Mit Anlaufschwierigkeiten hat die Gastro-Registrierungspflicht in Wien mancherorts zu kämpfen. Die seit Montag geltende Corona-Maßnahme sorgt in einigen Lokalen für Unverständnis und Debatten. "Momentan ist es noch recht chaotisch", sagt Peter Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer.

Dobcak berichtet von einer Shisha-Bar in Wien, in der es seit dem Vormittag "ewige Diskussionen" mit den Gästen um die Registrierung gebe. Auf Verweigerer treffe man vor allem in Lokalen, in denen viel los sei. Hier würde teils "wild diskutiert" werden: "Die Leute weigern sich, ihre Daten herzugeben, regen sich auf und halten den Betrieb auf", führt Dobcak aus.

Die hitzigen Debatten um datenschutzrechtliche Bedenken kann der Gastro-Obmann aber nicht nachvollziehen. "Was soll denn der arme Wirt mit den Daten anfangen? Das kommt in die Schublade, wird aufgehoben und nach einem Monat vernichtet." Seltsam findet Dobcak auch, dass die Menschen sich ausgerechnet in Facebook-Beiträgen über die Registrierungspflicht und datenschutzrechtliche Probleme beschweren würden.

Aufklärungsbedarf bei Gästen

Auch Informationsdefizite machen den Gastronomen zu schaffen. Lautstarke Dispute um die Registrierungspflicht habe es bisher noch keine gegeben, sagt Stefan Ratzenberger, Pressesprecher der Kaffeehaus-Kette Aida, die in Wien mehr als 30 Filialen betreibt. Allerdings hätten einige Gäste am Montag noch gar nicht von der Meldepflicht gewusst: "Die Kellner wurden aufgefordert: ,Zeigen Sie mir, wo das steht.‘"

Gerade in den ersten Tagen sei es wichtig, den Menschen die Lage zu erklären, auch wenn die Kellner dafür viel Zeit investieren müssten, so Ratzenberger. Dobcak ortet ebenfalls noch "Aufklärungs- und Diskussionsbedarf". Er hofft, dass sich die Situation danach einpendelt und "manche Gäste zur Vernunft kommen".

Gute Erfahrungen mit der Meldepflicht hat bisher Peter Friese, Geschäftsführer des "Schwarzen Kameel", gemacht: "Das ist total unkompliziert." Der Gast trage seinen Namen, seine Telefonnummer und E-Mailadresse ein. "Wir schreiben dazu, wo die Gäste gesessen sind und zu welcher Uhrzeit sie da waren." Den Zettel gebe man dann in ein Sackerl: "Und wenn die Behörde sich meldet, bekommt sie das Sackerl."

Keine Probleme hat bisher auch Ina Ebner, Betreiberin des "Nice Guys" in der Landstraße, gehabt. Während der Mittagszeit habe nur eine Dame ihre Handynummer nicht angeben wollen: "Mittags kennt uns aber auch der Großteil der Leute." Ob es am Abend, wenn mehr fremde Gäste im Lokal erscheinen, zu Debatten komme, wisse sie noch nicht.

Unklarheiten bei Fantasienamen

Wie die Meldepflicht umgesetzt wird, bleibt den Gastronomen überlassen. Sie können etwa auf ein Formblatt der Stadt Wien zurückgreifen oder eigene Formulare verwenden. Manche Lokale greifen auch zu Apps und verwenden digitale Codes. Bei der Aida setzt man aufgrund des eher älteren Publikums auf Papier-Formblätter. Da man täglich mit tausenden Zetteln konfrontiert sei, bedeute das natürlich einen hohen Aufwand: "Wir haben eine eigene Mitarbeiterin in der Zentrale, die nichts anderes mehr macht, als diese Zettel zu administrieren", so Ratzenberger.

Der Wiener Weinwandertag, der dieses Wochenende stattfinden hätte sollen, wurde aufgrund der Meldepflicht am Montag abgesagt. Diese sei "angesichts der räumlichen Verhältnisse am Weinwandertag schwierig durchzuführen", hieß es: "Sicherheit und Gesundheit gehen vor."

Offen bleibt, wie Gastronomen mit Fantasienamen umgehen sollen. "Wenn jemand reinschreibt, er ist der Peter Posposchil, wird das der Gastronom nicht merken. Bei Peter Pan, Batman und Mickey Mouse aber schon", sagt Dobcak. Bei Falschangaben sei der Wirt dann zwar angehalten, den Gast nicht zu bedienen: "Das ist aber natürlich vollkommen unrealistisch." Denn in Zeiten wie diesen brauche der Wirt jeden Euro.

Wenn sich jemand als Graf Dracula ausgebe, werde man den Gast bitten, "nett zu sein und den richtigen Namen anzugeben", sagt Ratzenberger. "Wir haben unseren Mitarbeitern aber auch gesagt, sie sollen sich auf keine Diskussionen mit den Gästen einlassen. Das bringt gar nichts." Er glaube nicht, dass in diesen "schwierigen Zeiten" ein Gastronom einen Stammgast hinauswerfen werde, der sich nicht eintragen will.

Wien wieder auf "roter Liste"

Einen Rückschlag für Tourismus und Gastronomie könnte es auch durch eine weitere Reisewarnung geben: Slowenien hat Wien, Tirol und Vorarlberg auf seine "rote Liste" gesetzt. Personen müssen nach der Einreise eine zehntägige Quarantäne antreten oder einen negativen Covid-19-Test vorlegen. Ausnahmen gelten unter anderem für Pendler, Schüler und den Güterverkehr.