Graz. Der tätliche Angriff auf den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, hat in Österreich große Empörung ausgelöst. Rosen war am Samstagabend vor dem Gemeindehaus von einem Unbekannten mit einem Holzprügel, offenbar ein Baseballschläger, attackiert worden.

Rosen blieb unverletzt, der Täter flüchtete. Am Sonntagabend verhaftete die Grazer Polizei einen Verdächtigen. Ein Polizeisprecher bestätigte auf APA-Anfrage entsprechende Online-Medienberichte. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verkündete via Twitter, dass zwei Beamte den Verdächtigen festgenommen hätten. Ersten Informationen aus dem Innenministerium zufolge zeigte sich der Mann geständig. Der mutmaßliche Täter soll für zumindest sieben Delikte verantwortlich sein - darunter auch eine Sachbeschädigung beim schwul-lesbischen Verein Rosalila PantherInnen.

Überwachung aller jüdischen Einrichtungen

Nehammer erklärte zuvor, er habe eine verstärkte Überwachung aller jüdischen Einrichtungen in Österreich angeordnet. Auch das Einsatzkommando Cobra werde zur Unterstützung herangezogen werden. Nehammer: "Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wer jüdische Mitbürger angreift, greift die Grundpfeiler unseres demokratischen Zusammenlebens an."Nehammer kündigte an, er werde am Montag Rosen und den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Oskar Deutsch, sowie weitere Vertreter der Israelitische Gemeinde zu einem Gespräch einladen. Dabei solle die aktuelle Lage besprochen werden.

"Judenhass und Antisemitismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft"

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen verurteilte den Angriff auf Rosen und die Vandalenakte auf die Synagoge auf das Schärfste. "Judenhass und Antisemitismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft. Meine Solidarität gilt allen in Österreich lebenden Jüdinnen und Juden", teilte Van der Bellen auf Twitter mit.

"Erschüttert" über den Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz zeigte sich auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). "Für Antisemitismus darf es in Österreich keinen Platz geben", sagte Kurz auf Twitter und versprach eine rasche Suche nach dem Täter. "Wir werden alles tun, um den Täter rasch zur Rechenschaft zu ziehen und die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in Österreich weiterhin zu gewährleisten", so Kurz.

Bestürzt zeigte sich auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP). "Die jüngsten Vandalenakte auf die Synagoge in Graz und der tätliche Angriff auf Elie Rosen sind absolut zu verurteilen und leider ein deutliches Zeichen dafür, dass unser Kampf gegen jede Form des Antisemitismus aktueller denn je ist. Die Sicherheit jüdischen Lebens muss in Österreich, in Europa und weltweit gewährleistet sein. Der Kampf gegen den Antisemitismus betrifft uns alle. Es ist ein Kampf für unsere demokratischen Werte", so der Nationalratspräsident.

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) betonte, der tätliche Angriff gegen Elie Rosen in seiner Heimatstadt Graz erschüttere ihn zutiefst. "Wir müssen uns Antisemitismus in jeglicher Ausprägung vehement entgegenstellen und uns mit aller Kraft für Zusammenhalt in unserer Gesellschaft einsetzen. Wer unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger angreift, greift uns und unsere Grundwerte an", so Kogler auf Twitter.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner nannte den Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde in Graz "zutiefst schockierend". Mehr Polizeischutz vor jüdischen Einrichtungen sei richtig. Der Kampf gegen Antisemitismus "darf kein Lippenbekenntnis sein, sondern braucht konsequentes politisches Handeln!"

Neos-Mandatar Helmut Brandstätter erklärte, dass alle dazu beitragen müssten, dass es in Österreich kein gesellschaftliches Klima geben dürfe, wo Antisemitismus möglich sei. "Wir alle sind im Moment bei Elie Rosen. Niemals wieder!!!", so Brandstätter auf Twitter.

Kardinal Christoph Schönborn schrieb auf Twitter, dass ihn die Nachricht vom Angriff auf Elie Rosen und die wiederholten Angriffe auf die Grazer Synagoge "erschrecken". Der Kardinal appellierte: "Antisemitismus darf nie mehr Platz finden in Österreich!"Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka zeigte sich "bestürzt". Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst sagte Chalupka, der Angriff sei "schändlich und zu verurteilen", ebenso wie die Vandalenakte auf die Synagoge der steirischen Landeshauptstadt in den Tagen zuvor. " Es könne nicht sein, dass Jüdinnen und Juden Angst haben müssen, in Österreich auf die Straße zu gehen.

Rosen will sich nicht beirren lassen

Es sei traurig, dass es in Graz zu solchen Vorfällen komme, sagte auch Rosen. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas passiert." Er werde sich aber davon nicht beirren lassen: "Ich werde mich in meiner Arbeit für die Gemeinde durch diese Anschläge in keinster Weise beeinträchtigen lassen." Er sei schon schockiert darüber, die Stimmung sei aber schon vorher aufgrund der Anschläge auf die Synagoge gedämpft gewesen. "Es ist aber schon noch einmal etwas anderes, wenn man persönlich angegriffen wird", meinte Rosen.

Solidaritätskundgebung in Graz

Am Sonntagabend haben knapp 200 Frauen und Männer an einer Solidaritätskundgebung teilgenommen, so die Schätzung der Polizei. Die Menschen marschierten vom Grazer Haupt-bahnhof zur Synagoge und sangen: "Schulter an Schulter gegen Rassismus". auch zahlreiche Regional- und Lokalpolitiker nahmen daran teil: Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ), Kul-turstadtrat Günter Riegler (ÖVP), die KPÖ-Stadträte Elke Kahr und Robert Krotzer, Grünen-Stadträtin Judith Schwentner und ihr Klubobmann Karl Dreisiebner, SPÖ-Chef Michael Eh-mann und Neos-Klubobmann Niko Swatek. (apa)