nicht alleine verkünden darf", kritisierte SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher in einer Aussendung. Die Neuinfektionen würden deutlich ansteigen. "Worauf wartet die Regierung?", fragte er. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hatte bereits zuvor angeregt, die Maskenpflicht an Orten wie Supermärkten wiedereinzuführen.

Die FPÖ sprach sich indes gegen eine neue "Maskerade" aus, wie Generalsekretär Michael Schnedlitz sagte. "Es ist kein einziger Cluster bekannt, der in einem Supermarkt seinen Ursprung hat", betonte er. Masken sollten lediglich in kritischer Infrastruktur getragen werden. NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker nannte den Aufschub der Entscheidung nicht nachvollziehbar, und forderte, regional differenzierte Maßnahmen umzusetzen. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) plädierte dagegen für eine erneute Maskenpflicht im Lebensmittelhandel.

Zahl der Corona-Spitalspatienten steigt

Die Zahl der Spitalspatienten mit dem Coronavirus ist in Österreich am Montag erstmals seit 29. Mai wieder über 100 gelegen. 112 Personen waren mit Covid-19 in Krankenhausbehandlung, 16 davon auf Intensivstationen, teilten Innen- und Gesundheitsministerium in ihrem täglichen Update mit (Stand 9.30 Uhr). Die vergangenen Tage war die Zahl der Hospitalisierten bei knapp unter 100 stabil gewesen.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden gab es 88 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Die Zahl der bisherigen Todesfälle blieb mit 711 gleich. Bisher gab es 19.743 positive Testergebnisse, 17.659 ehemals Erkrankte sind bisher wieder genesen. Damit lag die Zahl der aktiven Fälle bei 1373 Personen, ein Plus von 28 Fällen zum Vortag.

Die meisten Neuerkrankungen gab es mit 38 in Wien, gefolgt von 32 in Oberösterreich. Sieben Fälle kamen in Niederösterreich hinzu, fünf in der Steiermark, drei in Salzburg, zwei im Burgenland und einer in Tirol.

Im Coronavirus-Cluster um die Wiener Neustädter Freikirche "Pfingstkirche Gemeinde Gottes" hat sich am Montag die Zahl der direkt Infizierten um zwei auf 28 erhöht. Außerdem gab es laut einem Sprecher von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) acht neue Folgefälle.

Ein weiterer Folgefall wurde auch im Cluster um einen Schlachtbetrieb in Eggenburg (Bezirk Horn) vermeldet. Somit waren 38 Mitarbeiter und fünf weitere Personen erkrankt. Die Testungen nach der Covid-19-Ansteckung eines Pfarrers im Stift Heiligenkreuz (Bezirk Baden), der in Trumau (ebenfalls Bezirk Baden) eine Messe gehalten hatte, verliefen bisher in drei Fällen positiv. Unter den Infizierten sei auch ein Kaplan. (apa)